Einzigartiger Lebensraum im Jonastal

Flora und Fauna, Erdgeschichtliches zum Jonastal und Umgebung

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Einzigartiger Lebensraum im Jonastal

Beitragvon kps » Mittwoch 9. Mai 2007, 19:27

Quelle: Thüringer Allgemeine am 09.05.07

Molche & Müll


ILM-KREIS (kf). Die Rotflügelige Ödlandschrecke - eine bedrohte Heuschreckenart - scheint sich im Jonastal wohl zu fühlen - 1040 (und damit erstmals mehr als tausend) Tiere wurden im vorigen Jahr dort gezählt. Das geht aus dem Umweltbericht 2006 des Landratsamtes hervor.

Damit hält der seit Jahren bestehende "positive Bestandstrend" weiter an, so das Resümee des Berichts, den Landrat Benno Kaufhold (CDU) und der Chef des Umweltamtes, Dr. Ulrich Strobel, gestern vorstellten.

Aber was heißt das Resümee, es ist ein Resümee von vielen, denn der mittlerweile 8. Jahresbericht befasst sich mit allen Themen rund um Naturschutz, Wasser- und Gewässerschutz, Immissionsschutz bis zur Deponienachsorge. So ist in dem 50 Seiten umfassenden Papier etwa von 60 Naturdenkmalen mit 135 Einzelbäumen die Rede, 83 000 Euro wurden seit 1995 für Baumpflegearbeiten ausgegeben. Bestandskontrollen in den Quartieren der bedrohten Fledermausarten Großes Mausohr und Kleine Hufeisennase, laut FFH-Richtlinie Tierarten von gemeinschaftlichem Interesse, bestätigten einen positiven Trend, die ehrenamtlichen Betreuer der Amphibienzäune erfassten 2006 rund 330 000 Frösche, Kröten und Molche und setzten sie in Nähe der Laichgewässer ab. Aber auch solche Zahlen enthält der Bericht: 1066 Altreifen, 125 Kühlgeräte und 3,2 Tonnen Elektroschrott sowie tonnenweise weiterer Hausmüll - ein deutlicher Anstieg gegenüber 2005 - wurden in der Natur entsorgt und mussten beseitigt werden.

Mit Renate und Heinz Vetter wurden gestern zudem zwei weitere ehrenamtliche Umweltschutzbeauftragte ernannt. Das Rentnerehepaar aus Erfurt ist seit vielen Jahren in der Arnstädter Gruppe des Arbeitskreises Heimische Orchideen aktiv und wird nun die noch "unbetreuten" Schutzgebiete an der Nordgrenze des Kreises regelmäßig beobachten. Damit gibt es im Ilm-Kreis 28 ehrenamtliche Umweltschutzbeauftragte.

Den Umweltbericht 2006 gibt es in den nächsten Wochen im Landratsamt oder im Internet.

07.05.2007
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Beitragvon TÜP » Mittwoch 9. Mai 2007, 19:31

1040 (und damit erstmals mehr als tausend) Tiere wurden im vorigen Jahr dort gezählt.


Also ich hatte 1043 gezählt. Was machen die nur!? xD
Gott hat nicht den Menschen erschaffen, sondern der Mensch erschuf Gott «nach seinem Bilde».
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Schrecke

Beitragvon Speedy » Donnerstag 10. Mai 2007, 06:32

Moin moin Peter,
Boah äh, und was ist mit der Rotflügeligenschnarrschrecke? ise dod?.
MfG
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Beitragvon michael » Montag 14. Mai 2007, 00:04

Nein Speedy! Dank der Hilfe der GTGJ vermehrt sie sich besser als Karnikel. Das merkt man doch schon, wenn TÜP eine Stunde nach der offiziellen Zählung schon wieder drei mehr findet!

MfG
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Beitragvon Speedy » Montag 14. Mai 2007, 05:26

Moin moin Michael,
ich werde das mal nachzählen, ich glaube das nicht so ganz.
MfG
Kai
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Beitragvon michael » Montag 14. Mai 2007, 08:26

Ich bin heute und morgen noch daheim. Wenn Du einen Zeugen zum zählen brauchst, stehe ich Dir gern zur Verfügung!

