Eduard Hermes

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relocated posting

Beitragvon hurryup » Mittwoch 14. März 2007, 00:34

Hab meinen Beitrag hierher kopiert,weil es wohl thematisch besser passt.


Hallo,

ich wuerde gern etwas zum Thema Zeitzeugen beitragen.

In verschiedenen Quellen wird ein Eduard Herms aus Ohrdruf erwaehnt.

Nach meinen gesicherten Informationen (es handelt sich um meinen Grossvater) war sein richtiger Name Eduard Hermes,nicht Herms. Es kann sich natuerlich auch nur um einen Schreibfehler handeln. Er wurde 1900 in Koeln geboren.Schon vor dem Krieg kam er ueber die STRABAG Koeln zur OT.
Dort war er am Bau des Westwall beteiligt. Nach dem Westfeldzug wurde er nach Frankreich verlegt,um beim Bau der U-Boot Bunker und des Atlantik Walls mitzuwirken. Mit dem veraenderten Kriegsverlauf wurde er 1944 ueber verschiedene OT Projekte in Bayern im Oktober/November nach S3 verlegt.
Zunaechst war er in Ohrdruf, spaeter in Woelfis bei Privatpersonen einquartiert. Technisch gehoerte er immer noch zur STRABAG,deshalb wurde er einfach der STRABAG Weimar unterstellt,fungierte aber weiterhin als Teil der OT. Nach dem Krieg blieb er mit einem weiteren Kollegen der OT (Paul Reimer) in Woelfis.
Um 1965 herum wurde er von der "Kripo" aufgesucht. Offizieller Grund war, man habe in einem Alt-Bergbau bei Oberhof 2 Tote in Haeftlings-Uniform gefunden. Es handelte sich aber hoechstwahrscheinlich um die Staatssicherheit,und nicht die Kripo. Und es ging im weiteren Verlauf auch nicht mehr um Oberhof,sondern um das Jonastal.
Er wurde mehrfach zu Ortsbesichtigungen/Befahrungen "eingeladen".
Aus dieser Zeit stammt auch seine Aussage,dass das Objekt unmittelbar vor der Einweihung gestanden haben muss.

Ich kann mich selbst an keine direkte Aussage von ihm erinnern. Aber von Erzaehlungen seiner Frau/meiner Oma und durch Erzaehlungen meiner Eltern weiss ich,dass er mehrfach davon sprach,es sei alles "fertig" gewesen. Und dass es vom Truppenuebungsplatz her getarnte Einfahrten fuer LKW gegeben habe. Dann sprach meine Grossmutter auch davon,dass er von Zeiot zu Zeit "seine Haeftlinge" am Ohrdrufer Lagertor uebernahm ,um mit ihnen zur Baustelle zu gehen/fahren. Ausserdem war er wohl fuer eine ganze Zeit nach dem Krieg weiterhin im Jonastal eingesetzt,zum Strassenbau wie es hiess.

Das hier geschilderte ist natuerlich nicht einmal im Ansatz als historische Quelle zu verwenden. Allerdings glaube ich natuerlich auf der anderen Seite auch nicht,dass mein Grossvater das Blaue vom Himmel gelogen hat. Aber selbst wenn man Erinnerungsluecken berueckstichtigt,kann man schwerlich von den heute bekannten Stollen auf einen geckachelten Raum/Objekt zurueckschliessen. Da muss also doch etwas mehr gewesen sein.

Meine Fragen hierzu waeren daher:

Gibt es Unterlagen/Aussagen ,die das Geschilderte auch nur teilweise belegen?

Gibt es Unterlagen oder Belege ueber die Taetigkeit von Paul Reimer?

Gibt es Zugang zu den entsprechenden BSTU Unterlagen,falls es welche gibt?


