FW 1981 Über Nacht kam die tosende Flut

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FW 1981 Über Nacht kam die tosende Flut

Beitragvon kps » Mittwoch 16. August 2006, 07:10

Quelle: Freies Wort am 16.08.06

16.08.2006
Ilm und Gera traten am 10. August vor 25 Jahren über die Ufer und zerstörten nicht nur Hab und Gut
Über Nacht kam die tosende Flut

VON HARTMUT SCHULZE
ILMENAU /ANGELRODA Am 10. August vor 25 Jahren traten in den damaligen Kreisen Arnstadt und Ilmenau die sonst so besinnlich dahin fließenden Flüsschen Ilm sowie die Zahme und Wilde Gera über die Ufer und wurden zu reißenden Strömen. Das Wasser brachte enorme Massen an Geröll und Schlamm mit und richtete in einigen Orten enormen Schaden an.
– Wie Freies Wort damals berichtete, wurden bis zu 100 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gemessen und das in sehr kurzer Zeit. Vorausgegangen war ein sehr heißer Sonntag und in der Nacht kamen dann die ungewöhnlich starken Niederschläge, die mit Hagel verbunden waren. Die Flussläufe stiegen sehr schnell an, und das Wasser suchte sich seinen Weg. Wichtige Verbindungsstraßen wurden überflutet oder unterspült und mussten gesperrt werden. Brücken wurden weggeschwemmt. In vielen Häusern liefen die Keller voll, und in einigen standen die Bewohner in der unteren Etage bis zur Hüfte im Wasser. Stellenweise konnten sie nur noch mit Schlauchboten aus den Häusern evakuiert werden. Selbst die Bahnlinie Arnstadt–Ilmenau wurde beschädigt und war zeitweise nicht mehr befahrbar. Alles, was auf den Freiflächen nicht niet- und nagelfest war, wurde von den Wassermassen mitgerissen.

Zahlreiche Bürger wehrten sich gegen
die Wassermassen

Im Altkreis Ilmenau mussten durch die Überschwemmungen am 10. August 1981 insgesamt 650 Wassereinbrüche in Kellern und Wohnungen verzeichnet werden. Allein in Gräfinau-Angstedt waren an 250 Häusern Wasserschäden zu beseitigen. In Geraberg ertrank eine Frau in den Wassermassen. Aus dem Ferienlager in Dörnfeld wurden die Kinder durch Soldaten der NVA mit einem schwimmfähigen Panzerfahrzeug evakuiert. Insgesamt waren 3800 Personen der freiwilligen Feuerwehr, der Zivilverteidigung, der Volkspolizei und Bürger sowie Soldaten der NVA zur Bekämpfung des Hochwassers und zur Beseitigung der Folgen im Einsatz.

Etwa 6000 Helfer waren wegen der Überschwemmungen im Altkreis Arnstadt ab dem 10. August 1981 im Einsatz, darunter viele Kameraden der Feuerwehren, Mitglieder der Zivilverteidigung, Angehörige der Volkspolizei, Soldaten der damaligen Sowjetarmee und viele freiwillige Helfer aus der Bevölkerung. Sie alle versuchten mit aller Kraft, das Hochwasser einzudämmen und noch schlimmere Folgen zu verhindern.