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Beitragvon kps » Dienstag 12. Juni 2007, 20:12

aus dem Freien Wort vom 12.06.07

ARTENSCHUTZ
Ein Patentrezept für steinreiche Bauern

Naturschützer feiern auf den Weiden rund um Crawinkel die Rückkehr von zahlreichen bedrohten Tier- und Pflanzenarten
VON MATTHIAS THÜSING

Der Wiedehopf ist zurück. Bislang galt er in Mittelthüringen als verschollen. Zum Tag der Artenvielfalt am vergangenen Wochenende feierte der auffällige Vogel seine Wiederkehr. Ein brutverdächtiges Paar bekamen die Wissenschaftler zu Gesicht, die sich ein Bild vom Artenreichtum der Weidelandschaft bei Crawinkel machen wollten. Insgesamt 1300 kleine und große Erfolge kamen am Ende zusammen.

CRAWINKEL – Ein weißes Tuch in dunkler Nacht, davor eine starke Lampe und ein wenig Geduld – solche Lichtfallen kennt Linh Nguyen aus ihrer vietnamesischen Heimat. „Allerdings werden dort die Insekten nicht angelockt, um sie zu beobachten, sondern um sie einzufangen.“ Bis zu mehreren tausend Dollar zahlen japanische Sammler für die wirklich seltenen Nachtfalter ihres Landes. Fast bittet sie um Verständnis. „Vietnam ist zu arm. Da kommt so etwas vor.“ Die Lichtfalle auf dem Gelände der so genannten Muna bei Wölfis – einem ehemaligen Munitionsdepot aus Weltkriegszeiten – dient dagegen rein wissenschaftlichen Zwecken. Uwe Büchner, Hobbybiologe aus Bad Salzungen, hat sie aufgebaut und wartet nun auf Fluggäste der unterschiedlichsten Art. Büchner ist einer von 105 Experten, die am vergangenen Wochenende 24 Stunden lang die Flora und Fauna der größten deutschen naturbelassenen Weidelandschaft erfassten und inventarisierten. Die Gästeliste reicht dabei vom Universitätsprofessor über freiberufliche Biologen bis hin zum bayerischen Berufschullehrer mit Spezialkenntnissen in der Insektenkunde.

Sie alle sind angereist auf Einladung des Reportagemagazins Geo. Seit 1999 veranstalten die Hamburger Blattmacher am zweiten Samstag im Juni den „Tag der Artenvielfalt“. Die Idee des Events folgt dabei der einfachen umweltpolitischen Überzeugung: „Nur das, was wir kennen, werden wir auch achten und schützen.“

——————

Oft nur minimale Unterschiede

——————

Ganz so einfach ist es freilich nicht in jedem Einzelfall. „Den kann ich hier draußen nicht bestimmen“, sagt Uwe Büchner und stülpt ein kleines, verschließbares Glasröhrchen über einen hektisch herumflatternden Schmetterling. „Das ist ein Wickler“, sagt der Biologe. „Aber welcher genau? Den muss ich unter dem Mikroskop bestimmen.“ Über 500 verschiedene Wicklerarten bevölkern Mitteleuropa. Manche Arten unterscheiden sich äußerlich nur aufgrund der Form von Kau- beziehungsweise Geschlechtswerkzeugen voneinander.

Noch Anfang der 90er Jahre unterschied sich dieser Teil der Ohrdrufer Platte nur wenig von anderen landwirtschaftlich genutzten Flächen in der Region. Die Böden hier sind schlecht. Die Bauern rund um Crawinkel gelten zwar als steinreich. Doch das bezieht sich allein auf die Kalkbrocken auf den Äckern und nicht etwa auf die Menge der Scheine im Portemonnaie. Zwar lasse sich auch auf solchen Flächen ein Ernteertrag von bis zu 70 Dezitonnen einfahren, weiß Edgar Reisinger von der Thüringer Landesanstalt für Umwelt: „Aber die können – neben dem Einsatz von viel Chemie – nur mit kostenintensivem Verschleiß der Technik erzielt werden.“