Viele Gruesse aus Darwin
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Beitragvon kps » Mittwoch 14. März 2007, 06:18

Moin, der Name Hermes kommt mir auf jeden Fall auch bekannt vor. In den mir vorliegenden Unterlagen, die STRABAG und S III betreffend, handelt es sich um die Freistellung von STRABAG Mitarbeitern vom Fronteinsatz für den kriegswichtigen Einsatz im Jonastal unter dem Stichwort "Sonderelbe Jasmin". Dort hatte ich ihn nicht gefunden, wobei die Unterlagen mit Sicherheit nicht vollständig sind. Wenn ich wieder in Wölfis in unserem Archiv bin, werde ich mal die Zeitzeugen-Ordner durchblättern, ob ich dort den Namen schon gelesen hatte.

Der Name Paul Reimer sagt mir auf Anhieb nichts - er ist aber notiert.

MfG
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BSTU?

Beitragvon hurryup » Donnerstag 15. März 2007, 02:14

Hi KPS,

Vor einiger Zeit hatte ich auch einmal mit einem der Autoren des Buches "Raetsel Jonastal" ueber meinen Grossvater und die STRABAG gesprochen.Allerdings war das nicht wirklich von Erfolg gekroent,da es dabei wohl auch um Vermarktungsrechte und Lizenzen geht.
Also falls es keine weiteren Infos im Archiv Woelfis geben sollte,koennte ich ueber meine Mutter versuchen,bei der BSTU Einsicht in die Akte Hermes zu beantragen. Einen Versuch waere es ja Wert,wobei da sicherlich auch nichts Spektakulaeres zu erwarten ist.

Bis dann.
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Beitragvon kps » Donnerstag 15. März 2007, 21:30

@ Hurryup -> Ich habe schon mal was beim Aufräumen gefunden - leider aber nur 2 Seiten seiner Aussage. Die Quelle ist für mich nicht eindeutig und die Kopien werden immer mal von Hand zu Hand gereicht und dann kennt wieder Jemand einen, der auch noch was hat und gibt, aber nicht mehr weiß oder sagen will, wo es her ist.

Ich denke aber mal, dass ich davon schon mal noch mehr Seiten gesehen habe, schau daher mal ins Archiv deswegen oder es findet sich noch jemand, der die fehlenden Seiten hat.

MfG
kps


Ich habe jetzt mal eine separate Diskussion daraus gemacht [wer.der.]
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Beitragvon Volwo » Donnerstag 15. März 2007, 21:41

mehr als die beiden Blätter gibt´s glaub´ich nicht. Hab´auch nur die beiden (27 und 28).
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Beitragvon kps » Donnerstag 15. März 2007, 21:48

...muss es geben. Die Aussage ist so sehr unvollständig und viele der damaligen Befragungen nach dem Krieg sind nach Schema F abgelaufen. Es gab großteils vordefinierte Fragenkataloge etc. und die Befragten mußten die Richtigkeit bestätigen. Ich denke mal, dass es keine normale Befragung duch VVN und ggf. die Staatsicherheit im Spiel war. Auf Seite 9 unten steht Leutnant... (vrmtl. gegengezeichnet) [-aua-]


MfG
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Beitragvon Volwo » Donnerstag 15. März 2007, 22:15

habs mir mal angesehen- hast recht

scheint ein Fragenkatalog abgearbeitet zu haben

wie bei vielen anderen Aussagen auch

z.B. Chaim K.:
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da muss doch auch etwas ueber Paul R zu finden sein..

