Benjamin Gelhorn - Überlebender von S III

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Benjamin Gelhorn - Überlebender von S III

Beitragvon kps » Mittwoch 25. Januar 2006, 07:43

Anbei der Hinweis auf den kompletten Forschungsbericht hier im Online-Archiv, der heute in der TA für den Ilmkreis als Mini-Folge veröffentlicht wird - in der TA Gotha ggf. gekürzt.

Muna Crawinkel und weitere Konzentrationslager überlebt

Heute vor 61 Jahren, am 25.01.1945, erreichten das KZ-Außenlager Crawinkel Eisenbahnwaggons mit einem Häftlingstransport aus dem kurz vorher aufgelöstem Außenlager Echterdingen des KZ Natzweiler-Struthhof. „Wir waren rechte Muselmänner“, d.h. abgemagerte und zu Tode erschöpfte Gestalten. So beschrieb Benjamin Gelhorn, Überlebender von S III, die damalige Ankunft in Thüringen.

Link zum ausführlichen Forschungsbericht

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Beitragvon kps » Freitag 27. Januar 2006, 07:41

Heute ist ein 2ter Teil in der TA für den Ilmkreis

Quelle: Thüringer Allgemeine - Ilmkreis am 27.01.2006

Eine Suppe am Tag

CRAWINKEL. Vor 61 Jahren erreichten das KZ-Außenlager Crawinkel Eisenbahnwaggons mit einem Häftlingstranport - Benjamin Gelhorn, ein Augenzeuge, berichtet. Auf eine Nachfrage in Bezug zu anderen Aussagen zum Lager Crawinkel antwortete Herr Gelhorn: "Eine Umzäunung oder brennende Leichenberge habe ich nicht in Erinnerung, auch keine Baracken. Auch von einer Musikkapelle dort ist mir nichts bekannt." Aus den wenigen, bisher vorliegenden Unterlagen können wir derzeit nachvollziehen, dass mindestens 18 Häftlinge dieses Transportes S III nicht mehr lebend verlassen konnten. Weitere zehn Häftlinge überlebten und ein Häftling wurde nachweisbar in ein anderes KZ verlegt. Nach der nun vorliegenden Zeugenaussage ist zu schlussfolgern, dass vor seiner Ankunft die Feldbahn von Crawinkel in das Jonastal durch Luftangriffe teilweise zerstört wurde. "In der Nähe waren Gleise einer Schmalspurbahn, zerstört durch Luftangriffe. Die Loren, die von Hand geschoben werden sollten, waren aus den Gleisen gerissen worden und im Gelände zerstreut. Unsere Aufgabe war es, die Gleise zu reparieren und alles wieder in Ordnung zu bringen." Im Gegensatz zu Echterdingen beschrieb er weiter, dass in S III geschlagen wurde. Als Beispiel fügte er an, dass er bei den Gleisreparaturen als Kapo eingesetzt wurde, und weil er seinen erschöpften Kameraden eine kurze Pause gegönnt hatte, wurde er von einem SS-Mann verprügelt. "Wie lange wir für die Gleisreparatur gebraucht haben, kann ich nicht mehr sagen. Es waren wohl nur einige Tage. Danach waren wir wieder für einige Tage am Bahnhof Crawinkel zum Abladen eingeteilt, bis es zu meinem Unfall kam. Wir mussten dort aus Eisenbahnwaggons Zementsäcke ausladen. Jeder Sack wog damals 50 Kilogramm. Zum Spaß hat mir ein SS-Mann zum ersten Sack, den ich schon auf den Schultern hatte, noch einen zweiten draufgehauen. Ich bin unter der Last zusammengebrochen und mein linker Oberschenkel ist gesplittert. Ich wurde ohnmächtig und bin erst wieder in einem Zelt mit gebrochenem Bein auf dem Boden liegend aufgewacht. Mein Bruch wurde nicht medizinisch behandelt." Leider kann der Zeitzeuge keine Angaben darüber machen, in welchem Teillager sich das Lazarett bzw. das Zelt befand und fuhr fort: "So kann ich nicht sagen, wie weit es vom Bahnhof bis zum Zelt war, ob es dort auch noch andere Zelte oder sonstige Gebäude gab. Jedenfalls war es nicht der Wald mit den Erdbunkern, wo ich zuvor untergebracht war. Mit mir im Zelt lagen noch mehr Leute, krank, erschöpft oder verwundet, jedenfalls nicht mehr gehfähig. Wir wurden mit einer Suppe am Tag am Leben gehalten. "

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Beitragvon kps » Freitag 27. Januar 2006, 07:42

kps hat geschrieben: ...Auf eine Nachfrage in Bezug zu anderen Aussagen zum Lager Crawinkel antwortete Herr Gelhorn: "Eine Umzäunung oder brennende Leichenberge habe ich nicht in Erinnerung, auch keine Baracken. Auch von einer Musikkapelle dort ist mir nichts bekannt."...


