Der Kampf um die Thüringer Pfort

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Der Kampf um die Thüringer Pfort

Beitragvon Ramsay » Donnerstag 23. April 2020, 19:50

Im Buch "Der Kampf um die Thüringer Pforte - April 1945" von J. Möller bin ich auf der Seite 293 auf folgende Info gestoßen:

"Erst am 8. April 1945 meldete die Division, dass sie im Bereich der Höhe 513, westl. der Straße WAHLES - TRUSETAL an der Südseite des Berges einen Bergwerksschacht mit einer unterirdischen Fabrik entdeckt hatten. Russische, polnische und französische Zwangsarbeiter berichteten, dass dort angeblich Teile für die V-4, das sogenannte »Reichenberg-Gerät«, offizielle Bezeichnung »Fieseler Fi 103« eine bemannte Version der V-1 Rakete hergestellt wurden, die man nach Weimar lieferte."

Kennt jemand die Bezeichung dieser "unterirdischen" Fabrik?
Hat jemand nähere Angaben zu diesem Sachverhalt?
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Re: Der Kampf um die Thüringer Pfort

Beitragvon manganer » Freitag 24. April 2020, 09:18

Interessante Information! Jetzt müßte man nur noch wissen wo Höhe 513 ist. Eine Höhenangabe ist es jedenfalls nicht. Die umliegenden Bergspitzen liegen alle deutlich unter 500m. Das muß eine taktische Höhe sein...
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Re: Der Kampf um die Thüringer Pfort

Beitragvon lupo » Freitag 24. April 2020, 18:29

Vielleicht hilft ja der Link: http://www.bergmannsverein-erfurt.de/ma ... hmalkalden
Hier gibt es einen Querschlag 513.
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Re: Der Kampf um die Thüringer Pfort

Beitragvon manganer » Samstag 25. April 2020, 09:06

Danke Daniel, aber der Querschlag 513 bezieht sich auf die 240m Sohle. Ich glaube kaum daß die Amis einen Querschlag in 240m Tiefe (Teufe) als Target genutzt haben... Trotzdem Danke! Man müßte taktische Karten von dem Gebiet haben, da sind solch strategische Punkte eingetragen...
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Re: Der Kampf um die Thüringer Pfort

Beitragvon Neugier » Sonntag 26. April 2020, 17:32

Gibt es Luftbilder aus der Zeit? Westlich ist also links der Straße in Richtung Trusetal. Was wenn die Amis 318 gemeint haben. Ihre Ungenauigkeit in solchen Dingen ist doch fast legendär. Dann kommen die Höhen hin.
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Re: Der Kampf um die Thüringer Pfort

Beitragvon manganer » Montag 27. April 2020, 10:45

Leider derzeit nicht brauchbares, nur die Sommerbefliegung in 40 000...
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Re: Der Kampf um die Thüringer Pfort

Beitragvon lupo » Montag 27. April 2020, 10:56

Also @ Manganer und Harald,
gestern habe ich das schöne Wetter genutzt und bin mal rasch über den Berg nach Trusetal/Wahles gefahren.
In Wahles habe ich die Info erhalten, dass es westlich der Straße nicht so viele Stollen gibt.
Ich bin also mal zu allen dreien gefahren, die mir der ortsansässige Mann nannte.
Unten die Bilder der Portale/ Mundlöcher.
Am letzten Mundloch der sogenannten "Schrägstollen" hatte ich wieder ein interessantes Gespräch.
Dort wurde ich auf den Ortschronisten verwiesen..."wenn der es nicht weiß"...
Heute habe ich den Herrn über die Verwaltung Brotterode-Trusetal per Mail angeschrieben.
Mal sehen was er antwortet.
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Re: Der Kampf um die Thüringer Pfort

Beitragvon PEKE » Montag 27. April 2020, 11:27

gemeint wurde der Infantriegeschoß Hersteller
Metallwarenfabrik Scharfenberg und Teubert, Breitungen
nach Aussagen von Einheimischen am Freitag wurden dort die Reichenberg Rakete, Flackzielgerät , gebaut.
Gruß Peter

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Re: Der Kampf um die Thüringer Pfort

Beitragvon Ramsay » Montag 27. April 2020, 11:56

An der Stelle möchte ich zunächst mich mal für die Mitarbeit aller bedanken.