Beitragvon hurryup » Samstag 17. März 2007, 00:24

Hallo Volwo und KPS

Ist schon etwas bedrueckend fuer mich die Aussage meines Grossvaters zu lesen. Aber trotzdem danke fuers online stellen. Falls ihr noch mehr Teile der Aussage findet,koenntet ihr das vielleicht auch online stellen?Vielen Dank schon mal im voraus.
Also ich werde einfach mal versuchen,ueber die BSTU mehr zu erfahren. Fall es etwas gibt,werde ich es natuerlich zugaenglich machen. Ist zwar etwas schwieirg von hier,aber schauen wir mal. Und die liebe Verwandtschaft werde ich auch noch einmal ins Gebet nehmen.Besonders auch die Zeit direkt nach dem Krieg scheint mir interessant zu sein. Zuletzt habe ich ueber all das mit meiner Oma 1991 gesprochen,und sie war sich sicher,dass der Opa fuer viele Monate nach dem Krieg weiter im Jonastal gearbeitet habe.Vielleicht war es ja nur,um die Baustelle zu beraeumen, so richtig erklaeren konnte sie jedenfalls nicht,was der Zweck gewesen war.
Sie erzaehlte ausserdem,wie sie an den Pluenderungen in der Muna und dem WVHA Ohrdruf teilnahm. Aus dieser Zeit stammten dann solche Dinge wie blau-weiss karierte Bettwaesche,die ueber Jahrzehnte als Abdeckplanen verwendet wurden. Oder auch Schmalspurschienen,die als Zaunpfosten noch heute Dienst tun.
Es wuerde doch ueberraschen,wenn das Jonastal nicht genauso gepluendert worden waere?

Ok,bis spaeter


Joerg
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Beitragvon kps » Samstag 17. März 2007, 09:04

Hai Jörg, Muna Crawinkel interessiert mich wiederum brennend. Gibt es die Erinnerungen und Erlebnisse auch schriftlich? Gibt es ggf. Fotos, andere Zeitdokumente etc.?

MfG
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Muna

Beitragvon hurryup » Sonntag 18. März 2007, 03:25

Hi KPS,

also mit Dokumenten sieht es da wohl eher schlecht aus. DIe besagte Bettwaesche und die Zaunpfosten exisitieren noch als Relikte aus dieser Zeit. So weit ich von den Erzaehlungen meiner Oma weiss,lief das alles in grosser Eile ab und jeder war bemueht,so schnell wie moeglich wieder zu verschwinden. Ein weiteres Problem war sicher auch,dass soweit ich weiss Kameras (neben Waffen und Radios) verboten waren. Ausserdem gab es marodierende Gruppen ehemaliger Heaftlinge,die sich bewaffnet und aus ersichtlichen Gruenden einigen Hass auf alles Deutsche hatten. In Woelfis kam es zu einigen Zwischenfaellen mit Ex Haeftlingen serbischer Herkunft,und mindestens ein EInwohner wurde erschossen. (So wird es erzeahlt..,habe nie Unterlagen dazu gesehen)

Meiner Oma blieb die Aktion beim WVHA in Ohrdruf in bleibender Erinnerung,weil ihr beim 'Hamstern' das voll beladene Fahrrad gestohlen wurde.

Zum Jonastal gab oder gibt es ein wenig Handwerkzeug.Speziell eine Beisszange ist mir in Erinnerung,von der es hiess,sie sei meinem Grossvater von Italienschen Gast/Zwangsarbeitern im Jonastal ueberlassen worden.

Von Erzaehlungen von Verwandten weiss ich,dass Woelfiser Frauen vor 1944 oefters zwangsverpflichtet zur Arbeit in die Muna berufen wurden. Das geschah in der Regel nachts,und eine Geschichte ist mir in Erinnerung geblieben: Einige Bunker waren mit Watte ausgelegt,die Frauen luden entweder Waggons oder LKW's aus,und durften dazu keine Schuhe tragen. Und was sie ausluden,war extrem empfindlich und hochgefaehrlich. Sie mussten das Material in die mit Watte praeparierten Bunker verbringen. Es wurde mehrfach darauf hingewiesen,dass unter keinen Umstaenden etwas herunterfallen duerfte.


(Also fuer mich klang das nach Zuendern,vielleicht fuer Luftminen oder Sprengbomben Allerdings frage ich mich,warum man dazu Frauen brauchte,und warum die Watte.Normale Spreng-Zuender sind ja normalerweise nicht so instabil und wurden/werden zum Schutz wohl meist seperat von der Bombe in Holzkisten angeliefert?)

