Max Bense - Geheime Forschung in Georgenthal

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Max Bense - Geheime Forschung in Georgenthal

Beitragvon TÜP » Samstag 20. November 2004, 20:52

Allgemeiner Anzeiger Gotha 10.11.2004
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Beitragvon TÜP » Dienstag 15. August 2006, 20:43

Biographie

Max Bense wurde am 7. Februar 1910 in Straßburg/Elsaß geboren, wo er mit den Eltern bis Ende November 1918 in der Manteuffel-Kaserne (heute Général Foch-Kaserne) am Steinring lebte. Sein Vater war Feldwebel, später Offizierstellvertreter und Chef der 5. Kompanie im Regiment 136. Beim Einzug der französischen Truppen im November 1918 mußte die Familie Straßburg verlassen und nach Nordgermersleben bei Magdeburg, die Heimat des Vaters, übersiedeln. Max Bense hatte in Straßburg zwei Jahre lang das Progymnaisum am Roseneck besucht und fühlte sich Zeit seines Lebens mit dieser Stadt und mit Frankreich verbunden. Er kam zunächst in die Volksschule in Nordgermersleben, anschließend in die Bürgerschule in Neuhaldensleben.

Als der Vater 1920 eine Stelle in Köln fand, zog die Familie zunächst nach Köln-Baiental, dann nach Köln-Nippes. Max Bense besuchte das Humboldt-Real-Gymnasium, machte das Abitur jedoch im Oktober 1930 als Externer in Köln-Kalk. Er studierte anschließend in Bonn und Köln Mathematik, Physik, Geologie, Mineralogie und Philosophie und promovierte im Dezember 1937 an der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn mit der Arbeit "Quantenmechanik und Daseinsrelativität" zum Dr.phil.nat. Da er, um sich zu habilitieren, ein halbes Jahr lang eine "Ordensburg" hätte besuchen müssen, was er aus politischer Gegnerschaft nicht tun wollte, verzichtete er auf eine Hochschullaufbahn und nahm ab 1. Februar 1938 eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter (Physik) in der IG Farben in Leverkusen an.

Schon ab 1930 begann er für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften zu schreiben, Bücher zu publizieren und an Rundfunksendern mitzuarbeiten. Im Juni 1939 zur militärischen Übung eingezogen, musste er bei Ausbruch des zweiten Weltkrieges Soldat bleiben und wurde zwecks metereologischer Ausbildung zur Wetterdienstschule nach Berlin geschickt. Ab April 1941 arbeitete er als Physiker und Mathematiker im Hochfrequenzlaboratorium von Dr. Hollmann in Berlin-Lichterfelde, das zu Rüstungsaufträgen verpflichtet worden war. Nach der Ausbombung wurde das Labor Mitte Juli 1942 auf Grund der Initiative Max Benses nach Georgenthal/Thür. verlegt, wo es bis Kriegsende existierte.

Nach dem Einmarsch der Amerikaner im April 1945 wurde Max Bense zunächst Bürgermeister in Georgenthal, was die Russen nach der Übernahme Thüringens bestätigten. Zum 1. September 1945 wurde er zum Kurator (Kanzler) der Universität Jena berufen mit dem Recht, Vorlesungen zu halten. 1946 habilitierte er sich mit seinen bis dahin erschienenen Büchern und Abhandlungen und mit dem neuen Buch "Konturen einer Geistesgeschichte der Mathematik. Die Mathematik in den Wissenschaften". Im September 1946 wurde er von der russischen Militärverwaltung als Kurator entlassen, aber als Professor zunächst in die pädagogische, dann in die philosophische Fakultät berufen. Da er die politische Entwicklung sehr kritisch beobachtete und sich mit dem kommunistischen Regime nicht arrangieren wollte, flüchtete er mit der Familie im Sommer 1948 nach dem Westen.

Zunächst fand er in Boppard eine Bleibe und wurde stellvertretender Präsident des von den Franzosen gegründeten "Rheinischen Kulturinstituts" in Koblenz. In dieser Eigenschaft hielt er Vorträge im Rheinland und arbeitete an Zeitungen und Rundfunksendern mit. 1948 folgte er einem Ruf an die Technische Hochschule Stuttgart, wo er ab dem Sommersemester 1949 als Professor lehrte, allerdings erst ab 1963 zum Ordinarius ernannt wurde. Seine Tätigkeit als langjähriger Präsident des Studium Generale und als Leiter der Studiengalerie boten ihm weitere Wirkungsmöglichkeiten innerhalb der Technischen Hochschule.