Auch Peke hat seinen Beitrag geleistet und war am vergangenen Freitag vor Ort.
Dabei hat er zwar zwischen Wahles und Trusetal keinen Hinweis auf ein Bergwerk gefunden.

Er hat sich dann weiter im Gebiet und gesehen und kam nach Breitungen, welches der nächste Ort nach Wahles ist.

Dort kam er mit einem älteren Einheimischen ins Gespräch. Auf die Frage, ob er eine ehemalige Metallbaufirma kenne, die schon im Krieg existierte, kamen folgende Informationen seitens des Zeitzeugen:

- Es gab in Breitungen eine Metallwarenfabrik. Dabei handelt es sich um die Metallwarenfabrik Scharfenberg und Teubert. Wie der Zeuge weiter schilderte, haben dort Fremdarbeiter gearbeitet. Er sagte weiter, dass ihm bekannt sei, dass dort Blechteile für die V 1 hergestellt worden.
- Nach seiner Aussage hat er selbst nach dem Krieg in Nohra Schafe gehütet und bei Regen sich in den Stollen der gesprengten UT- Anlage untergestellt. Dort war ein Produktionsband für Raketen nach seiner Erzählung. Dieser Stollen soll sich auf der Rückseite des Hubschrauber Übungsplatzes befunden haben.

In Breitungen selbst gibt es kein Bergwerk. Allerdings stimmt die Aussage des Zeitzeugen mit dem Zitat im Buch von Möller betreffs der Herstellung der Teile für die V 1 und die Lieferung in Richtung Weimar ziemlich über ein.
Nohra ist zwar nicht Weimar liegt jedoch relativ nahe bei Weimar.

Bei der Aussage der Fremdarbeiter muss man meiner Meinung auch berücksichtigen, ob sich diese betreffs der Lieferörtlichkeit auskannten.

Bei vielen dieser Aussagen ist auch zu berücksichtigen, dass sie meist mehrfach übersetzt und reübersetzt worden. Auch dabei können sich Fehler in der Aussage ergeben.

Da Daniel nun ja den Ortschronisten von Trusetal angeschrieben hat, warten wir mal ab, was dieser sagt.
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Re: Der Kampf um die Thüringer Pfort

Beitragvon manganer » Dienstag 28. April 2020, 09:42

Hab doch noch ein Luftbild gefunden, was das Gebiet zart anreisst. Für die fleissigen Erkunder vor Ort, bei Sonnenschein und Maske, auch für den Hund...:-)
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Re: Der Kampf um die Thüringer Pfort

Beitragvon deradel » Dienstag 28. April 2020, 18:03

Danke Ramsay, die Aussage erhellt ein wenig Nohra und die dortigen Gegebenheiten. Ein Kumpel wohnt in Hopfgarten und wir sind da schon länger dran. Demnach könnte auch das Abbstellgleis (welches schon in Martin Stade seinen Roman erwähnt wird, allerdings in einem anderen Zusammenhang) und das Betonbauwerk an der Bahnlinie damit zu tun haben.
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Re: Der Kampf um die Thüringer Pfort

Beitragvon lupo » Samstag 2. Mai 2020, 17:14

Herr Messerschmidt hat mir auf meine Anfrage hin folgendes geantwortet.