Einem Geruecht zu Folge erkrankten spaeter einige der beteiligten Frauen an Krebs. (Wobei das wiederum auch durch normalen Hautkontakt mit TNT zu erklearen waere..)


Aber wie gesagt,ich bleibe da mal am Ball und versuche die Verwandtschaft und Bekanntschaft mit einzubeziehen. Vielleicht kann man ja doch noch etwas Fundiertes zu Tage foerdern.


Viele Gruesse

Joerg
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Beitragvon Silko » Dienstag 20. März 2007, 20:53

Hier die noch fehlenden Seiten 1 bis 7 der Aussage von Eduard Hermes - wobei mich die Sache mit den Attachements hier im Forum bald zur Weißglut bringt :-))
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Beitragvon Silko » Dienstag 20. März 2007, 20:54

Hier noch die Seiten 1 und 2, die ben nicht mehr angehängt werden konnten
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Beitragvon Volwo » Dienstag 20. März 2007, 21:23

RESPEKT!


Silko hat geschrieben: wobei mich die Sache mit den Attachements hier im Forum bald zur Weißglut bringt :-))

> wieso? geht doch ganz wunderprima
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Beitragvon kps » Mittwoch 21. März 2007, 08:20

DANKE - jetzt wird auch klarer, warum unter Umständen die ersten Seiten immer fehlten. Diese Aussage halte ich für sehr wichtig und glaubhaft, auch wenn nicht alle "Erinnerungen" bzgl. fertiger Räume, wie von hurryup beschrieben, darin vorkommen.

Wohin legt Ihr die beschrieben Baustelle 1 mit 4 Stollen und einem Luftschaft?

Das die Feldbahn erst Ende Februar 1945 komplett war, hatte ich schon an anderer Stelle mal gelesen und dies halte ich auch für realistisch.


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Beitragvon michael » Mittwoch 21. März 2007, 12:59

Na ja, Feldbahn fertig oder nicht? Er schreibt, bzw. gibt zu Protokoll, daß Baumaterial schon vorher damit geliefert wurde. Das läßt den Schluß zu, das die Feldbahn dann noch befestigt wurde (der Unterbau), es vielleicht sogar zu einer Spurverbreiterung kam. Er berichtet ja, das nach der Fertigstellung 2 m² Loren zum Einsatz kamen.

Sollte sich die von ihm beschriebene Baustelle auf einen Bereich oberhalb des Baustellenbereiches in Richtung Crawinkel beziehen? Eine Möglichkeit besteht da schon, zumal die Baustellen dann ja auch Räumlich getrennt wären. Ich würde diesen Ansatz mal weiter verfolgen.

MfG
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Beitragvon kps » Mittwoch 21. März 2007, 13:10

michael hat geschrieben:Na ja, Feldbahn fertig oder nicht? Er schreibt, bzw. gibt zu Protokoll, daß Baumaterial schon vorher damit geliefert wurde...


...bleibt offen, ob damit wirklich schon die Fahrt bis vor die bekannten Stollen möglich war. Nach der Aussage war die Firma auch direkt beim Verlegen beteiligt und vrmtl. fuhr noch kein Zug Ende 1944 vom Feldbahnhof Crawinkel bis zur Baustelle Jonastal durch. Baumaterial wurde auch schon unterwegs gelagert oder benötigt -> siehe z.B. auch Reparaturwerkstatt und weitere Baracken. Viele solcher Aussagen muss man auch relativieren. Das z.B. Häftlinge mit der Feldbahn transportiert wurden, ist unstrittig. Offen blieb bisher, seit wann und in welchen Mengen pro Lore etc... Für Manche mag dies nebensächlich sein, aber für ein Gesamtbild ist es meiner Meinung nach schon von Relevanz.

