Cibuzar, Paul - Amt 10 hatte fünf Etagen?

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Cibuzar, Paul - Amt 10 hatte fünf Etagen?

Beitragvon Volwo » Samstag 17. Januar 2009, 21:00

Hier die "berühmte" Aussage von Paul Cibuzar - Amt 10 hat 5 Stockwerke und könnte ganz Berlin mit Strom versorgen.

Er sagt, dass er im Amt 10 drei Etagen tief geganmgen sei und seine Kameraden sagten, dass es noch zwei Stockwerke tiefer ging.

Interview beim Veteranentreffen der 89. Inft. Div. Anfang September 1992 in Colorado Springs (USA).
ZDF 1992

"Unter den 500 Teilnehmern finden wir wenige, die mehr als nur das KZ-Lager Ohrdruf gesehen haben.
Etwa Paul Cibuzar.
Er war als Sergeant für den Wachdienst in der Kaserne in Ohrdruf eingeteilt.
Eines Tages führten ihn Kameraden zu einem Hügel, in dem sich eine Bunkeranlage befinden sollte."
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Beitragvon ssch » Sonntag 18. Januar 2009, 15:05

Da es hierher nun wirklich passt, bringe ich mal ein - eigentlich verpöntes - Crossposting von einem Beitrag auf Explorate:

volwo hat geschrieben:1. A.Keiner: "...Objekt bestand aus mehreren unterirdischen Korridoren..."

Das stimmt ja auch. Mehrere = zwei.

volwo hat geschrieben:2. P. Cibuzar: "...wir stiegen dann drei Stockwerke hinab ... uns wurde gesagt, dass es noch zwei weitere Stockwerke gäbe ..."

Wir hatten diese Diskussion schon öfter, aber ich wiederhole mich gerne. :D Zwischen "Amt 10" und "S III" gibt es einen wesentlichen Unterschied: Die Baugeschichte des Nachrichtenamts ist durch Primärquellen gut dokumentiert. Außerdem gibt es vergleichbare Anlagen, die von den gleichen Leuten geplant und gebaut worden sind. Alle Bauunterlagen für das "Amt 10" weisen zwei Bunkergeschosse aus. Es gab auch keinen Tiefkeller als drittes Untergeschoss wie teilweise beim "Amt 500" (und teilweise in der Planung "Amt 800", der tiefer liegende Teil), sondern nur einen rund 80 cm hohen Versorgungs- und Kabelkanal.

Ich habe neulich im "Amt 500" mal darauf geachtet, ob man beim Hinuntersteigen den Eindruck gewinnen könnte, es mit erheblich mehr Geschossen zu tun zu haben. Das Treppenhaus verläuft über mehrere Zwischenetagen, bis man in der oberen Bunkeretage ankommt. Diese Zwischengeschosse beschränken sich nicht nur auf die Treppenanlage, sondern es gehen auch Nebenräume ab. Für Ortsunkundige kann irrtümlich der Eindruck entstehen, es mit Vollgeschossen zu tun zu haben. Für das "Amt 500" könnte man so fünf oder sechs Etagen vermuten, obwohl es ebenfalls nur zwei (plus teilweise Tiefkeller) sind.

Bei dieser Aussage von Cibuzar scheinen mir die Maßstäbe seiner Bewertung nicht zu stimmen. Was er beschrieb, also das was er mit eigenen Augen gesehen hatte und bezeugen konnte, stimmte ja im Groben: Es ging tief runter, es gab viele Generatoren, die Ausstattung war modern, der Bau ziemlich neu usw. Bei seiner Bewertung passt es nicht mehr: Geflieste Toiletten sind bei uns nichts Besonderes, die Generatoren konnten sicherlich keine Stadt versorgen, das Treppenhaus hatte tatsächlich (geschätzt) fünf Geschosse, nicht aber der Bunker usw. Außerdem ist bei dieser Aussage für meinen Geschmack zu viel Hörensagen dabei: Geschosszahl, Generatoren, Zweckbestimmung ("Hitlers Ausweichstelle"), immer wieder heißt es "uns wurde gesagt".

Viele Grüße
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Beitragvon Volwo » Sonntag 18. Januar 2009, 19:07

Gleicher Gedanke- :D Ich hatte das gestern abend auch gelesen.
Jetzt hastes ja schon reingeholt - Danke.