Hier hatte ich speziell aufgrund der bekannten Aussage von Fred Wander zum Lager Crawinkel nachgefragt.

MfG
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Beitragvon kps » Montag 30. Januar 2006, 08:04

Die weiteren Teile des ausführlichen Berichts erschienen in der TA für den Ilmkreis am 27.01. & 28.01. im Lokalteil. Dafür möchte ich mich bei der Redaktion an dieser Stelle recht herzlich bedanken.

Hat Jemand im Kreis Gotha einen Artikel dies bzgl. in der TA gefunden? Ich hatte auch eine Kurzversion extra dafür verfasst.

MfG
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Beitragvon kps » Dienstag 3. April 2007, 22:05

Am 15. April 2007 werden nach jüdischem Brauch die 34 Grabsteine für die am Flughafen Echterdingen beigesetzten Nazi-Opfer gesetzt. Es wird eine große Zeremonie geben, die an die Beisetzung im Dezember 2005 anschließt.

MfG
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Beitragvon kps » Dienstag 17. April 2007, 15:47

Quelle: http://www.stuttgarter-nachrichten.de/s ... hp/1402677

Echterdingen
Grabsteine für KZ-Opfer

Gebeine der jüdischen Männer waren im Herbst 2005 von Bauarbeitern zufällig entdeckt worden

Stuttgart - Auf dem US-Airfield in Filderstadt bei Stuttgart sind am Sonntag für 34 Opfer des Nationalsozialismus Grabsteine gesetzt worden. "Diese Menschen haben ihre Heimat und ihre Persönlichkeit verloren", sagte der Landesrabbiner Netanel Wurmser vor zahlreichen Gästen, darunter auch der ehemalige Häftling Benjamin Gelhorn.

Die Gebeine der jüdischen Männer und Frauen waren im November 2005 bei Bauarbeiten zufällig entdeckt worden. Bei den Toten handelt es sich um Häftlinge aus dem Konzentrationslager in Echterdingen, die vor mehr als 62 Jahren an gleicher Stelle Startbahnen reparieren und Straßen bauen mussten. Die Zeremonie wurde von der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) und dem Staatsministerium Baden-Württemberg geleitet.
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Beitragvon Ingwer » Dienstag 17. April 2007, 16:56

Woher weiss man, dass es jüdische Häftlinge waren...........?
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Beitragvon kps » Dienstag 17. April 2007, 19:02

Hai, es gibt noch Überlebende des Lagers Echterdingen, Bestandslisten sowie eine Transportübersicht in das Lager Crawinkel - zwecks Auflösung.

Weitere Infos findest du hier ->
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/p ... hp/1009445

Der folgende Artikel führte uns auf die Spur und ich stellte den Kontakt her. Seit dem halte ich auch ab und zu in diese Richtung die Augen auf und die Gänsehaut geht nicht weg - egal um welches Lager es geht.

Quelle: Freie Presse Chemnitz am 22.09.2005

NS-Massengrab auf dem Flughafen Stuttgart entdeckt
Vermutlich 34 jüdische Zwangsarbeiter verscharrt

Stuttgart. Bei Bauarbeiten auf dem Stuttgarter Flughafen ist vermutlich ein Massengrab mit den Leichen von 34 NS-Zwangsarbeitern entdeckt worden. Wie Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt gestern mitteilten, handelte es sich wahrscheinlich um jüdische Gefangene des Arbeitslagers Echterdingen. Sie waren zwischen November 1944 und Februar 1945 auf dem damaligen Fliegerhorst als Zwangsarbeiter eingesetzt. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen wegen Mordverdachts gegen Unbekannt auf. Staatsanwalt Bernhard Häußler sagte, es bestehe der Verdacht „der grausamen Tötung durch Verhungern lassen".

