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Rolf Baumann: Die Hölle von Ohrdruf, in der Buchenwaldreport

BeitragVerfasst: Dienstag 18. Oktober 2011, 18:12
von Joe
51. Die Hölle von Ohrdruf
Wir kamen im September 1944 mit 1000 Mann in Ohrdruf an. Bereits am nächsten Morgen ging es mit «caracho» an die Arbeit. Es wurden Stollen in die Berge getrieben. Gearbeitet wurde in 3 Schichten. Das Tempo bei der Arbeit war ungeheuer, und von den Aufsichtspersonen wie SS, Teno (Techn. Nothilfe) sowie Zivilpersonen wurde viel geschlagen. Diese Arbeitszeit wurde auch im Winter durchgehalten, ohne Rücksicht auf die ungenügende Kleidung, den weiten Anmarschweg usw. Der Verschleiß an Arbeitskleidung, besonders an Schuhwerk, war bei der Arbeit enorm groß, trotzdem wurden Ersatzstücke nur unzureichend herangeschafft. In den 5 Monaten meines Aufenthaltes in Ohrdruf wurde nur ein einziges Mal gebadet und entlaust, und dieses auch nur, weil in einem Nebenlager Typhus ausgebrochen war.

Die Arbeitskommandos
Später kamen noch 500 Zugänge aus Flossenbürg, die körperlich in schlechter Verfassung waren. Diese sind durch schwere Arbeit und die mangelhafte Bekleidung bis auf wenige gestorben. Von unserem Trans­port sind nicht mehr als 200 übriggeblieben, d. h. also in 5 Monaten nur noch 1/5.
Später wurden noch Kampfstände und Stollen in der Nähe des Truppenübungsplatzes gebaut, die als Führerhauptquartier vorgesehen waren. Da aber die Arbeitsstellen zu weit vom Lager Ohrdruf entfernt waren (wir fuhren zuerst täglich 12 km mit Omnibussen), wurden aus Mangel an Benzin 2 neue Nebenlager Crawinkel und das sogenannte Zeltlager errichtet. Dort waren die allgemeinen Verhältnisse noch ungünstiger. Die Verpflegung war knapp, und die Menschen hungerten bei der verlangten schweren Arbeit. Es gab viele Kranke, die nach Ohrdruf in den Krankenbau verlegt wurden, wo die Hölle war. Es fehlte im Krankenbau an ärztlicher Hilfe, an Medikamenten, an Heizmaterial und mehr. Von diesem Krankenbau gingen von Zeit zu Zeit Transporte nach Belsen, die sogenannten «Invalidentransporte».
Besonders gemein benahmen sich der stellvertretende Lagerführer Stiwitz und der Unterscharführer Müller, die aus geringsten Anlässen heraus den Häftlingen 25 oder mehr Stockhiebe verabreichten.
In Crawinkel gab es einen besonderen Bunker Z. II, der dem SD für festgenommene flüchtig gewesene Häftlinge unterstand. Dort gab es nur alle 3 Tage eine halbe Portion Essen! Licht und Luft waren nicht vorhanden. Ich erinnere mich eines Falles, wo an einem Abend 5 Kameraden wegen Flucht gehängt wurden; darunter befand sich auch ein 15 jähriger polnischer Kamerad, der verzweifelt schrie: «Mutter, Mutter, ich bin noch so jung, ich will noch nicht sterben!»
Am 4. 4. 45 kam der Evakuierungsbefehl, und wir gingen 70 km auf Umwegen nach Buchenwald. Die letzten 1000 Häftlinge bekamen keine Verpflegung mehr. Wir waren 3 volle Tage unterwegs und kamen kaputt und zermürbt an. Kranke und Schwache, die unterwegs nicht mehr mit konnten, wurden durch Genickschuß liquidiert. Erwähnenswert ist noch, daß bereits unterwegs einige Angehörige der SS dieses Abzeichen abnahmen, um gegebenenfalls als 'Wehrmachtsangehörige zu gelten.
Rolf Baumann, Berlin


Quelle: Der Buchenwald-Report, Bericht über das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar, Hg: David A. Hackett, Verlag C.H.Beck, München, Zweite Auflage 1997

Re: Rolf Baumann: Die Hölle von Ohrdruf, in der Buchenwaldre

BeitragVerfasst: Dienstag 18. Oktober 2011, 19:03
von kps
Wie bereits sn anderer Stelle hier im Forum geschrieben. Rolf Baumann kam erst am 16. November 1944 in Ohrdruf an.
Quelle: Transportliste Sachsenhausen vom 13.11.1944

VG
kps

Re: Rolf Baumann: Die Hölle von Ohrdruf, in der Buchenwaldre

BeitragVerfasst: Dienstag 18. Oktober 2011, 20:22
von Volwo
Da Baumann zu diesem Zeitpunkt noch in Flossenbürg war, kann es sich bei der Datumsangabe um einen Übermittlungsfehler handeln.
(Raschke 2003).