Ich habe als junger Mann mal Nachhilfe in einem riesengroßen Herbergshaus im Wald gegeben. Durch den Gang eine halbe Treppe hoch rechts Treppe hoch Flur lang Treppe runter usw. Da wusste ich erst, wenn ein Fenster im Raum war, in welchem Stockwerk ich mich befand.
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Beitragvon TÜP » Sonntag 18. Januar 2009, 22:22

Nun mal Butter bei die Fische! Hier ein Ausschnitt aus der offiziellen Dokumentation "Begehung der Nachrichtenzentrale AMT10 auf dem TrÜbPl Ohrdruf im März 1995".
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Beitragvon TÜP » Sonntag 18. Januar 2009, 22:24

Und die dazugehörige Schnittzeichnung!
Es liegen übrigens auch die genauen Aufmaße als Schnitte vor. Mit eingezeichneten Verbrüchen und allem was dazu gehört.
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Beitragvon TÜP » Sonntag 18. Januar 2009, 22:44

Und hier noch die Draufsicht:
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Beitragvon TÜP » Montag 19. Januar 2009, 19:29

Hier noch das LuBi März 1945. Nicht genordet sondern so gestellt wie die Skizze.
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Beitragvon ssch » Montag 19. Januar 2009, 21:33

TÜP hat geschrieben:Wie sich beim Begang zeigte, war das oberste des aus drei Stockwerken bestehenden Hauptkomplexes als "Zerschellerstockwerk" konzipiert und demzufolge von den beiden darunterliegenden Stockwerken abgetrennt worden. Die Trennwände im obersten Stockwerk bestanden lediglich aus Ziegelstein, die Decke besaß außer den Monierrundeisen keine weitere Stahlverstärkung, dagegen war die Zwischendecke zum darunterliegenden Stockwerk zusätzlich mit Doppel-T-Trägern armiert worden.

Den Hohlraum unter der Zerschellerplatte kann man wohl nicht als eigenes Stockwerk zählen. Es bleibt bei zwei Stockwerken.

Die Aussage über die Deckenverstärkung kommt mir merkwürdig vor; selbstverständlich muss die obere Bunkerdecke zusätzlich verstärkt gewesen sein. Zeigert schreibt das selbst in seinem Buch von 2003. Dort heißt es auf Seite 146: "Sie [die Zerschellerplatte] lag auf der Bunkerdecke auf, welche im Abstand von 35 Zentimetern mit Doppel-T-Trägern armiert war." So steht es auch in zeitgenössischen Quellen (siehe Anhang, von dort dürfte Zeigert auch zitiert haben). Und in Zossen kann man sich diese Bauweise noch heute anschauen.

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Beitragvon ssch » Montag 19. Januar 2009, 22:22

TÜP hat geschrieben:Und die dazugehörige Schnittzeichnung!

Noch eine Sache, die mir spontan auffällt: Der Versorgungsbunker mit der Brunnenanlage (hier: "Brunnen- und Filterkomplex") ist erheblich zu klein gezeichnet. Tatsächlich hatte dieser Bunker die gleiche Höhe von 8,70 Meter wie das Hauptbauwerk, ging über zwei Etagen und hatte ebenfalls eine 1,50 Meter starke Decke. Der Raumbedarf ergab sich aus der Aufstellhöhe der Tanks für die Wasseraufbereitung.

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Beitragvon TÜP » Dienstag 20. Januar 2009, 19:15

Kannst du mal bitte den Auszug einstellen, in dem steht das der Versorgungsbunker auch 2 Etagen haben soll?

Den Vertikalschnitt hab ich nicht vorliegen, aber den horizontalen:
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Beitragvon ssch » Dienstag 20. Januar 2009, 19:58

TÜP hat geschrieben:Kannst du mal bitte den Auszug einstellen, in dem steht das der Versorgungsbunker auch 2 Etagen haben soll?

Gerne (siehe Anhang).

Aus der Baumassenberechnung geht hervor, dass das Hauptgebäude und das Versorgungsgebäude (beide unter Tage) exakt die gleiche Höhe von 8,70 Meter hatten. Wie ich schon schrieb: Die Höhe über zwei Etagen war wegen der Aufstelltanks der Wasseraufbereitung nötig. Die Zwischendecke dürfte dafür teilweise durchbrochen gewesen sein. Der unvermeidliche Vergleich: In Zossen kann man diese Bauweise heute noch besichtigen (wobei hier der Versorgungsteil in den Hauptbunker integriert worden ist).