Vor zehn Jahren übernahmen die Landwirte Ingrid und Heinz Bley die Flächen rund um dem kleinen Ort. Für Reisinger ein Glücksfall. Denn die Bleys stellten 2003 um auf naturnahe Landwirtschaft. Seitdem prägen rund um den Ort Rinder und Pferde auf riesigen Weiden das Landschaftsbild. Auf einer Fläche von fast 25 Quadratkilometern können sich die Tiere weitgehend frei bewegen. Jedem Rind oder Pferd stehen dabei statistisch zwei Hektar Fläche zur ganzjährigen Beweidung zur Verfügung. Zugefüttert wird nur bei wirklich rauer Winterwitterung. Für das benötigte Heu wird ein Teil des Grünlandes höchstens einmal pro Jahr gemäht. Ansonsten halten neben Rindern und Pferden Ziegen- und Schafherden die einzigartige Weidelandschaft offen.

Trotz des enormen Landbedarfs – das Konzept rechnet sich. Zum einen macht der Agrarbetrieb Bley ein Plus über die höheren Preise für Biofleisch, zum andern nutzt er die öffentlichen Zuschüsse für den Vertragsnaturschutz, die für umweltfreundliche Landwirtschaft europaweit gezahlt werden. „Wir könnten mehr Tiere verkaufen, als wir derzeit haben“, sagt Heinz Bley.

Abseits der Großtiere kreucht und fleucht es im Untergrund. Rund 1300 verschiedene Tier- und Pflanzenarten haben die Wissenschaftler auf den Flächen nachgewiesen. Darunter befinden sich 88 zum Teil in Thüringen seltene Vogelarten wie Wachtelkönig oder Grauammer, dazu der seltene Fadenmolch, insgesamt 200 Falter und etwa 800 Pflanzen wie die Sibirische Schwertlilie und das zu den Orchideen zählende Breitblättrige Knabenkraut. „Auf herkömmlichen Acker- und Weideflächen kommen Sie vielleicht auf eine Vielfalt von 300 Arten“, sagt Reisinger. Der Naturschützer von der Landesanstalt für Umwelt und Geologie ist so etwas wie ein Fan der ersten Stunde. „Das hier ist das Konzept für Flächen mit schlechten Böden“, wirbt Reisinger um Nachahmer. Per Vortrag und beim Biere vor dem Hauptquartier der Artenzähler. „Auf etwa fünf Prozent der landwirtschaftlichen schlechtesten Flächen in Deutschland können Sie mit diesem Konzept Geld verdienen.“ Das ist sein Wunsch und seine Vision. Für das Erste allerdings hoffen er und auch Bley auf eine Möglichkeit, ihr Konzept auch auf dem nahe gelegenen Truppenübungsplatz Ohrdruf umsetzen zu können. Damit ließe sich die naturnahe Weidefläche rund um Crawinkel auf einen Schlag verdreifachen.

Ein paar Flächen im Randbereich des militärischen Sperrgürtels hat der Betrieb schon gepachtet. Hier zwischen Crawinkel und Wölfis pult auch Wigbert Schorcht einen Mistkäfer kunstvoll aus den filigran gespannten Netzen. Bis auf den Schein seiner Kopflampe ist die Szenerie stockfinster. Nicht einmal einen Steinwurf entfernt stehen drei von Bleys ungarischen Wildpferden regungslos im nachtschwarzen Grün. „Wir sind auf der Suche nach Fledermäusen“, klärt der Meiniger Biologe auf. Noch fliegen die nachtaktiven Jäger zu hoch für seine Netze. Doch mittels eines Ultraschalldetektors sind die ansonsten lautlosen Flieger bereits deutlich zu hören. „Einen kleinen Abendsegler“ würde Schorcht gern in den Händen halten. „Die Landschaft könnte passen“, sagt er. Und leider seien sie viel zu selten geworden. Am Ende der Nacht werden Schorcht und sein Team mindestens sieben Fledermausarten nachgewiesen haben – „der kleine Abendsegler war leider nicht dabei.“

