Elf PC-Mythen aufgeklärt

... für alles, was nicht in die anderen Bereiche passt.

Moderator: Marc

Elf PC-Mythen aufgeklärt

Beitragvon Volwo » Samstag 19. Februar 2011, 21:46

Elf PC-Mythen aufgeklärt

Windows wird immer langsamer
Zunehmendes Alter macht Windows nichts aus; ein Betriebssystem ist ja kein Mensch. Auch die Zahl der installierten Programme spielt keine Rolle. Problematisch wird es erst, wenn zu viele Programme beim Hochfahren automatisch mitstarten ("Autostarts").

Windows 7 läuft schneller als Windows Vista
Das ist subjektiv richtig, objektiv falsch. Beide Systeme haben sehr ähnliche Hardware-Anforderungen und Benchmark-Messungen spuckten auch auf älteren Rechnern keine relevanten Unterschiede aus.

Eigentlich reicht Windows XP immer noch
Auf einem älteren Rechner kann XP durchaus noch ein paar Jahre durchstehen. Bis 2014 will Microsoft zwar noch wichtige Sicherheitslücken stopfen, dann dürfte aber auch damit Schluss sein. Für diverse neue Hardware-Komponenten gibt es schon heute keine XP-Treiber mehr.

Anwender mit eingeschränktem Benutzerkonto sind vor Viren sicher
Das ist ein gefährlicher Irrglaube. So kommt etwa der Online-Banking-Trojaner Carberp unter Windows 7 komplett ohne Administrator-Rechte aus. Anwenderrechte reichen nämlich, um eine Browser-Erweiterung zu registrieren - und das genügt, um als "Man-in-the-Browser" auch verschlüsselt übertragene Online-Banking-Daten mitzulesen und sogar zu manipulieren.

Linux und Mac OS sind sicherer als Windows
Hier muss man zwischen akutem Risiko und allgemeiner Sicherheit unterscheiden. Linux und Mac OS enthalten ebenso Lücken wie Windows; durch die geringere Verbreitung sind sie für Angreifer aber weniger attraktiv.

Bei Linux gilt dies allerdings nur für die Desktop-Systeme. Server-Anwendungen dienen öfter als Angriffsziel, da man sie von außen direkt ansprechen kann. Auf privat genutzten Linux-Rechnern sind diese Programme nur selten installiert. Auf dem Mac kann Schad-Software auf eine 24-jährige Geschichte zurückgreifen - wenn auch in einem überschaubaren Rahmen.

Teure HDMI-Kabel liefern bessere Bilder als Billigware
Drängt ein Verkäufer zum teuren Highend-HDMI-Kabel mit vergoldeten Steckern, will er Sie wahrscheinlich über den Tisch ziehen: Bis zu einer Länge von fünf Metern lassen sich gewöhnlich auch mit Billigkabeln bei der Übertragung von HD-Inhalten mit bis zu 1080p-Auflösung keinerlei Probleme feststellen.

720p reicht nicht, erst 1080p ist richtig scharf
Das ist ein Irrtum: Auf einem 40-Zoll-Fernseher können Normalsichtige schon aus 2,5 Metern nicht mehr zwischen 720p und 1080p unterscheiden - dafür ist das Auflösungsvermögen des menschlichen Auges zu begrenzt. Allein aufgrund der Pixelzahl bringt der Umstieg von einem HD-Ready-Fernseher auf ein Gerät mit Full HD also nichts.

Je mehr Prozessorkerne, desto schneller ist die Anwendung
Als Faustregel taugt diese Aussage leider nicht: Multicore-Systeme können nur Programme beschleunigen, die eine Aufgabenverteilung auf mehrere Threads vorsehen und auch zusätzliche Kerne berücksichtigen. Bei vielen Alltagsanwendungen lohnt sich dieser Aufwand nicht: Office-Programme etwa warten eh die meiste Zeit auf Eingaben des Anwenders.

Bei Spielen bringen zwei Kerne zwar einen deutlichen Geschwindigkeitszuwachs gegenüber einem; zusätzliche Kerne fallen oft kaum mehr ins Gewicht.

Akkus ab in den Kühlschrank und nie voll auf- oder entladen
Das mit dem kompletten Laden und Entladen gilt nur für alte NiCd-Akkus, die ansonsten einen Memory-Effekt zeigen und dann tatsächlich an Kapazität verlieren. Aktuelle Smartphones und Notebooks arbeiten jedoch mit Lithium-Ionen- oder -Polymer-Akkus, für die diese Begrenzung nicht mehr gilt.

Die Kopie einer Audio-CD kann besser klingen als das Original
Klingt paradox, stimmt aber. CD-Spieler tasten eine Datenspur per Laser ab und erzeugen daraus ein analoges Signal, das anschließend digitalisiert wird.
Bei schweren Lesefehlern versucht die Fehlerkorrektur, Lücken per Interpolation auszugleichen. Das macht sich mitunter durch zirpende Geräusche und rauschende Verzerrungen bemerkbar.
Liest man dieselbe CD in einem PC-Laufwerk und einem Spezialprogramm wie Exact Audio Copy ein, so wertet dieses die CD-Daten Bit für Bit genau aus. Stecken im Laufwerk eine bessere Optik und Fehlerkorrektur als im HiFi-Player, lassen sich so selbst CDs rekonstruieren, die der CD-Player gar nicht mehr schluckt.

USB-Laufwerke muss man vor dem Ausstöpseln nicht abmelden
Das geht meistens gut, weil Microsoft den Schreib-Cache für USB-Massenspeicher seit Windows XP deaktiviert hat. Dieser führte zuvor dazu, dass das Betriebssystem auch nach dem eigentlichen Kopiervorgang noch auf das Speichermedium zugriff. Zog man in dieser Phase einen Stick aus der Buchse, gingen unter Umständen Daten verloren.

Grundsätzlich sollte man USB-Sticks, Speicherkarten und Wechselplatten dennoch nach wie vor über die zugehörige Betriebssystemfunktion "sicher entfernen" oder eben "auswerfen". So kann man erzwingen, dass eventuell noch andernorts gepufferte Daten rechtzeitig auf das Medium geschrieben werden und keine Dateien beschädigt werden.

Unter Linux sollte man noch einen Grad vorsichtiger sein: Je nach Dateisystem, Distribution und eingesetzten Programmen kann es ganz normal sein, dass vermeintlich gespeicherte Daten erst eine halbe Minute später tatsächlich auf den USB-Stick geschrieben werden. Wer den Stick zu früh abzieht, muss mit Datenverlust oder einem angeschlagenen Dateisystem rechnen. Auch unter Mac OS X kann das unvorbereitete Abziehen von USB-Speichermedien unangenehme Folgen haben. Beim Einstecken zuvor nicht ausgeworfener NTFS-Medien erscheint sogar eine ausdrückliche Warnung.

Quelle: c't 05/2011
Benutzeravatar
Volwo
Ehemaliger
 
Beiträge: 6224
Registriert: Donnerstag 6. November 2003, 18:02
Wohnort: EINBECK

Zurück zu Sonstiges

  • VISITORS

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Design by GB