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Beitragvon ssch » Dienstag 20. Januar 2009, 20:17

Eine kurze Ergänzung: Ich habe mal nachgeschaut, ob das Versorgungsgebäude möglicherweise einfacher ausgeführt wurde, als es die Planungsunterlagen veranschlagten. Das Gegenteil dürfte der Fall gewesen sein: Während bei den meisten anderen Bauteilen, so auch beim Hauptgebäude, Einsparungen erzielt werden konnten, wurden die veranschlagten Kosten beim Versorgungsgebäude überschritten. Und das, obwohl hier schon ein um fast 20 Prozent erhöhter Pauschalsatz pro Kubikmeter zugrunde gelegt worden war.

Ich lege mich mal fest: Der Versorgungsbunker wurde ganz sicher zweistöckig errichtet.

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Beitragvon TÜP » Dienstag 20. Januar 2009, 21:38

OK, nehm ich erst mal so auf. Muss noch mal einen fragen der drin war. Und ich muss mir mal die vertikalen Schnitte anschauen.

Wie denkst du über diese Aussage:
[...] An der nördlichen Stirnseite der Anlage ist letzlich ein (ebenfalls unterirdischer) Außenanbau erkennbar, der durch die Verwendung von Ziegelmauerwerk gekennzeichnet wird. Möglicherweise stammt jener aus der von Kühn genannten Erweiterung 1944. Rückschlüsse auf seine Zweckbestimmung sind aufgrund des Zerstörungsgrades nur schwer möglich. Warscheinlich hat sich hier jedoch ein durch ein oberirdisches Gebäude getarnter Lastenaufzug befunden, wie er auch im "Amt 600" in Gieße vorzufinden ist[...]


Quelle: Truppenübungsplatz Ohrdruf, Autorenkollektiv. Seite 111/112

Zeigert bezieht sich hier auf Hans-Jürgen Kühn, Die vergessenen Hauptquartiere - Unvollendete Befehlszentralen in Schlesien und Thüringen

Eins der Bücher welches ich nicht habe. Hast du es und wie ist deine Meinung dazu?
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Beitragvon ssch » Mittwoch 21. Januar 2009, 12:41

Nochmal zum Versorgungsbunker. Zeigert schreibt folgendes:

Dieter Zeigert, Hitlers letztes Refugium? Das Projekt eines Führerhauptquartiers in Thüringen 1944/45, München 2003, S. 149 hat geschrieben:Von der Brunnenanlage aus war, ebenfalls unterirdisch, das rund 20 Meter neben dem Fernmeldebunker errichtete, zweigeschossig unterkellerte Versorgungsgebäude zu erreichen. Es nahm u.a. den Teeröl- oder Heizölbunker für die Heizanlage, den Dieselöltank für die Notstromanlage, einen Transformatorenraum sowie die Heizzentrale und das Dieselaggregat für den Netzersatzbetrieb auf. Wahrscheinlich war hier auch eine Kompressoranlage zum Schalten der Hochspannungsschalter, zur Kühlung des Dieselaggregates, zum Betrieb der Luftkühler der Klimaanlage sowie den Betrieb der Wasseraufbereitung installiert. Die oberste Kellerdecke war zum Schutz dieser hochwertigen Einrichtungen wie die des Fernmeldebunkers ausgeführt.

Zeigert hat für diese Aussagen vermutlich die gleichen Quellen verwendet, die mir auch vorliegen. Ob dieses Material 1995 bereits bekannt war, weiß ich nicht.

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Beitragvon ssch » Mittwoch 21. Januar 2009, 13:33

Das Buch von Hans-Jürgen Kühn kenne ich nicht, es scheint auch eine echte Rarität zu sein. Ich weiß im Moment nicht, wo man es beschaffen könnte.

Der Vergleich bezieht sich wohl auf das "Amt Gisela" in Gießen ("Amt 600" war in Ziegenberg). Diese Anlage ist mir bekannt; ich kenne auch den Schacht, in dem sich mutmaßlich mal ein Lastenaufzug befunden hat.

Bei großen Postbunkern (z. B. bei einigen Verstärkerämtern) waren Lastenaufzüge nicht ungewöhnlich. Bei "Amt 10" fehlte ein solcher Aufzug ursprünglich, während "Amt 500" nach einer Planungsänderung mit Aufzug gebaut wurde; auch für "Amt 800" war ein solcher Aufzug geplant. Ich kann mir grundsätzlich vorstellen, dass "Amt 10" später um einen solchen Aufzug erweitert wurde. Meine Quellen schweigen allerdings zu dieser Frage.