Während die Lichtfallenwärter und die Fledermausschützer auf der Lauer liegen, hat Dieter Franz seinen Einsatz noch vor sich. Noch ahnt der Ornithologe nichts von der Wiederentdeckung des Wiedehopfes am kommenden Morgen. Gegen 23 Uhr fachsimpelt der Beamte des Suhler Umweltamtes noch immer mit den Kollegen. Franz ist als Vorstand der Stiftung Naturschutz Thüringen Mitinitiator des Artentages in Crawinkel. Wie der Kontakt zwischen Geo und der Stiftung letztlich zustande gekommen ist, weiß er gar nicht mehr so genau. Es sei „so eine Idee“ gewesen, die im beiderseitigen Kontakt immer konkreter geworden ist. Noch ein Bier, dann ist Schluss. Der Ornithologe muss schließlich selbst noch raus auf die Fläche. „Punkt fünf Uhr morgens. Aber das ist für mich kein Problem.“ Vogelkundler müssen früh auf den Beinen sein.
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Beitragvon kps » Dienstag 12. Juni 2007, 20:15

Noch mehr Infos finden sich hier ->

9. GEO-Tag der Artenvielfalt in Crawinkel
Während in Heiligendamm der G-8-Gipfel unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen seinen Lauf nimmt, kommt es mehr als 500 Kilometer weiter südlich zu einem Gipfeltreffen ganz anderer Dimension: Mehr als 100 Experten haben sich in Crawinkel, einem kleinen Ort im mittleren Teil des Thüringer Waldes zur Hauptveranstaltung des GEO-Tags der Artenvielfalt zusammengefunden. Ihr Ziel: Innerhalb von 24 Stunden in Berg-, Nass- und Feuchtwiesen, Halbtrockenrasen und von Hecken durchzogenen Flächen möglichst viele Tier- und Pflanzenarten aufzuspüren und zu bestimmen. Bei teils sengender Hitze durchstreifen sie das 20 Quadratkilometer umfassende Gebiet einer in Deutschland einzigartigen, halboffenen Weidelandschaft - und werden reichlich fündig...


-> Quelle: http://www.geo.de/GEO/natur/oekologie/t ... 3.html?p=1
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Beitragvon Ingwer » Mittwoch 13. Juni 2007, 09:06

Zufälle gibt es ....? :-)
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Beitragvon kps » Donnerstag 23. August 2007, 20:32

...Hamburg (ots) - Noch nie sind bei einer Hauptaktion der von GEO initiierten jährlichen Arten-Inventur in Deutschland derart viele Tier- und Pflanzenspezies entdeckt worden wie im thüringischen Crawinkel. Wie das Reportage-Magazin nach Abschluss der Zählung erst jetzt veröffentlichen konnte, ...
Hamburg (ots) - Noch nie sind bei einer Hauptaktion der von GEO initiierten jährlichen Arten-Inventur in Deutschland derart viele Tier- und Pflanzenspezies entdeckt worden wie im thüringischen Crawinkel. Wie das Reportage-Magazin nach Abschluss der Zählung erst jetzt veröffentlichen konnte, wurden auf einem rund 20 Quadratkilometer großen Weideland-Biotop zu Füßen des Thüringer Waldes Anfang Juni diesen Jahres von rund 100 Experten annähernd 2500 Arten identifiziert.

- Was sind die Gründe für diesen Reichtum an Biodiversität?...


Quelle: ad-hoc-news
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Beitragvon kps » Freitag 7. September 2007, 09:26