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Beitragvon Silko » Mittwoch 21. März 2007, 14:02

kps hat geschrieben: Für Manche mag dies nebensächlich sein, aber für ein Gesamtbild ist es meiner Meinung nach schon von Relevanz.

Das sehe ich genauso. Den Detailfragen darf man nicht zu wenig Augenmerk schenken, weil sie ausschlaggebend sein könnte für andere Zusammenhänge.
Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, wie hoch der Schnee wirklich war und wie tief die Temperaturen. Auch das könnte Rückschlüsse auf den Ausbau-Stand zulassen. Hat einer schon mal was von historischen Wetteraufzeichnungen gehört/gelesen?? KPS, Du hattest es erwähnt: was ist, wenn wirklich 2 m Schnee lagen?? Da wäre nix mit Feldbahn.
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Beitragvon michael » Mittwoch 21. März 2007, 14:02

Da kann ich Dir nur zustimmen. Außer das ich der Meinung bin, das die "ursprüngliche" Feldbahn, wenn ich es mal so nennen darf, bis vor die Baustelle gegangen ist. Ein Materialtransport mit Unterbrechung der Transportkette ist meiner Meinung nach sinnlos. Bleibt noch die Frage der Lage der beschriebenen Baustelle.

MfG
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Fragen ueber Fragen

Beitragvon hurryup » Mittwoch 21. März 2007, 15:06

Erst mal meinen fetten Dank an Silko und KPS fuers online stellen!!!

Also ich mus sagen,die Fuelle an Details ist schon beeindruckend. Eine Passage allerdings ist offenbar eine Schutzbehauptung. Obwohl mein Opa die Dicke der Wurst beschreibt,die es als Haeftlingsration gab, sind ihm Namen von Kollegen oder Beteiligten nicht mehr erinnerlich.
Ich habe gerade noch einmal mit meiner Mutter gesprochen (Geb 07/46).
Eduard hatte jahrelang noch mehr oder minder engen Kontakt mit Paul Reimer,einem der Kollegen der OT von Slll. Ausserdem waren noch 2 weitere OT Kollegen in der selben Strasse in Woelfis einquartiert (Stirnstrasse) Einer dieser OT Maenner war Pate oder zumindest als Pate fuer meine Mutter vorgesehen. Beide wurden aber erschossen. Von wem,und ob es 45 oder 46 war, versuche ich gerade herauszufinden.
Man kann also annehmen dass Namen auf jeden Fall parat gewesen waeren,haette man gewollt..

Wie so oft,je mehr Infos man bekommt,je mehr Fragen stellen sich. Meine Fragen hier waeren nun:

1. Gab es Bauobjekte vergleichbarer Geheimhaltungstufe bei denen Zivilangestellte mit dem Tod bedroht waren? (Abgesehen von offenkundigem Geheimnisverrat)
Dass die SS nicht zimperlich war,ist ja bekannt, Aber dass man fuer das blosse Verlassen der Baustelle am falschen Ende haette erschossen werden koennen,ist schon heftig..

2. Wareum wurden die zivilen Arbeiter nicht auch zu Mehrarbeit aufgefordert ,wenn doch so grosse Eile geherrscht hatte,alles fertig zu bekommen fuer einen Tag x.? ("Kein Deutscher mit Hacke und Schaufel") Oder sogar Urlaub fuer ziviles Fachpersonal?

3. Warum Kacheln an den Waenden? Wenn man an einem unterirdischem Objekt arbeitet,was der Gefahr der baldigen Einahme durch feindliche Bodentruppen oder Luftangriffen ausgesetzt ist,baut man da nicht lieber vor und hat die "Aussenanlagen" fertig,waehrend im Inneren selbst bei verstearkter Feindeinwirklung haette weitergebaut werden koennen.
Die Gesamtsituation betrachtend schliesse ich Kacheln als Kuechen oder Sozial Trakt fast aus. Eventuell denkbar waere eine Auskleidung mit Kacheln unter den gegebenen Umstaenden doch nur, um ein Behelfs- FHQ einsatzbereit zu haben oder Forschung und Entwicklung zu betreiben? Man baut ja auch nicht einen Hausrohbau, stellt Moebel rein und kuemmert sich dann um ein Dach..?