Wenn an der nördlichen Stirnseite ein Lastenaufzug angebaut wurde, dann muss dafür überirdisch ein neues Gebäude errichtet worden sein. Sieht man davon etwas auf Luftbildern (1944/45)? Nicht zuletzt wäre dafür eine nicht unerhebliche Bautätigkeit erforderlich gewesen (die Bunkersohle befand sich immerhin in rund 12 Metern Tiefe), die ebenfalls auf Luftbildern erkennbar sein müsste. Finden sich irgendwo Angaben zur Größe des unterirdischen Ziegelanbaus?

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Beitragvon Ramsay » Mittwoch 21. Januar 2009, 17:08

ssch hat geschrieben:Das Buch von Hans-Jürgen Kühn kenne ich nicht, es scheint auch eine echte Rarität zu sein. Ich weiß im Moment nicht, wo man es beschaffen könnte. ....Viele Grüße Sebastian


Laut Zeigert "Hitlers letztes Refugium" ist dies ein Beitrag in Militärgeschichte NF 2 (1993).

Hier dazu eine mögliche Bezugsquelle:
Militärgeschichtliches Forschungsamt
Zeppelinstraße 127/128
D-14471 Potsdam

Tel.: 0331/9714-0
Fax: 0331/9714-507
MGFAPresseeingang@bundeswehr.org
www.mfga.de


In der Bibliothek der MGFA
unter Signatur F 214.7

Titel Die vergessenen Führerhauptquartiere - unvollendete Befehlszentren in Schlesien und Thüringen / von Hans-Jürgen Kühn
Erschienen in Militärgeschichtliche Beiträge : Sammelband der Zeitschrift Militärgeschichte
(1994), S. 26 - 30
Band 7. 1993
Erscheinungsjahr 1994

Vielleicht kommt man da ja auch als Kopie heran. Laut Bilbliotheksrecherche besteht aucvh die Möglichkeit einer Fernleihe des Sammelbandes.

Vielleicht hilft es.

MfG
Ramsay
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"Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt." - Albert Einstein

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Beitragvon ssch » Mittwoch 21. Januar 2009, 18:37

Danke, Ramsey. :-top) Du wirst lachen, im MGFA-OPAC hatte ich auch schon nachgeschaut, dachte dann aber, dass sich ein so komplexes Thema wohl kaum auf wenigen Seiten abhandeln lässt. Deshalb habe ich das nur für eine Zusammenfassung gehalten. Aber Du hast vermutlich Recht: Das ist der ganze Text.

Ich werde mir den Artikel anschauen (und kopieren) und weiter berichten. Potsdam ist ja auch ein nettes Ausflugsziel. Mal schauen, ob mein alter Bibliotheksausweis noch gültig ist... :D

Viele Grüße
Sebastian
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Beitragvon Silko » Mittwoch 21. Januar 2009, 18:47

Ich darf an dieser Stelle auf unsere aktuelle Vereinszeitschrift, Geheimnis Jonastal, Ausgabe Nr. 8 2008 Seiten 8 bis 12 verweisen. -()- (look-)

Dort ist der entsprechende Artikel (m.E. ungekürzt) abgedruckt.
Zur direkten Bestellung gehts hier: http://www.gtgj.de/jonastal_shop.html [-nich-] :D
Je weniger wir Trugbilder bewundern, desto mehr vermögen wir die Wahrheit aufzunehmen. (Erasmus von Rotterdam)
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Beitragvon TÜP » Mittwoch 21. Januar 2009, 19:26

Da hast du recht Silko! Aber wenn das der ungekürzte Artikel ist war da nix dabei von AMT10. Jedenfalls keine Details von Anbauten, Etagen oder Maßen.

ssch kann sich also den Weg sparen!
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Beitragvon Silko » Mittwoch 21. Januar 2009, 20:55

Nö, bei Zeigert ging es in diesem Zusammenhang auch nicht um Maße oder Daten von Etagen oder Bauwerken.

Zeigert hat geschrieben:... An der nördlichen Stirnseite der Anlage ist letzlich ein (ebenfalls unterirdischer) Außenanbau erkennbar, der durch die Verwendung von Ziegelmauerwerk gekennzeichnet wird. Möglicherweise stammt jener aus der von Kühn genannten Erweiterung 1944. ...

Und mit dieser (von ihm aufgestellten) Behauptung nimmt er Bezug auf Kühn:

Kühn hat geschrieben:Nach der Invasion Mitte 1944 rückte dieser Bereich des Truppenübungsplatzes [OLGA - h.d.V.] wieder in den Blickpunkt Hitlers und Himmlers.
...
Die 1938 gebaute Zentrale wurde erweitert und modernisiert und eine zweite Anlage im Wert von 15 Millionen RM im Kellergeschoss der "Burg Mühlberg" in Ohrdruf errichtet.