Seine unkonventionelle Art, seine temperamentvollen Vorlesungen und seine Modernität der Darstellung, auch der Geschichte der Philosophie und der Naturwissenschaften, zogen Studenten aller Fachbereiche und anderer Hochschulen Stuttgarts an. 1953-1958 und 1965/66 unterrichtete er außerdem an der Hochschule für Gestaltung in Ulm und in den sechziger Jahren an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. 1960-1964 gab er Vorlesungen über Ästhetik an der Escola Superior de Desenho Industrial sowie am Museo de Arte Modern in Rio de Janeiro. Vortrags- und Kongreßreisen führten in viele Länder Europas, nach Israel, Japan, Mexiko und USA. 1978 emeritiert, lebte er bis zu seinem Tod am 29. April 1990 in Stuttgart zeitweise in Suzette/Vaucluse und reiste mehrfach nach USA. Obwohl er mehr als die Hälfte seines Lebens in Stuttgart lebte und arbeitete, kennzeichnen zwei publizierte Sätze seine Einstellung zu dieser Stadt, die ihn seiner Meinung nach nie recht zu schätzen wußte: "... daß Stuttgart eines Tages nur ein Ort meiner Füße gewesen sein wird ..." (Entwurf einer Rheinlandschaft, 1962, S.65) und "Keine Lobrede auf Stuttgart. Das wäre unangebracht. Denn von Modernität kann in dieser Stadt keine Rede sein. Es gab immer nur isolierte Punkte des Fortschritts ..." (Kritisches Jahrbuch, 1, 1966, Vorwort).

Er liebte zwar sein Institut und seine Lehrtätigkeit, man kann sagen leidenschaftlich, verließ diese Stadt jedoch gern, um in vielen anderen deutschen Städten, aber auch im Ausland Vorträge oder Vorlesungen zu halten oder Ferien zu verbringen. Bevorzugte Plätze waren neben seiner Geburtsstadt Straßburg vor allem Paris, die Provence und New York. Er liebte einerseits das urbane Leben und andererseits kleine Dörfer, nur Provinzstädte mochte er nicht. Sie langweilten ihn.

Bibliografie siehe Stuttgarter Schule
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Beitragvon TÜP » Dienstag 15. August 2006, 20:48

Warum erwecke ich diesen Thread neu? Weil die belgische Einheit, der wir die jetzt neu aufgetauchten Bilder vom Jonastal verdanken, auch das Labor in Georgenthal bewacht hat. Mich interessiert jetzt, was die dort geforscht haben? Welchen Auftrag hatte das Hochfrequenzlaboratorium von Dr. Hollmann in Berlin-Lichterfelde in Rüstungsfragen?
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Beitragvon Joe » Mittwoch 16. August 2006, 18:12

Hollmann hat auch in Georgenthal gewohnt!
Gruß
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Beitragvon kps » Mittwoch 13. September 2006, 19:24

Anbei der Link zu einer weiteren Diskussion im Zusammenhang mit Herrn Bense

-> Hans Erich Hollmann, die GEMA, Radar usw
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Re:

Beitragvon mece » Dienstag 26. Januar 2016, 14:35

TÜP hat geschrieben:Welchen Auftrag hatte das Hochfrequenzlaboratorium von Dr. Hollmann in Berlin-Lichterfelde in Rüstungsfragen?


Im Laboratorium von Dr. Hollmann wurde im Auftrag des kernphysikalischen Instituts des Reichspostministeriums gearbeitet.
Hollmann hatte den Auftrag als Systemlieferant einen Teil des Zyklotrons des Institutes zu fertigen.
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Re: Max Bense - Geheime Forschung in Georgenthal

Beitragvon PEKE » Dienstag 26. Januar 2016, 21:17

mece, welches Zyklotron der Reichspostfrorschung , hast du Unterlagen dazu
Gruß Peter

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Re: Max Bense - Geheime Forschung in Georgenthal

Beitragvon mece » Dienstag 26. Januar 2016, 22:59

Hallo Peter,

das kernphysikalischen Institut des Reichspostministeriums war in Berlin-Lichterfelde. Es befand sich auf dem Nachbargrundstück, Jungfernstieg 18 oder 19, des Forschungslaboratoriums für Elektronenphysik von Manfred von Ardenne.

Zu diesem Bauvorhaben gibt es Bauakten und Akten die sich auf die Technik des Zyklotrons (Sendeanlage) beziehen.
Der Sender, die Kühlung und die Hochspannungsanlage sollten von der Firma Hollmann geliefert werden, bzw. wurden geliefert aber bei einem Bombenangriff am 24.3.1944 zertört und sollten neu beschafft werden. Kostenpunkt rund 60.000 Reichsmark.

Viele Grüsse
mece
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Re: Max Bense - Geheime Forschung in Georgenthal

Beitragvon PEKE » Mittwoch 27. Januar 2016, 19:13

der Max Bense und Forscher? na ja, ich weis nicht.
Hollmann war der Fachmann, war sogar für die GEMA in Berlin interessant.
zu den Zyklotronen - es waren zwei lt. Vertrag mit Ardenne, Vertragsabschuß beinhaltete ein für
Miersdorf und eins für Lichterfelde. was war eher fertig? der Bunker in Lichterfelde
Gruß Peter

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Re: Max Bense - Geheime Forschung in Georgenthal

Beitragvon mece » Donnerstag 4. Februar 2016, 17:14

PEKE hat geschrieben:zu den Zyklotronen - es waren zwei lt. Vertrag mit Ardenne, Vertragsabschuß beinhaltete ein für
Miersdorf und eins für Lichterfelde. was war eher fertig? der Bunker in Lichterfelde


Was haben die denn damit gemacht ?
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Re: Max Bense - Geheime Forschung in Georgenthal

Beitragvon PEKE » Donnerstag 4. Februar 2016, 19:54

aus wenig viel, Beschuß mit Teilchen
M.v. Ardenne war mit der Postforschung im Atomgeschäft
Gruß Peter

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