4. Welche Baustelle war (erst) am 7. Januar 1945 eingerichtet? Eine komplett neue?

5. Wie kann innerhalb von nicht einmal 2 Tagen eine Baustelle dieser Groesse eingerichtet worden sein?

6. Warum nur so wenig an existierenden Stollen,wenn doch Bergleute aus dem Ruhrgebiet als Fachleute mit anpackten und extra Firmen angefordert wurden,um all den Abraum zu entsorgen?

7. Querstollen 6 m hinter den EIngaengen? Damit waeren diese Querstollen doch durch die spaetere Versprengung mit zerstoert worden?Und somit deren Kacheln?



Spaeter mehr,ich brauch ne Muetze Schlaf


Gruesse und bis bald


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Beitragvon Silko » Mittwoch 21. März 2007, 18:07

kps hat geschrieben:Wohin legt Ihr die beschrieben Baustelle 1 mit 4 Stollen und einem Luftschaft?

Die Aussagen zur Lage der Baustelle 1 sind recht komplex und scheinen - auf den ersten Blick - widersprüchlich. Da muss man mal ordnen.

Eduard Hermes hat geschrieben:Unsere Baustelle war die Baustelle 1. Sie befand sich am ersten großen Felsen, links der Straße von Crawinkel nach Arnstadt. Dann folgte ein Taleinschnitt und wieder ein großer Felsen. Das war die Baustelle 2 im Jonastal.

Auf den ersten Blick eindeutig: Trennung der Stollengruppen 1-12 und 13-25 durch einen Taleinschnitt, nämlich den Biensteinkopf. Allerdings die Bezeichnung "erster großer Felsen"... da kenn ich nur einen. Den Bereich "X". Und der ist ziemlich groß. Ohne Berücksichtigung der dazugekommenen Vegetationsdecke würde ich den auf nahezu dieselbe Größe schätzen, wie sie die Stollengruppe 1-12 (heute) aufweist. Auch der Taleinschnitt, also die Einengung des Tals ist zwischen "X" und 1-12 wesentlich deutlicher als am Biensteinkopf.
Ergo hier spricht aus meiner Sicht einiges für eine Baustelle 1 im Bereich "X"

Eduard Hermes hat geschrieben:Auf der Baustelle 1 waren es 4 Stollen und ein Wetterschacht. ... Ein Luftschacht ging stufenförmig vom linken Tei des Berges nach rechts unten.

Ich meine Luftschacht und Wetterschacht sind hier ein- und dasselbe. Mir ist nicht ganz klar, wie man sich diesen Luftschacht vorstellen muss. Wie tief im Berg verläuft er? Verbindet er die Stollen oberhalb miteinander? Warum stufenförmig? Ein stufenförmiger Luftschacht macht nach meinem Dafürhalten nur einen Sinn, wenn auch die Stollen stufenförmig angeordnet sind. Aussehen, Lage und verlauf des Luftschachtes kann ich mir jedenfalls so nicht konkret vorstellen. Das müßte mal ein Experte erklären, wie es ausgesehen haben könnte. Könnte die -1 damit im Zusammenhang stehen? "4 Stollen" ist jedoch ein deutliches Argument gegen die uns bekannte Stollengruppe 1-12. Auch hier verschiebt die Aussage die Baustelle 1 in den bereich "X".

Eduard Hermes hat geschrieben:Die 4 Stollen waren ca. 150 m lang, 6 m breit und 4 m hoch. Etwa 6 Meter hinter den Eingängen waren sie mit einem Querstollen verbunden.