Viel interessanter aber finde ich den nachfolgenden Absatz:

Kühn hat geschrieben:Ein weiteres Lager wurde neben der oben erwähnten Burg für Arbeiter errichtet, die einen Luftschutzbunker zur Unterbringung von Hitlers Sonderzug bauen sollten. Zu dieser Anlage sollte eine Nebenlinie der Bahnstrecke Ohrdruf - Gotha führen.
Die Baustelle für das eigentliche Führerhauptquartier im Jonastal war in vier Abschnitte gegliedert ...

Aber das gehört wohl schon wieder in einen anderen Thread.

Wie dem auch sei: Die Originalausgabe dürfte jedenfalls insofern von Interesse sein, da H.-J. Kühn als Autor beim MFGA seine Quellen sicher offengelegt hätte. Ich schau morgen mal...
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Beitragvon ssch » Donnerstag 22. Januar 2009, 16:21

Der Aufsatz von Hans-Jürgen Kühn liegt mir jetzt vor. Ein Blick auf die Quellenangaben lässt die Vermutung aufkommen, dass der Autor in näherem Kontakt zu Gerhard Remdt stand. Die entscheidende Passage, die sich auf das Jahr 1944 bezieht, hat Silko bereits genannt:

Hans-Jürgen Kühn, Die vergessenen Führerhauptquartiere. Unvollendete Befehlszentren in Schlesien und Thüringen, in: Militärgeschichte, 7, 1993, S. 29 hat geschrieben:Die 1938 [sic!] gebaute Zentrale wurde erweitert und modernisiert und eine zweite Anlage im Wert von 15 Millionen RM im Kellergeschoß der "Burg Mühlberg" in Ohrdruf errichtet.

Diese Aussage wird nicht durch eine Quelle belegt, was ich bei so konkreten Angaben erstaunlich finde. Für mich bleiben da einige Fragen offen. Über Art und Umfang der Modernisierungen im "Amt 10" wird nichts gesagt. Waren 15 Mio. RM die Bau- bzw. Einrichtungskosten (was ich nicht glauben kann), oder eine übertriebene Schätzung (wie beim "Amt 10") des Wertes der Austattung durch die Amerikaner? Ich vermute den Ursprung dieser Angaben in älterer amerikanischer Literatur, die von Kühn auch angegeben wurde, wenn auch nicht, um diese konkrete Stelle zu belegen. Ich werde mich demnächst mal bemühen, das nachzuvollziehen.

Und noch kurz zur Klarstellung: "Amt 10" wurde 1936 gebaut und war im Frühjahr 1937 fertig. Das lässt sich mit einer Fülle von Primärquellen belegen, die in dieser Hinsicht eindeutig sind.

Viele Grüße
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Beitragvon Ingwer » Donnerstag 22. Januar 2009, 20:17

Sebastian,

Wie würdest Du nach Gefühl argumentieren:

Zweite Anlage Kupferschloss - Ja oder Nein?
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Beitragvon TÜP » Donnerstag 22. Januar 2009, 22:46

Die Nähe zu Remdt ist nicht zu übersehen. Wobei mir da die Passage mit der 6. SS Gebirgsjäger entscheidender ist.

Eine grosse Anlage unter der Villa Mühlberg halte ich für nicht existent. Warum sollte man neben AMT10 noch so ein Teil unter die Villa setzen? verstärkeramt wie in Hohenkirchen -

Ein Lager neben der "Burg" ist mir völlig neu und auf keinem der Lufbilder zu sehen. Einen Sonderzug im berg verschwinden lassen.....das Thema hatten wir bis zur Erschöpfung!
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Beitragvon ssch » Freitag 23. Januar 2009, 16:49

Ingwer hat geschrieben:Wie würdest Du nach Gefühl argumentieren:
Zweite Anlage Kupferschloss - Ja oder Nein?

Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Die Quellenlage ist mir zu dünn, um mich festzulegen. Als Arbeitshypothese gehe ich davon aus, dass im Keller (so schreibt es auch Kühn) der Villa Mühlberg eine Vermittlung eingerichtet wurde, um die Kapazität vor allem des Ortsamts von "Amt 10" zu erweitern, vielleicht zusätzlich noch einige Verstärker. Größere, bis heute unbekannte Bauten auf dem Grundstück der Villa halte ich für sehr, sehr unwahrscheinlich; mir fehlt jeder Anhaltspunkt dafür.