Bei Schachtarbeiten seien in rund einem Meter Tiefe die ersten Skelettteile gefunden worden. Die sterblichen Überreste werden den Angaben zufolge derzeit geborgen. Die Untersuchung könne noch Wochen in Anspruch nehmen. Zur Zeit des Dritten Reiches befand sich auf dem Flughafengelände ein Arbeitslager des im Eisass gelegenen Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof. Nach ersten Einschätzungen und Erkenntnissen waren von Mitte November 1944 an jüdische Häftlinge in dem damaligen Flugzeughangar untergebracht. Das Arbeitslager war im Februar 1945 nach Ohrdruf evakuiert worden.

Norbert Walz vom Landeskriminalamt sagte, in einem Fall gebe es Hinweise, dass das Opfer gefesselt war. Zwei oder drei Personen hätten vermutlich noch gelebt als sie in dem Massengrab verscharrt worden seien. Die Ermittler versuchen nun, an Häftlingslisten des Lagers zu kommen. Mit Hilfe dieser Listen sollen dann eventuell Verwandte ausfindig gemacht werden. Mit DNA-Proben soll dann versucht werden, die menschlichen Überreste zu identifizieren. Nach Aussagen ehemaliger Häftlinge waren zwischen November 1944 und Januar 1945 wahrscheinlich über 100 Menschen jüdischer Herkunft an Hunger und einer Fleckfieberepidemie gestorben, berichteten Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt. Bereits im Oktober 1945 waren 66 Leichen exhu^ miert worden, die in einem Waldstück vergraben worden waren, (ap)



Quelle: Suttgarter Zeitung Online am 18.10.2005

Aus Nummern werden Menschen - die Geschichte der KZ-Häftlinge

320 Menschen, also der weitaus größte Teil der Häftlinge, sind am 30. Januar 1945 im KZ Ohrdruf bei Gera angekommen. Dies geht aus einer "Veränderungsmeldung" über Neuzugänge hervor, von der sich Kopien in der Gedenkstätte Buchenwald erhalten haben. Alle 320 Namen sind, fein säuberlich nach Nationen sortiert und in alphabetischer Reihenfolge, erhalten. Die Archivarin der Gedenkstätte, Sabine Stein, geht zudem davon aus, dass sich über einen Abgleich mit der teilweise noch existierenden Nummernkartei der Schreibstube des KZ Näheres über das Schicksal vieler Häftlinge herausfinden ließe. Sie sagt aber auch: "Zu jener Zeit herrschte im KZ Ohrdruf Chaos, die Sterblichkeit war enorm hoch." Zumindest finden sich in der Liste neun Männer, von denen bekannt ist, dass sie den Holocaust überlebt haben. Insgesamt weiß man von zwölf überlebenden Häftlingen des KZ Echterdingen.

12.10.2005
Zwischenstation auf einer Odyssee der Leiden
…Der Insasse Symcha Bornstein spricht davon, dass nach ihrem Abtransport am 21. Januar 1945 von Echterdingen ins KZ Ohrdruf "von den 600 Häftlingen nunmehr noch 250 am Leben" waren. Von zwölf Echterdinger Überlebenden kennt man die Namen.

…Henry Ehrlich verlor bei der Deportation nach Treblinka seine ganze Familie. Über Blizyn, Auschwitz, Stutthof, Echterdingen, Ohrdruf, Krähwinkel und Buchenwald gelangte er schließlich nach Theresienstadt, wo auch er am 9. Mai 1945 befreit wurde.


Die Angaben bzgl. dem Transport konnte ich dann über weitere Unterlagen kongretisieren bzw. richtig stellen - siehe Beiträge zuvor.
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Re: Benjamin Gelhorn - Überlebender von S III

Beitragvon Ramsay » Mittwoch 3. April 2013, 15:40

Bei Rechcherchen musste ich feststellen, dass Herr Gelhorn verstorben ist.

Er verstarb bereits am 22.10.2011 in München und bekam auf den dortigen jüdischen Friedhof seine letzte Ruhestätte.

siehe auch hier:

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhal ... 9abee.html
http://www.leinfelden-echterdingen.de/s ... index.html
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Re: Benjamin Gelhorn - Überlebender von S III

Beitragvon kps » Mittwoch 3. April 2013, 16:08

Danke für die Weitergabe der Rechercheergebnisse.

VG
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