Re: Rolf Baumann: Die Hölle von Ohrdruf, in der Buchenwaldre

BeitragVerfasst: Mittwoch 19. Oktober 2011, 20:28
von Volwo
Volwo hat geschrieben:
Da Baumann zu diesem Zeitpunkt noch in Flossenbürg war, kann es sich bei der Datumsangabe um einen Übermittlungsfehler handeln.
(Raschke 2003).


Quelle verwechselt, sorry, Frau Raschke schreibt tatsächlich:
»Hier irrt vermutlich Baumann, denn er sagt selbst weiter unten in seinem Bericht, dass er fünf Monate in Ohrdruf war. Da er den Evakuierungsmarsch Anfang April 1945 miterlebt hatte, war er wohl erst im November nach Ohrdruf gekommen«.
(Raschke 2003, Fußnote 13 von S. 12, Anmerkungen S. 66).


Kann mir einer sagen, wo das mit Flossenbürg steht? ich finds grad nicht.

Oder ist er definitiv mit dem Transport am 13.11. von Sachsenhausen gekommen?

Re: Rolf Baumann: Die Hölle von Ohrdruf, in der Buchenwaldre

BeitragVerfasst: Mittwoch 19. Oktober 2011, 20:34
von kps
Volwo hat geschrieben:Oder ist er definitiv mit dem Transport am 13.11. von Sachsenhausen gekommen?


Ja - manchmal habe ich das Gefühl du liest meine Beiträge nicht [--c--] Das Zitat mit Fossenbürg hast du in der Zeitleiste glaube auch schon drin.

MfG
kps

Re: Rolf Baumann: Die Hölle von Ohrdruf, in der Buchenwaldre

BeitragVerfasst: Mittwoch 19. Oktober 2011, 21:24
von Volwo
nicht mehr

Re: Rolf Baumann: Die Hölle von Ohrdruf, in der Buchenwaldre

BeitragVerfasst: Mittwoch 19. Oktober 2011, 21:37
von Volwo
Gehört er zu diesen Zugängen?

Re: Rolf Baumann: Die Hölle von Ohrdruf, in der Buchenwaldre

BeitragVerfasst: Mittwoch 19. Oktober 2011, 22:38
von kps
Volwo hat geschrieben:Gehört er zu diesen Zugängen?


Jetzt haben wir 2 bis 3 neue Probleme. Wenn ich es richtig erkenne, sind zunächst keine zusätzlichen 1.000 Häftlinge als Zugang aus Sachsenhausen verzeichnet. Weiterhin glaube ich die s.g. Buchenwald-Kladde zu erkenne, in der die Zugänge für Buchenwald + Außenkommandos erfasst wurden.

Probleme:
- die 1.000. aus Sachsenhausen kamen nie in Buchenwald an
- S III war seit dem 14.11.1944 eigenständig und damit vorrübergehend kein Außenkommando mehr
-> falsche Übersicht für Zugänge S III an diesem Tag
-> erst ab dem 15.01.1945 wirst du in diesen Büchern dann wieder fündig, es sei denn, S III hat wie so oft verspätet in das Stammlager nach Buchenwald gemeldet.

VG
kps

Re: Rolf Baumann: Die Hölle von Ohrdruf, in der Buchenwaldre

BeitragVerfasst: Mittwoch 19. Oktober 2011, 22:50
von Volwo
ja und nu?

ich dachte, die hast Du für Deine Aufstellungen benutzt?

--> Ordner S III - eigenständige Bestandsmeldungen (Zu- und Abgänge BA Berlin)

Re: Rolf Baumann: Die Hölle von Ohrdruf, in der Buchenwaldre

BeitragVerfasst: Samstag 22. Oktober 2011, 08:35
von kps
Ich habe es natürlich benutzt, vorher beschafft und die Kopien zu meiner GTGJ Zeit bei euch im Archiv abgelegt. Ich habe selbst nicht die Masse an Kopien zu Hause und daher schau ich öfters bei euch vorbei.

Nur - ich deute die Zahlen und Buchstaben anders als du.

VG
kps