Ulrich Brunzel - Ich halte mich in meinem Buch an die Fakten

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Ulrich Brunzel - Ich halte mich in meinem Buch an die Fakten

Beitragvon kps » Donnerstag 29. November 2007, 08:08

Quelle: http://www.freies-wort.de/nachrichten/r ... 440,740690

Erschienen am 29.11.2007 00:00

Licht ins Dunkel der Geschichte
Ulrich Brunzels Buch „Hitlers Geheimobjekte in Thüringen“ erschien jetzt in 14. Auflage

Zitat Ulrich Brunzel: Weil bis heute nicht alles aus der NS-Zeit aufgeklärt werden konnte, gibt es immer wieder viele Spekulationen. Ich halte mich in meinem Buch an die Fakten.


Die vierzehnte Auflage von „Hitlers Geheimobjekte in Thüringen“ von Ulrich Brunzel erschien jetzt beim Heinrich-Jung-Verlag in Zella-Mehlis. Ein Interview mit dem Suhler Autor über das nach wie vor große Interesse an dem Stoff.


„Hitlers Geheimobjekte in Thüringen“ ist ein Dauerthema, das sicher noch viel Unentdecktes enthält?

Ulrich Brunzel: Da bis heute nicht alles aufgeklärt werden konnte, gibt es immer wieder viele Spekulationen. Beispielsweise über einen Atomwaffentest, den es im März 1945 in der Nähe von Röhrensee gegeben haben soll oder einen ballistischen Raketenstart am 12. und 16. März 1945 in Thüringen. Die Beweislage ist dürftig und mit äußerster Vorsicht zu genießen. Ich halte mich in meinem Buch allein an Fakten, so, wie ich es auch in meiner Arbeit als Rechtsanwalt mache. Es gibt viele widersprüchliche Aussagen, beispielsweise über Objekte, die unter Hitler schon fertiggebaut gewesen sein sollen, aber die Dokumente sprechen eindeutig dagegen. Vor Sensationsmeldungen habe ich mich immer gehütet, sie führen meist auf eine falsche Fährte.



Wann erschien die erste Ausgabe Ihres Buches?

Ulrich Brunzel: Das war 1992, damals noch in einer geringen Auflage. Ich denke, dass ein Grund für das ungebrochene Interesse vor allem im pädagogischen Stellenwert des Buches liegt. Es wird inzwischen auch im Unterricht in den Schulen verwendet.



Haben Sie das Buch im Laufe der Jahre überarbeitet?

Ulrich Brunzel: Die beiden letzten Auflagen wurden durch neue Recherchen, Dokumente und aktuelles Fotomaterial über das Hochtechnologie-Zentrum Jonastal und den Truppenübungsplatz ergänzt. Auch ein von den Alliierten abgeworfenes Flugblatt „Wer ist schuld“ wurde ins Buch aufgenommen.



Wie kommen Sie an das Material heran?

Ulrich Brunzel: Ich nutze vor allem die Symposien der Geschichts- und Technologiegesellschaft im Großraum Jonastal. Dieser Verein beschäftigt sich mit der Aufarbeitung der Militärprojekte während der NS-Zeit in Thüringen. Bei den Symposien lernt man immer wieder neue Zeitzeugen und Materialien kennen. Außerdem bieten mir Privatleute, die mein Buch gelesen haben, Material an. Beispielsweise habe ich kürzlich vom Nachkommen eines Ingenieurs aus der NS-Zeit eine Dokumentenmappe angeboten bekommen. Natürlich recherchiere ich auch in den staatlichen Archiven, aber dort ist die Ausbeute eher gering. Die Arbeit ist sehr aufwändig, weil es keine exakten Angaben darüber gibt, wo was liegt. Beispielsweise über Sauckel, Thüringens Reichsstatthalter und Generalbevollmächtigten für Arbeitseinsätze. Viele Akten liegen auch noch verschlossen in den USA und in Russland. So bleibt vieles über die Arbeit der Hochtechnologie-Projekte zwischen Ohrdruf, Arnstadt und Ilmenau weiter geheim.



Wie sind Sie überhaupt auf das Thema gestoßen?

Ulrich Brunzel: Zu DDR-Zeiten habe ich im Kulturbund das Fachgebiet Höhlenforschung geleitet. 1964/65 bekamen wir einen besonderen Auftrag. Als Fachleute wurden wir zu Untersuchungen gegen den damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke hinzu gezogen. Aber das haben wir erst viel später erfahren. Lübke wurde als KZ-Baumeister beschuldigt, und in den unterirdischen Anlagen sollte nach Beweis-Dokumenten des KZ-Außenlagers gesucht werden. Als Höhlenforscher haben wir damals sozusagen den technischen Aufwand gesichert, ohne über das gefundene Material etwas zu erfahren. Auf eigene Faust habe ich dann weiter nach Zeugen gesucht und auch schon eine Chronik geführt.

Erst nach der Wende war es möglich, mein Wissen über Hitlers Geheimobjekte in einem Buch zu veröffentlichen und ungehindert weiter zu forschen.



Trotz vieler Bücher und Forschungen über die NS-Zeit gibt es noch heute dunkle Kapitel über diesen Abschnitt deutscher Geschichte. Was behindert die Offenlegung?

Ulrich Brunzel: Über diese Zeit will nach wie vor kaum einer reden. Aber es schweige nicht nur die noch Lebenden, die mit dem NS-System verbunden waren, oder deren Nachkommen. Auch von seiten der Alliierten wird vieles geheim gehalten. Ein Grund dafür ist, dass sich nach dem Krieg die Alliierten die hochdekorierten Nazi-Größen zunutze gemacht haben. Auch in der DDR hat man sich zum Aufbau der NVA hoher Nazi-Offiziere bedient.



Gegenüber den Schweigenden gibt es auch solche, die – wie erst kürzlich Fernsehmoderatorin Eva Herman – die vermeintlich guten Seiten der Nazizeit hervorheben ...

Ulrich Brunzel: Denen muss man klar entgegen halten: Hitler kam mit dem Ziel an die Macht, die Völker zu unterdrücken und die Juden auszurotten. Und das vermeintlich Positive hatte einen Grund: Die Kinder wurden als Kanonenfutter gebraucht. Darin liegt zugleich die Tragik der vielen Toten für einen sinnlosen Krieg.

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