Das gibt zu denken. Die Maße decken sich nicht annähernd mit den Kott-Angaben zu 1-12. Lediglich bei 9-12 als zusammenhängender Stollengruppe werden die Längenangaben annähernd (mit viel Phantasie) erreicht. M.E. gab es nur Stollenbreiten 2,40 und 4,70. 6 m Breite ist mir noch nicht untergekommen. Möglicherweise hat sich der Zeitzeuge verschätzt. Wegen der unzutreffenden Länge der Stollen kann es sich m.E. weder um 1-4 noch um sonstirgendeine Gruppe der uns bekannten Stollen handeln. Der 6 m hinter den Eingängen liegende Querstollen läge zweifelsfrei in der heutige Verbruchzone, jedoch zu Kotts Zeiten hätten diese sich darstellen müssen. Solch Verbindungsstollen (6 m hinter den Eingängen) gibt es in den uns bekannten Stollen nicht. Insgesamt deutliche Argumente für eine andere, von Kott nicht beschriebene Stollengruppe.

Eduard Hermes hat geschrieben:Die Büros der Baustelle befanden sich zwischen der Baustelle 1 und 2. Meiner Meinung nach war das die Bauleitung. Dort befanden sich aber auch die Büros der SS.

Betrachtet man das, was durch Kott dokumentiert wird, so haben wir zwischen der Stollengruppe 1-12 und 13-15 eine Reparaturwerkstatt, ein Trafo-Gebäude, ein Kompressorgebäude, einen Lagerschuppen, die Küche mit Kantine, eine Baracke, Kalkgruben und den Zementschuppen
. Kaum Platz für eine derartige administrative Komponente. Hingegen westlich der Stollengruppe I einen Lagerplatz, eine Reparaturwerkstatt, ein Büro und zwei Baracken. Davon ausgehend, dass weiter westlich weitere Baracken gestanden haben, schom mal mehr Platz für sowas.
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Re: Fragen ueber Fragen

Beitragvon Silko » Mittwoch 21. März 2007, 18:15

hurryup hat geschrieben: 3. Warum Kacheln an den Waenden? Wenn man an einem unterirdischem Objekt arbeitet,was der Gefahr der baldigen Einahme durch feindliche Bodentruppen oder Luftangriffen ausgesetzt ist,baut man da nicht lieber vor und hat die "Aussenanlagen" fertig,waehrend im Inneren selbst bei verstearkter Feindeinwirklung haette weitergebaut werden koennen.
Die Gesamtsituation betrachtend schliesse ich Kacheln als Kuechen oder Sozial Trakt fast aus. Eventuell denkbar waere eine Auskleidung mit Kacheln unter den gegebenen Umstaenden doch nur, um ein Behelfs- FHQ einsatzbereit zu haben oder Forschung und Entwicklung zu betreiben? Man baut ja auch nicht einen Hausrohbau, stellt Moebel rein und kuemmert sich dann um ein Dach..?

Tja, für die Verwendung von weißen Kacheln habe ich eigentlich nur 2 Varianten anzubieten. 1.) Leichte Reinigungsmöglichkeit. Das würde entweder bedeuten, dass man mit erhöhtem Schmutzaufkommen rechnete oder aber ein gesteigertes Sauberkeitsinteresse hatte (Sanitär, Labor etc.) 2.) sickerfreier Wasserdurchfluss/-ablass. um größere Wassermengen abzuleiten, würde ich Fliesen nehmen. Siehe Schwimmbad, Kanäle, Schächte, Ablaufrinnen etc. Was sagen die Häuslebauer und Heimwerker?? Wozu nimmt man denn noch Fliesen?
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Beitragvon Mattzz » Mittwoch 21. März 2007, 18:59

Ein stufenförmiger Luftschacht macht schon Sinn, damit kein 'Fallrohr-Effekt' entsteht. Ist auch nicht unüblich, solange man sich das nun nicht grade wie eine regelmäßige Treppe vorstellt.

