Viktor Nikolajewitsch Wyscheslawskij - S III Überlebender

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Viktor Nikolajewitsch Wyscheslawskij - S III Überlebender

Beitragvon kps » Dienstag 17. Juli 2007, 08:28

...aus der TA vom 17.07.2007

Schicksalsmonate in Ohrdruf

OHRDRUF (rr). Die Zeitzeugen des dunkelsten Abschnitts deutscher Geschichte werden alt. Um so wertvoller ist ihre direkte Begegnung mit Jugendlichen heute. Von Weimar aus, wo in Buchenwald am Wochenende ein großer Gedenktag stattfand, machte sich Viktor Nikolajewitsch Wyscheslawskij, KZ-Überlebender, gestern auf den Weg nach Ohrdruf, um von seinem Schicksal zu erzählen.Wyscheslawskij las eine Schilderung seiner ungeheuerlichen Erlebnisse 1943 bis 1945 vor - auf Deutsch. Deutsch habe er schon in der Schule gelernt und sich auch später damit befasst. Dass sie auch die Sprache seiner Peiniger war, sei eine ganz andere Sache. Den heute 80-jährigen Moskauer führte gestern der Weg in jene Stadt, in deren Nähe es für ihn vom Herbst 1944 an zu jeder Stunde um Leben und Tod ging. "Ohrdruf war die Hölle", sagte der Überlebende des Außenlagers S III des faschistischen Konzentrationslagers Buchenwald vor Schülern der Gymnasien Gleichense Ohrdruf und Arnoldi Gotha. Die Jugendlichen sind in dem Alter, in dem Wyscheslawskij war, als er im September 1943 aus seiner Heimatstadt in der Ukraine zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurde.In einer kleinen Fabrik in Suhl musste er arbeiten. Monate später, 1944, verbreitete er unbedarft eine Nachricht vom Kriegsverlauf, die er aufgeschnappt hatte und die seine Heimatstadt betraf. Das brachte den jungen Mann ins Suhler Stadtgefängnis und nach drei Monaten ins Konzentrationslager Buchenwald. Zusammen mit polnischen und russischen Mitgefangenen fand er sich bald im Jonastal wieder, wo Stollen für ein unterirdisches Werk vermutlich zum Bau der V2-Raketen in den Berg getrieben wurden. Die Bedingungen seien unmenschlich gewesen. Kein Wasser zum Waschen, dünne Kleidung bei Minusgraden, barfuß oder Holzpantinen, schreckliche Unfälle, als Krankenlager nur Stroh, immer Hunger. 3500 Menschen kamen im Außenlager in Ohrdruf in nur fünf Monaten um, ist Wyscheslawskij heute noch entsetzt. "Wer floh, wurde wieder eingefangen und aufgehängt. Wie ich überlebt habe, weiß ich nicht", sagte er, fast entschuldigend. "Ich war jung, wollte leben." Die Gymnasiasten bohrten nach: Wie ist es mit den Gefühlen, wenn man so Schreckliches erleidet? Was ist mit den Träumen von der Zukunft, die man hat, was mit dem Beruf? Wie stand es um das Miteinander der Häftlinge, gab es Solidarität? Wie konnte man danach "normal" weiterleben? Schade, dass die Antworten - in ihrer Übersetzung jedenfalls - etwas kärglich ausfielen. Trotzdem, viel Stoff zum Nachdenken, denn auch das: Ein Deutscher sei es letztlich gewesen, der ihn, den 17-Jährigen, gerettet habe, erzählte Wyscheslawskij. Als er mit einem großen Geschwür am Bein, verursacht durch die zu engen Holzpantoffeln auf dem Todesmarsch von Ohrdruf zurück auf den Ettersberg beim Anrücken der Amerikaner, dem Tode nah war, habe ihn der Mitgefangene, ein Sanitäter, in einem Leichenberg versteckt. Hermann Brill hieß er, aufgewachsen in Gräfenroda, Dr. jur., SPD-Mann, Abgeordneter des Reichstags. Nach der Befreiung vom Faschismus 1945 sei er erster Ministerpräsident von Thüringen geworden. Einer, der in Ohrdruf zur Schule gegangen war.
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Beitragvon kps » Dienstag 17. Juli 2007, 08:35

...aus der TLZ vom 17.07.2007

Schwur von Buchenwald

Gotha. (tlz) Bereits mit 17 Jahren musste Viktor Nikolajewitsch Wyscheslawskij Zwangsarbeit verrichten. Am gestrigen Montag berichtete der 80-jährige Überlebende des Außenkommandos S III vor Teilnehmern des Jugendlagers des Volksbundes der Kriegsgräberfürsorge, welche Qualen die Häftlinge des Konzentrationslagers in Ohrdruf und Buchenwald erdulden mussten.