...aus der TA Arnstadt vom 07.09.07

Weg frei für Ödlandschrecke



ILM-KREIS. Um Platz für die Rotflügelige Ödlandschrecke zu schaffen, wird in diesem Herbst dem üppigen Bewuchs am Kleinen und Großen Bienstein im Jonastal mit Säge und Mähgerät zu Leibe gerückt.
In der Luft ähnelt sie einem auffälligen, leuchtend roten Schmetterling. Wieder auf dem Boden, faltet sie die Hinterflügel ein und ist mit ihrem braunen Körper im Gelände perfekt getarnt - für den Laien nahezu unsichtbar. Sie liebt sehr trockene, heiße und spärlich bewachsende Flächen mit felsigem Untergrund und ist eine der seltensten heimischen Heuschrecken, die Rot- flügelige Ödlandschrecke (Oedipoda germanica). Auf dem Kleinen Bienstein im Jonastal hat sich eine Population dieser streng geschützten Kurzfühlerschreckenart in den letzten Jahren nicht nur gehalten, sondern sogar vermehrt. Das ergaben die regelmäßig durchgeführten Monitoringuntersuchungen durch das Büro für Umweltbiologische Studien Dr. Thomas Meineke aus der Nähe von Göttingen. Seit nunmehr zehn Jahren ist der Biologe im Jonastal auf den Spuren der seltenen Schreckenart, fängt die Tiere ein und versieht sie mit einer individuellen Markierung. Das Vorkommen in diesem Gebiet ist nach den Worten von Andreas Thiele von der Unteren Naturschutzbehörde das einzige im deutschsprachigen Raum, das seit so langer Zeit unter Beobachtung steht und darüber hinaus auf lange Sicht das thüringenweit einzige mit der Chance zu überleben. An zwei weiteren Stellen im Freistaat waren leider keine Populationszuwächse mehr festzustellen. Grund für die Behörde, nicht nur die Bestandsentwicklung er- mitteln zu lassen, sondern auch Möglichkeiten, den 350 Meter entfernten Großen Bienstein auf eine Besiedlung mit der Rotflügeligen Heuschrecke auszuloten. Dafür waren die Wanderstrecken der markierten Tiere erfasst worden. Kontrollen am Großen Bienstein hatten eine Ausbreitungstendenz deutlich gemacht - für das Überleben der Jonastalpopulation eine sehr wichtige Voraussetzung.


Im kommenden Jahr läuft die Förderung für die aufwendige Untersuchung im Bereich der Biensteine aus. Eine Verlängerung wird laut Andreas Thiele angestrebt, denn die Forschungsergebnisse sind für die Naturschützer von enormer Bedeutung. Um eine Ausbreitung der Population zu unterstützen, sollen demnächst "Nachpflegemaßnahmen", etwa die Beseitigung von Buschwerk, an den steilen Hängen zwischen Kleinem und Großem Bienstein vorgenommen und durch Freistellungen die Verbindung zwischen beiden Hügeln erweitert werden.

Die Folgen des Kieferanflugs der vergangenen vierzig Jahre stellen dabei das größte Hindernis für die sonneliebende Ödlandschrecke dar. Auch hier wird im Einvernehmen mit dem Eigentümer, der Stadt Arnstadt, und dem Forstamt Hand angelegt. Die Arbeiten sind eine Ausgleichsmaßnahme für die Ansiedlung des Triebwerkwartungsunternehmens N3.

Kerstin FISCHER

06.09.2007
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Beitragvon Ingwer » Freitag 7. September 2007, 12:53

Woanders stirbt jeden Tag eine Spezie aus.
Da bin ich besonders erfreut, dass am Bienstein dafür gesorgt wird, dass die
Schrecken nicht erschreckt werden.
Angemessen finde ich, dass am Bienstein gerodet wird. So kann man schon von Weitem sehen, wer versucht, zu erschrecken.

Insgesamt eine lobenswerte Initiative ! [bart]
Ingwer
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Beitragvon kps » Dienstag 2. Oktober 2007, 06:32

aus der TA online von heute - 02.10.2007
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Beitragvon kps » Montag 29. Oktober 2007, 08:10

...aus der TA am 27.10.07

Einzigartiger Lebensraum

Eine einzigartige Flora und Fauna hat im Ilmkreis das Jonastal mit seinen Kalktrockenhängen zu bieten.

ILMKREIS. Hier wachsen nicht nur zahlreiche seltene Pflanzen. Auch seltene Vögel fühlen sich hier wohl sowie eine Vielzahl vom Aussterben bedrohter Insektenarten. Eine für Bewohner der Region Arnstadt wohl geläufigsten Vertreterinnen ist die Rotflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda germanica).