In Angelroda stand das Wasser bis zu 1,5 Meter hoch auf der Straße

Besonders stark betroffen war die kleine Gemeinde Angelroda. Hier war die Zahme Gera vor 25 Jahren gar nicht so zahm. Die Einwohner erlebten am Montag, dem 10. August 1981, das schlimmste Hochwasser, das je verzeichnet wurde. „Schon in der Nacht wurde das Tosen der Gera immer lauter“, erinnerte sich der heutige Bürgermeister Udo Lämmer, „eigentlich wollte ich an diesem Tag zum Angeln fahren, aber das fiel ja dann buchstäblich ins Wasser.“ Bereits in den frühen Morgenstunden verwandelte sich die Zahme Gera in einen reißenden Strom. Der Damm an der Schneidemühle neben dem Viadukt hielt dem Druck der Wassermassen nicht mehr stand und brach. Schlamm und Geröll sowie Treibholz ergossen sich nun in Richtung Hauptstraße und Mühlgraben. Holzstämme wurden mitgerissen und schlugen auf der anderen Seite der Hauptstraße gegen die Gebäude, wurden weiter gespült und donnerten gegen die weiter unten liegenden Brücken. „Tosend und donnernd bahnte sich die Gera den Weg durch den Ort“, erzählte gestern Zeitzeuge Gunter Schumann. Bei ihm zu Hause, gegenüber der Kirche, drang das Wasser bereits von der Hauptstraße durch den Hausflur in den Garten. „Es ging so schnell, da lief das Wasser in den Hof rein“, so Gunter Schumann, „innerhalb kürzester Zeit hatte es dort eine Höhe von etwa 1,5 Meter erreicht.“ Wie er erzählte, brachten sie so schnell wie möglich die Kleintiere des Hofes in Sicherheit und die war nur auf dem Dachboden gegeben. Auch Erika Schreiber im ehemaligen Zollhaus erinnerte sich an das Geschehen an diesem Tag: „Wir schauten von der oberen Etage aus dem Fenster, da waren bereits die Pfeiler, Zaun und Tor am Haus weggerissen und das Wasser stieg dann zum Lindenplatz bis über den Fenstersims.“ Die Hauptstraße selbst wurde an diesem Tag bis zur Brücke in Richtung Neusiß metertief ausgespült. „Drei Tage hat es gedauert, bis das Wasser endlich weg war und die Aufräumungsarbeiten beginnen konnten“, erzählte der Bürgermeister.

Rückhaltebecken für
die Gera wurde nach
Hochwasser angedacht

Die Auswirkungen dieses Jahrhunderthochwassers hatte aber auch einen positiven Aspekt, denn man machte sich Gedanken über einen verbesserten Hochwasserschutz. Ein Projekt wurde in Auftrag gegeben und 1987 die Dringlichkeit dafür festgelegt. Am 28. Dezember 1987 gab es dann schon die Standortgenehmigung vom damaligen Rat des Kreises Arnstadt. Wegen mangelder Baukapazitäten konnte jedoch nicht mit dem Bau begonnen werden. Frühester Baubeginn sollte 1990 sein. Auf Drängen von Kommunalpolitikern, die Gemeinderat und Bürgermeister unterstützten, wurde nach der Wende ein neues Projekt erstellt, das mittlerweile genehmigt ist. Nach Aussagen des Landes soll die investive Phase eigentlich 2006 beginnen. Bleibt zu hoffen, dass diese Aussage von Staatssekretär Christian Juckenack im April 2005 auch noch Bestand hat.

Gunter Schumann, Erika Schreiber und Bürgermeister Udo Lämmer (v.l.) sind Zeitzeugen des Hochwassers von 1981. Erika Schreiber zeigte, wie hoch das Wasser damals stand. Es reichte bis über den Fenstersims und die untere Etage war überflutet. FOTOS (3): H. SCHULZE

So sieht die Zahme Gera heute bei normaler Wasserführung aus. Das Ufer wurde nach dem Hochwasser etwas erhöht.

Am Lindenplatz in Angelroda stand das Wasser 1981 bis an die Fenstersimse und zur Hauptstraße hin noch höher.

Der Damm an der Schneidemühle hielt dem Wasser nicht stand, wurde weggespült und notdürftig mit Betonteilen geflickt.

Heute ist diese Gefahrenstelle der Zahmen Gera neben dem Viadukt mit großen Steinen gesichert.
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Beitragvon kps » Mittwoch 16. August 2006, 07:14

Nein - kein Sommerlochfüller

In dem Zusammenhang mit dieser "Wasserhose" wurde mir einmal berichtet, dass Tage darauf sowjetische Raketen von Ohrdruf und Wölfis aus deutlich sichtbar auf den Truppenübungsplatz zum "Trocknen" aufgestellt wurden.

Frage: Hat dies ebenfalls schon Jemand gehört/ oder damals gesehen?
Gibt es Nachweise für Raketen-Silos oder andere Raketen-Schutzbauten auf dem TrÜbPl, die abgesoffen sein könnten?

MfG
kps
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