Schon am Vormittag hatten Schüler der elften Klassen des Ohrdrufer Gymnasiums Gleichense Gelegenheit mit Viktor Wyscheslawskij in Konktakt zu treten, um ihre Fragen zu stellen. Eigens zu der Veranstaltung kamen auch Schüler des Arnoldigymnasiums aus Gotha.

So erzählte Wyscheslawskij, der in ukrainischen Stadt Nikolajew geboren wurde, dass er im Sommer 1943 nach Deutschland verschleppt wurde. In der Suhler Firma "Fritz Kies & Söhne" wurde er als Schlosser zur Zwangsarbeit verpflichtet. Eines Tages hörte er, dass die Wehrmacht seine Geburtsstadt im Zuge der Frontbegradigung geräumt hatte. Diese Nachricht gab er an andere Zwangsarbeiter weiter. Daraufhin wurde er von der Gestapo verhaftet und ins KZ Buchenwald gebracht. Zusammen mit rund 400 meist polnischen und russischen Mitgefangenen brachte man ihn im November 1944 ins Ohrdrufer Außenlager S III. Sechs Monate lang hatte Viktor Wyscheslawskij unter unmenschlichen Verhältnissen mit weiteren Häftlingen unterirdische Gänge bauen müssen. Als bereits die amerikanischen Truppen in Gotha einmarschierten, räumte die Wehrmacht das Lager. Die Häftlinge mussten zu Fuß den beschwerlichen Weg nach Buchenwald antreten.

All diese erlittenen Strapazen schilderte der 80-Jährige in seinem Überlebensbericht, den er den Jugendlichen aus elf Nationen vorstellte. Gleichzeitig appellierte er an die Jugend, sich dafür einzusetzen, dass es auf der Erde keine Kriege mehr gibt. Für ihn sei es eine Lebensaufgabe geworden, über seine Kriegserlebnisse mit jungen Menschen zu reden. Nur so könne der Schwur von Buchenwald erfüllt werden, ist sich Viktor Wyscheslawskij sicher.


16.07.2007 Von Conny Möller
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Beitragvon ute » Donnerstag 19. Juli 2007, 18:59

danke kps für den informativen beitrag. wusste nicht das viktor anwesend war und sogar ganz in unserer nähe.

hatten uns am sa mit rose marion und patrick brion aus belgien im jonastal am denkmal getroffen. das treffen ging mir ans herz.
nachmittags war dann die veranstaltung in der gedenkstätte in buchenwald.
leider konnte ich unser treffen nicht auf buchenwald ausdehnen, weil ich zur arbeit musste.
ute
 

Beitragvon TÜP » Donnerstag 19. Juli 2007, 19:33

Schade ute, wir wussten leider nicht wann Patrick hier in Ohrdruf ist und das ihr Euch treffen wollt. Der Vorstand hätte noch ein paar Fragen an Patrick gehabt. Leider antwortet er nicht auf E-mails.
Gott hat nicht den Menschen erschaffen, sondern der Mensch erschuf Gott «nach seinem Bilde».
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Beitragvon ute » Freitag 20. Juli 2007, 08:17

es war alles sehr kurzfristig abgesprochen, hatte probleme alles mit meiner schicht abzustimmen. rose war krank geworden, deshalb nur kurz im tal. wollte das es ein privates treffen bleibt in einen angenehmen rahmen. vereinsangelegenheiten wurden nicht angesprochen , und das war so finde ich gut so.
fals ich den kontakt mit patrick unterstützen soll, bin ich gern bereit.
bin morgen in frankenhain am stand
ute
 

Beitragvon ute » Mittwoch 14. Mai 2008, 21:42

hallo, habe heute herrn wyscheslawsky geschrieben. da er unser ehrenmitglied ist möchten wir den kontakt halten. ich hoffe , wir bekommen eine antwort von ihm, das nur zur info
ute
 


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