Im Jahr 2000 waren in Thüringen lediglich vier Fundgebiete mit aktuellen Vorkommen der Heuschreckenart bekannt: Dorndorf-Steuditz und Dohlenstein im Saale-Holzland-Kreis, Hohenwarte im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt und eben im Jonastal. Aufgrund der nur noch wenigen punktuellen Vorkommen mit vergleichsweise individuenarmen Populationen wird Oedipoda germanica in Thüringen in der Roten Liste als "Vom Aussterben bedroht" geführt.

Um der licht- und wärmeliebenden Kurzfühlerschreckenart, die in der Luft einem auffälligen, leuchtend roten Schmetterling ähnelt, optimale Bedingungen zu schaffen, unternimmt die Naturschutzbehörde des Ilmkreises schon seit Jahren erhebliche Anstrengungen rund um den Kleinen Bienstein, dem bisherigen Hauptverbreitungsgebiet. Schrittweise werden seit 1996 Kiefern und Buschwerk zurückgedrängt und die Trockenhänge freigestellt sowie neue Ausbreitungsbereiche geöffnet.

Erst vor anderthalb Wochen begannen neuerliche Arbeiten. Diesmal haben Forstarbeiter die Aufgabe, vor allem dem üppigen Bewuchs an den steilen Hängen zwischen Kleinem und Großem Bienstein mit Säge und Mähgerät zu Leibe zu rücken und damit eine Verbindung zwischen beiden Felsen herzustellen, denn die seit zehn Jahren regelmäßig durchgeführten Monitoringuntersuchungen eines Umweltbiologen aus der Nähe von Göttingen ergaben beim Verfolgen der Wanderstrecken eine deutliche Ausbreitungstendenz in ebendiese Richtung. Bei den jetzt entfernten Bäumen handelt es sich nach den Worten von Andreas Thiele von der Naturschutzbehörde ausschließlich um Kieferanflug aus den letzten 40 bis 60 Jahren, dem größten Hindernis, während Laubgehölze und Sträucher wie die verbreitete Mehlbeere stehenbleiben. Denn Schatten und dichten Bewuchs mag die Ödlandschrecke - ihr Name verrät es bereits - gar nicht. Sie will es sonnig, heiß und trocken sowie spärlich bewachsen.

Denn mit zusammengefalteten Hinterflügeln ist das braune Insekt im Gelände perfekt getarnt - für den Laien fast unsichtbar. Seit Jahren steigt ihre Population im Jonastal. Auch dies ein Ergebnis der Kontrollen von Dr. Thomas Meineke. Seit 1997 fängt der Wissenschaftler die Tiere ein und versieht sie mit einer Markierung. Das Vorkommen in diesem Gebiet ist nach den Worten von Andreas Thiele damit das einzige im deutschsprachigen Raum, das so lange Zeit unter Beobachtung steht, und darüber hinaus auf lange Sicht das thüringenweit einzige mit der Chance zu überleben. An zwei der drei weiteren Vorkommen im Freistaat waren leider keine Bestandszuwächse mehr festzustellen.

Mit dem Korridor in Richtung des 350 Meter entfernten Großen Biensteins tun die Naturschützer aber nicht nur der Rotflügeligen Ödlandschrecke einen großen Gefallen, sondern allen im so genannten Kalkhalbtrockenrasen beheimateten Lebewesen, darunter auch zahlreiche seltene Schmetterlinge.

Der Segelfalter etwa ist solch eine Rarität. Auf ganze zehn Exemplare wird seine Population im Jonastal geschätzt. Er ist einer der attraktivsten Tagfalter überhaupt und braucht die freien Felskuppen für die Paarung. Ähnlich selten der Sonnenröschen-Würfelfalter, von dem gerade einmal zehn bis 20 Exemplare um den Kleinen Bienstein schwirren. Und auch die Vorkommen von Rostbinde sowie Bläulings- und Bluttröpfchen-Arten (Fotos) - allesamt auf der Roten Liste stehend - versetzen Artenschützer in Verzücken. 314 Tag- und Nachtfalterarten wurden allein in diesem Gebiet gezählt. Und stets kommen bei den jährlichen Checks neue hinzu.