Zitat- Herr Messerschmidt- ehrenamtlicher Ortschronist der Stadt Brotterode-Trusetal:
"...Von einer Fabrik im Bergwerk, in der gearbeitet wurde, ist mir nichts bekannt. Die Trusetaler Bergwerke sind durchgängig in Betrieb gewesen und eine unterirdische Anlage wäre in der Volksüberlieferung sicher bekannt gewesen.
Die Amerikaner sind am 5. April 1945 sowohl von Bad Liebenstein kommend in Trusetal, Ortsteil Herges und von der B 19 zwischen Breitungen und Fambach nach Winne, Wahles und Trusetal. Ortsteil Trusen abbiegend hier einmarschiert.
Im Bergbau und in den Trusetaler Fabriken waren auch etwa 150 Zwangsarbeiter aus der Ukraine und einige aus Frankreich und Griechenland beschäftigt. Zwischen Wahles und Trusetal hat es nie ein Bergwerk gegeben. Hätte man dort eines angelegt, wäre dies in der Öffentlichkeit bis heute bekannt geblieben.
Die Höhe 513 sagt mir leider auch nichts.
Es ist allerdings zutreffend, dass es im Ort zwei Unternehmen gab, in denen für die V-Waffen elektronische und Zielgeräte gefertigt wurden.
...Mein Nachbar, der 95 Jahre alt ist, konnte jedoch zur Aufklärung beitragen, was uns allerdings etwas zum Lächeln brachte. Die unterirdische Fabrik entpuppte sich als Bierkeller.
Während des Krieges wurde eine kriegswichtige Firma Wille aus Wuppertal wegen der dortigen ständigen Bombenangriffe nach Trusetal in die Metallwarenfabrik Reum teilausgelagert. Hier wurden dann die hochmodernen Zieleinrichtungen der V-Waffen gefertigt. Da die Kapazitäten in der Firma Reum nicht ausreichend waren, hatte die Firma Wille in Wahles den Tanzsaal der Gaststätte gemietet. Im Keller dieses Wirtshauses befand sich der Eingang des in den Berg getriebenen Bierkellers (kein Bergwerk), den man als Lagerplatz nutzte. Im Tanzsaal wurden die Zielgeräte montiert. Zwangsarbeiter waren in diesem Betrieb jedoch nur 8 Griechen beschäftigt. Vielleicht haben die russischen Zwangsarbeiter der anderen Betriebe von diesen Griechen etwas (sicher missverständlich) zu diesem angeblichen Bergwerk gehört und den Amerikanern entsprechende Hinweise gegeben. Die Amis haben sich tatsächlich für diesen Betrieb sehr interessiert und dafür gesorgt, dass die Fa. Wille mit Maschinen und insbesondere mit den ganzen Zeichnungen und Geheimunterlagen für die Zielgeräte und auch noch anderer, zum Teil optischer Geräte für die Luftwaffe, noch vor dem Besatzungswechsel in den Westen verbracht wurden, damit sie den Russen nicht in die Hände fielen.
Von einer unterirdischen Fabrik in einem Bergwerk kann also keine Rede sein. Diese hätten die Amerikaner ganz sicher auch gesucht und ausgeräumt. Teile für die V-Waffen wurden aber tatsächlich hier hergestellt. In einer zweiten Firma, der Bakelite-Fabrik Peter & Jung, in der keine Zwangsarbeiter beschäftigt waren, wurden Kabelbündel für die Luft- und V-Waffe montiert.
...Die Mitarbeiter waren zur strengsten Verschwiegenheit verpflichtet. In der Öffentlichkeit mussten sie behaupten, dass sie "Sträußchen" für Schießbuden herstellen, da diese Kabelgebinde wie Blumensträuße aussahen.
Die Fa. Wille mit etwa 600 Beschäftigten gibt es heute noch in Wuppertal und gleich nach der Wende war auch ein pensionierter Vertreter dieses Werkes interessenhalber hier in Trusetal, wo ich ihm die früheren Produktionsstätten in Trusetal und Wahles zeigen konnte.
Mehr kann ich zu Ihrer Anfrage leider nicht beisteuern."
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Re: Der Kampf um die Thüringer Pfort

Beitragvon kps » Samstag 2. Mai 2020, 20:11

Sehr gut recherchiert und zusammen dran geblieben. :-top)

Wenn wir so gemeinsam weiter machen, können wir noch mehr der kleinen und großen Rätsel lösen. Verzichten sollten wir dabei auf ständig neue Spekulationen und Romane über ... anderen Hohlräumen in Thüringen. Jetzt suchen wir einen "Bierkeller" bei Gotha im Bereich Krahnberg + Goldbach.

Respekt [-<5>-]
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Re: Der Kampf um die Thüringer Pfort

Beitragvon deradel » Samstag 2. Mai 2020, 20:29

KPS, nur weil du auch zu Nohra Null Ahnung hast musst du nicht andere als Dumm darstellen. Dein Werk ist auch keine Offenbarung!
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Re: Der Kampf um die Thüringer Pfort

Beitragvon kps » Samstag 2. Mai 2020, 22:39

Warum sind wir hier und schreiben bzw. tauschen uns aus? Doch nicht nur aus langer Weile und zur Unterhaltung. Auch um Liebe zu finden gibt es durchaus bessere Plattformen.

Ich hoffe, dass sich diese Forum von anderen unterscheidet, die an einer nicht vorhandenen Diskussionskultur, an Dampfplauderern und fehlender Zusammenarbeit gescheitert sind.

https://www.youtube.com/watch?v=nj_DnV0Q7P0

[-I-]
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