Eine Kachelung kann ich mir in dieser frühen Bauphase nur als Teil sanitärer Einrichtungen vorstellen. Übrigens immer einer der wichtigsten 'infrastrukturellen' Einbauten...
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Beitragvon Silko » Mittwoch 21. März 2007, 20:34

Mattzz hat geschrieben:Ein stufenförmiger Luftschacht macht schon Sinn, damit kein 'Fallrohr-Effekt' entsteht. Ist auch nicht unüblich, solange man sich das nun nicht grade wie eine regelmäßige Treppe vorstellt.

Wie weit hinter dem Eingang soll so ein Schacht verlaufen sein? Und wie hat er die einzelnen Stollen miteinander verbunden? Hast Du ein Bild oder eine Zeichnung, die das verdeutlichen kann? Kann mir das irgendwie nicht vorstellen.
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Beitragvon Mattzz » Mittwoch 21. März 2007, 20:53

@Silko
Ein erklärendes Bild od. Zeichnung habe ich momentan leider nicht greifbar.
Aber eigentlich ist das recht einfach zu verdeutlichen. Stufenförmig bedeutet in dieser Hinsicht nur, das der Luftschacht nicht durchgängig in gerader Linie verläuft, sondern mindestens einmal (oft aber mehrfach) abgewinkelt ist. Also quasi mehrfach "um die Ecke" geht. Das Ganze aus sicher einleuchtenden sicherheits- und wettertechnischen Gründen. An welcher Stelle der Anlage die Anbindung erfolgt ist dabei nicht primär entscheidend.
Verläuft solch ein Schacht nun in vertikaler Richtung, entsteht ein 'treppenartiger' Eindruck.

Gruß
Mattzz
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Beitragvon kps » Mittwoch 21. März 2007, 21:51

Silko hat geschrieben:...
Eduard Hermes hat geschrieben:Auf der Baustelle 1 waren es 4 Stollen und ein Wetterschacht. ... Ein Luftschacht ging stufenförmig vom linken Tei des Berges nach rechts unten.


...Ich meine Luftschacht und Wetterschacht sind hier ein- und dasselbe. Mir ist nicht ganz klar, wie man sich diesen Luftschacht vorstellen muss. Wie tief im Berg verläuft er? Verbindet er die Stollen oberhalb miteinander? Warum stufenförmig? Ein stufenförmiger Luftschacht macht nach meinem Dafürhalten nur einen Sinn, wenn auch die Stollen stufenförmig angeordnet sind. Aussehen, Lage und verlauf des Luftschachtes kann ich mir jedenfalls so nicht konkret vorstellen. Das müßte mal ein Experte erklären, wie es ausgesehen haben könnte...


Hallo Silko, ich habe mal zur Verdeutlichung einen zumindest in einer Planung für ein FHQu real existierenden Luftschacht eingestellt, der zudem vrmtl. mit der Jonastal-Minus-Eins fast identisch sein könnte. Wenn Herr Hermes allerdings die Tal- und Bergstation zu -1 mit erwähnte, dann passt die Angabe 4 Stollen nicht - es sei denn, er wußte, dass am Ende nur 4 von 12 des Komplex 1 übrig bleiben sollten und der Rest nur Hilfsstollen waren, deren Eingang nicht sehr hoch und ausgebaut war. Die Stollen 6 bis 12 sind mit einem Querstollen verbunden, was wieder eine Übereinstimmung dies bzgl. bringen würde.

Schau dir aber erst mal den Luftschacht Königssee an - das vrmtl. "Letzte geplante FHQu". Das an dem zuletzt gebaute FHQu kennst du ja ggf. schon [-nich-] etwas näher [pop]

-> http://www.gtgj.de/script/phpBB2/viewtopic.php?t=1215

Wir hatten dieses Thema zum 3. Ohrdrufer Gespräch und Roman hatte dazu einige Ausführungen über Sinn und Zweck gemacht - das war alles sehr einleuchtend.

MfG
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