Nächste Woche enden die Freistellungsarbeiten, die im Einvernehmen mit der Stadt Arnstadt als Eigentümer und dem Forstamt erfolgen und eine Ausgleichsmaßnahme für die Ansiedlung des Triebwerkewartungsunternehmens N 3 sind. Ein Zufall? Vielleicht sollte die Lufthansa ihren Kranich sausen lassen und sich lieber für einen seltenen Schmetterling entscheiden!?

26.10.2007 Von Kerstin FISCHER
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Beitragvon Lothar » Montag 29. Oktober 2007, 18:48

und so sieht er aus |:)
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...und immer schön kritisch bleiben!
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Beitragvon Ingwer » Montag 29. Oktober 2007, 19:36

So einen Quatsch!

Hier kümmert man sich um geflügelte Schnecken und woanders sieht man/frau zu, wie der Lebensnerv unseres Planeten, der nord/südamerikanische Urwald dem Profit zum Opfer fällt!

Wäre es nicht besser, sich um die Wiederaufforstung von Thüringer Wald und Erzgebirge einzusetzen ? [c-c-c]
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Beitragvon michael » Dienstag 30. Oktober 2007, 07:57

Wenn man sich aber hier nicht um die Rotflügligen Ödlandschrecken kümmert, wächst der Regenwald in Amerika auch nicht besser. Das Problem ist wohl den Amis selbst zuzuschreiben. Die können halt nicht anders. Aber der Verein dürfte wohl auch einen gewissen Nutzen aus der Symbiose mit den Naturschützern vor Ort ziehen. Nichts für ungut, Ingwer, aber wir sollten wohl die Kirche im Dorf, bzw. die Schrecke im Tal lassen.

MfG

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Re: Einzigartiger Lebensraum im Jonastal

Beitragvon Luchs » Dienstag 22. Februar 2011, 16:30

...auch wenn es den Großraum Jonastal betrifft, möchte ich hier jemanden vorstellen, der in Thüringens Wäldern im Moment noch zu den absoluten Exoten gehört und dem Edgar und mir vor die Linse geraten ist. Eine reinrassige europäische Wildkatze, die ihr Quartier in einer alten Bunkeranlage gefunden hat. Die Katze ist wie man sieht wohlgenährt und bei guter Gesundheit. Selbst "Luchs" war beeindruckt von der stattlichen Größe seiner kleinen Verwandtschaft. Auch wenn das jetzt bei Naturschützern einen kleinen Prioritätenkonflikt hervorruft, liegt die Vermutung nahe, daß Fledermäuse mit auf der Speisekarte standen - c'est la vie. Das scheue Tier aus gebührendem Abstand zu fotografieren, war wahrscheinlich nur möglich, da es in dieser Ecke keine Fluchtmöglichkeit gab. Selbstverständlich haben wir umgehend und leise den Ort verlassen.
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Re: Einzigartiger Lebensraum im Jonastal

Beitragvon Mercedes-Diesel » Dienstag 22. Februar 2011, 16:36

Luchs hat geschrieben:.... wie man sieht wohlgenährt und bei guter Gesundheit.


Der ist gut xD ...da ist eine ganze Armee an Fledermäusen drinne...Respekt !

Cave felem :-top)
Grüße Andreas

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Für wahre Freunde geh ich durch die Hölle , den anderen zeig ich gern den Weg dorthin .....
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Re: Einzigartiger Lebensraum im Jonastal

Beitragvon Klaus » Dienstag 22. Februar 2011, 16:48

@Luchs
Mein Respekt und ein besonderer Dank für solch Beleg der Wildkatze in Thüringen (-oo-)
Glück auf, ist aber nicht meine Spielwiese!
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Re: Einzigartiger Lebensraum im Jonastal

Beitragvon Volwo » Dienstag 22. Februar 2011, 19:42

Luchs hat geschrieben:...Selbst "Luchs" war beeindruckt von der stattlichen Größe seiner kleinen Verwandtschaft.