Angaben wie bei Kühn, dort habe sich Ausstattung im Wert von 15 Mio. RM befunden, können natürlich schnell zu der Vermutung führen, dort müsse es "mehr" gegeben haben. Aber bei diesen Zahlenangaben bin ich extrem vorsichtig, vor allem, wenn die Quelle nicht nachvollziehbar ist. Zum Vergleich: Die Amerikaner haben den Wert von "Amt 10" erst auf 10 Mio. $, später auf 5 Mio. $ geschätzt. Das ist ja schon mal ein satter Unterschied. Wenn ich aber andererseits weiß, dass der Bau von "Amt 10" mit Versorgungsbunker, drei oberirdischen Gebäuden und Stollenanlagen tatsächlich 2,67 Mio. RM und die fernmeldetechnische Ausstattung nur 1,15 Mio. RM gekostet haben, dann habe ich schon Zweifel an der Schätzgenauigkeit der Amerikaner. Man muss ja auch noch Kaufkraftunterschiede zwischen Reichsmark und US-Dollar berücksichtigen.

TÜP hat geschrieben:Die Nähe zu Remdt ist nicht zu übersehen. Wobei mir da die Passage mit der 6. SS Gebirgsjäger entscheidender ist.

[...]

Ein Lager neben der "Burg" ist mir völlig neu und auf keinem der Lufbilder zu sehen. Einen Sonderzug im berg verschwinden lassen.....das Thema hatten wir bis zur Erschöpfung!

In den Fußnoten wird sowohl auf "Rätsel Jonastal" als auch auf eine unveröffentlichte Dokumentation von Remdt Bezug genommen; selbst eines der Kott-Bilder wird mit dem Fotonachweis Remdt abgedruckt.

Kühn hat sich ja immerhin auf Quellen gestützt, die diese Geschichten scheinbar bestätigen: Für die 6. SS-Geb-Div. auf das KTB OKW und bei der Bunker-für-Zug-Geschichte auf den Catalogue of Camps and Prisons (CCP). Wir sehen: Am Ende gehen alle Missverständnisse und Fehlinterpretationen auf ganz wenige Ursprünge zurück. Was ich bei Kühn vermisse, ist der kritische Umgang mit seinen Quellen, aber vermutlich war er 1993 froh, überhaupt irgendwelche Fundstellen angeben zu können. Hätte er die in Zweifel gezogen, wäre ja kaum etwas übrig geblieben.

Ich denke, es sollte grundsätzlich auch heute noch nachvollziehbar sein, wie diese zweifelhaften Angaben in das KTB und den CCP gelangt sind. Im CCP wird als Quelle angegeben: "War Crimes Commission: Preliminary Report on Buchenwald". Ist dieser Bericht bekannt? Kann das Buchenwald-Archiv vielleicht weiterhelfen? Vielleicht sollte man auch einfach mal beim ITS anfragen. In späteren ITS-Publikationen findet sich jedenfalls, soweit mir bekannt ist, kein Hinweis mehr auf die Bunker-für-Zug-Story. Dafür wird es vermutlich Gründe geben.

Viele Grüße
Sebastian
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Beitragvon Luchs » Freitag 23. Januar 2009, 20:55

ssch hat geschrieben:Als Arbeitshypothese gehe ich davon aus, dass im Keller (so schreibt es auch Kühn) der Villa Mühlberg eine Vermittlung eingerichtet wurde, um die Kapazität vor allem des Ortsamts von "Amt 10" zu erweitern, vielleicht zusätzlich noch einige Verstärker.


Sebastian, könnte man hier noch in Erwägung ziehen, daß Amt Villa M. möglicherweise einen größeren Schaden des FK oberirdisch überbrücken sollte (Theorie TF-Einspeisung, Masten in Richtung Hohenkirchen) oder ein (Spekulation) neu zu errichtendes oder errichtetes Objekt an das vorhandene Netz anzubinden gedachte? Also mehr Funktion Umsetzer statt Ortsvermittlung. Oder gibt es Anhaltspunkte, die dagegen sprechen?

Das Truppenlager soll ja fernsprechmäßig bereits großzügig ausgestattet gewesen sein, es sei denn bei der Aussage waren nur die Zahl der liegenden Teilnehmeranschlüsse, aber nicht die Klappenschränke und "Fräuleins" berücksichtigt. Dann gab es doch noch die Aussage von Frau Mühlberg, daß man von der Villa nicht telefonieren konnte...
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