Und sie hat Euch auch ganz genau auf dem Schirm, so wie die guckt.
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Re: Einzigartiger Lebensraum im Jonastal

Beitragvon michael » Mittwoch 23. Februar 2011, 06:34

Wirklich ein schönes Tier. Und schön für Tierschützer, das es die Lebensräume, wie zum Beispiel Trüpl oder eben Bunker, noch gibt. Dort sind die kleinen Biester doch ziemlich geschützt in ihrem Revier. Der kleine Tiger sieht noch dem Winter wirklich ziemlich satt aus. Wart ihr beim Rückzug noch vollzählig?

MfG michael
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Re: Einzigartiger Lebensraum im Jonastal

Beitragvon Silko » Mittwoch 23. Februar 2011, 08:44

Das ist dem Luchs ja ein Volltreffer gelungen. Klasse! :-top) Allerdings ist das Vieh nicht einfach nur wohlgenährt, sondern fett! :D
Je weniger wir Trugbilder bewundern, desto mehr vermögen wir die Wahrheit aufzunehmen. (Erasmus von Rotterdam)
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Re: Einzigartiger Lebensraum im Jonastal

Beitragvon Luchs » Mittwoch 23. Februar 2011, 16:37

Danke. Das wird wahrscheinlich auch kein zweites Mal im Leben passieren. Es war einfach nur eine Überraschung für beide Parteien mit Abschneidung des Fluchtweges. Ansonsten hätte das Tier das Weite gesucht, ohne daß wir es je bemerkt hätten. Um die Maße der Katze mal einschätzen zu können: Das Styropor ist 4cm stark.
Wikipedia hat geschrieben:Die Europäische Wildkatze braucht große, zusammenhängende, ungestörte Wälder mit Lichtungen, bevorzugt sind alte Laubwälder. Heute wird die Wildkatze vor allem durch Zerschneidung und Zersiedelung der Landschaft bedroht. Die Wildkatze lebt ausschließlich in ruhigen und intakten Wäldern mit Altholzbestand. Nur im naturnahen Wald findet die Wildkatze alte Baumhöhlen, Fuchs- oder Dachsbauten, die sie für die Aufzucht der Jungen benötigt. Nur in ruhigen Wäldern kann die scheue Wildkatze ungestört jagen...
...Die Größe ihres Reviers richtet sich nach dem Angebot an Beutetieren und kann deshalb je nach Gegend sehr unterschiedlich sein. Ist der Lebensraum optimal, benötigt sie zwei bis drei Quadratkilometer, unter schwierigen Jagdbedingungen kann der Lebensraum auch neun und mehr Quadratkilometer umfassen...
...Wildkatzen müssen sich vor den Menschen sicher fühlen, um sich zu zeigen. Freilebende Tiere meiden gezielt den Menschen und kehren niemals an Verstecke zurück, welche Menschen entdeckt haben. Bilder freilebender Tiere gelangen erstmalig in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts und sind auch heute noch extrem selten. Der Nachweis für die Existenz von Wildkatzen in einem Revier gelingt häufig nur indirekt...

Da bei Harry gerade Luisenthal Thema ist: Gerade der letzte Absatz bestätigt, daß es in forenbekannten Anlagen, die regelmäßig von Urbexern und Exploratoren besucht werden, es nie zu einer solchen Begegnung gekommen wäre. Auch die Wahrscheinlichkeit, daß das Tier aufgrund der bloßen Tatsache, kurz Menschenbesuch in seinem Versteck gehabt zu haben, sich möglicherweise ein neues sucht, gibt zu denken. Nicht daß ich jetzt gleich ein schlechtes Gewissen hätte, doch einmal mehr ist mir die Sensibilität solcher Biotope mehr als bewußt geworden.
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Re: Einzigartiger Lebensraum im Jonastal

Beitragvon Augustiner » Mittwoch 23. Februar 2011, 17:02

Uups, wahrscheinlich ein naher Verwandter von mir.
Mein Name ist Huxly, stamme aus dem Salzburgischen, bin 11 Jahre alt und 7,5 kg leicht.
Schon 3x von Autos geplättet, erfreue ich mich immer noch bester Gesundheit,
denn merke !
Hunde haben Herrchen,
Katzen haben Diener
(er heißt Augustiner)
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