Brunnen für AMT 10

Alles über den TrUebPl Ohrdruf

Moderator: Under

Brunnen für AMT 10

Beitragvon TÜP » Montag 26. September 2005, 20:26

In Vorbereitung auf unser 2. Ohrdrufer Gespräch, in dem es u.a. auch um AMT 10 geht, ist mir beim durchsehen unserer Akten etwas interessantes aufgefallen.
Wie allgemein bekannt, wurde vor dem Bau des AMT 10 eine Bohrung nach Wasser durchgeführt. Da der Nachrichtenbunker, wenn ich ihn mal so nennen darf, unabhängig von der Außenwelt (autark) operieren sollte, war es nötig auch eine eigene Wasserversorgung zu installieren.
Die Bohrung des Brunnens wurde von der Reichspostdirektion Erfurt, Nr. 10698 in Auftrag gegeben. Zeitraum der Bohrung war (laut Akten) vom 26.11.1935 – 14.03.1936. Die Bohrtiefe in Kalkstein mit Ton lag bei 132.7 m, Ruh.W.-Sp.: -72,7m- und man hatte beim Pumpversuch eine Leistung von 0,5 cbm/h (Dauer 27 Std.)
Nun haben wir jetzt eine Akte vorliegen, die eine weitere Bohrung mit dem selben Auftraggeber gleich im Anschluss dokumentiert. Im Zeitraum vom 20.03.1936 – 18.07.1936 wurde, ebenfalls auf dem Gelände des TrÜbPl, eine Bohrung mit der Nr.11074 durchgeführt.
Es wurde ebenfalls in Kalkstein mit Ton gebohrt, allerdings auf eine Tiefe von 218,0 m, Ruh.W.Sp.: -66,4m-.
Die Bohrfirma war in beiden Fällen die Firma H.Anger’s Söhne, Nordhausen. Beim Pumpversuch vom 03.07. – 05.07.1936 kam es zu einer Leistung von 24 cbm/h (Dauer 44,5 Std.).
Die beiden Brunnen befinden sich ungefähr 2500 m voneinander entfernt.
Jetzt stelle ich mir folgende Frage:
Da der Auftraggeber in beiden Fällen die Reichspostdirektion war, kann man daraus schlussfolgern, dass die zweite Bohrung ebenfalls für eine Anlage, welcher Art auch immer, gemacht wurde?
Gott hat nicht den Menschen erschaffen, sondern der Mensch erschuf Gott «nach seinem Bilde».
Benutzeravatar
TÜP
Jonastal-Guru
 
Beiträge: 3896
Registriert: Freitag 24. Oktober 2003, 08:42
Wohnort: Ohrdruf

Beitragvon kps » Montag 26. September 2005, 20:35

Hallo TÜP, wie in den Büchern/ Heften von Herrn Kampe nachzulesen ist, hat die Reichspostdirektion Erfurt sogar die Aufträge für Amt 800 (Eulenberg Arnstadt) sowie für Amt 500 und 501 bei Zossen-Wünsdorf erhalten. Auch wenn am Ende Amt 800 und Amt 501 nicht fertig bzw. realisiert wurden, so setzte man wohl auf die Erfahrungen bei der Planung und beim Bau von Amt 10 genau so wie auf die Vergatterung und Verschwiegenheit der Baufirmen und deren Angestellte. Die Gestapo hatte Hände voll zu tun und kam mit der Überprüfung der Bauleute etc. nicht nach. Was liegt daher näher, als immer die gleichen Leute wieder zu beauftragen? Der zweite Brunnen ist interessant und wenn ich mich richtig erinnere, dann waren die Maybach I Bunkerhäuser nicht so weit vom Amt 500 in Zossen-wünsdorf entfernt :-top) Alles kann - nichts muss und ggf. reichte auch bloss das Wasser des einen Brunnens nicht für Amt 10 aus [:-)]

Weiter suchen!

MfG
kps
Eine Entmystifizierung des Jonastals ist zwingend notwendig
Benutzeravatar
kps
unheilbar Jonastal-süchtig
 
Beiträge: 5783
Registriert: Freitag 24. Oktober 2003, 06:59
Wohnort: Crawinkel

Beitragvon Harry » Montag 26. September 2005, 22:24

>Brunnens nicht für Amt 10 aus

Hrmpf... der Sinn eines Brunnens ist die Sicherstellung des Wassers für eine Anlage... da macht es Sinn hier einen Bunker zu haben und zum Wasserholen geh ich vor die Tür :) denk lieber mal an die Aussage "es gab zwei Anlagen die unterirdisch durch einen Rohrgang verbunden waren", stammt O wohl von Thomas K.

Cibuzar sagt, er sei in einen "Bunkerhill" als Eingang. Ist 2500 Meter vom Amt 10 etwas auf dass die Beschreibung zuträfe?
Harry
 

Beitragvon TÜP » Mittwoch 28. September 2005, 20:05

Nee, nee Harry - der Gang zwischen Anlage 1 (AMT10) und Anlage 2 (Versorgungsbunker) ist in den Unterlagen der Vermessung im Auftrag der BW eingezeichnet. Das ist es nicht! Und ein Gang von 2500 m - glaub ich nicht! Warum sollte man auch den Versorgungsbunker so weit entfernt unterbringen?!
Das Wasser hat nicht ausgereicht? Das Wasser für AMT 10 war schnell alle, denn man hatte eine Wasserblase angebohrt. Aber das wusste man zum Zeitpunkt der zweiten Bohrung noch nicht.
Wir haben bei den Akten beide Bohrungen auf einer Karte eingezeichnet vorgefunden. Allerdings sehr ungenau, also man kann nicht einfach mal hinmarschieren und nachsehen. Ist auch mitten auf dem Platz, obwohl es gerade dort Sinn macht eine U-Anlage zu bauen.
Da müssen wir wohl noch ein wenig recherchieren.

Was versteht man miltärisch unter "Bunkerhill"?
Gott hat nicht den Menschen erschaffen, sondern der Mensch erschuf Gott «nach seinem Bilde».
Benutzeravatar
TÜP
Jonastal-Guru
 
Beiträge: 3896
Registriert: Freitag 24. Oktober 2003, 08:42
Wohnort: Ohrdruf

Beitragvon kps » Mittwoch 28. September 2005, 20:19

Wir hatten doch schon mal eine Diskussion in irgend einem Forum bzgl. einem amerikanischen Film, auf dem vrmtl. ein unbekannter Eingang auf dem TrÜbPL zu sehen war. Hatte nicht Volwo ein Foto eingestellt... oder SuR? Wo war denn das gleich wieder? Mensch ich werde vergeßlich.

MfG
kps
Eine Entmystifizierung des Jonastals ist zwingend notwendig
Benutzeravatar
kps
unheilbar Jonastal-süchtig
 
Beiträge: 5783
Registriert: Freitag 24. Oktober 2003, 06:59
Wohnort: Crawinkel

Beitragvon Harry » Mittwoch 28. September 2005, 22:02

>Aber das wusste man zum Zeitpunkt der zweiten Bohrung noch nicht

Na dann bleibt doch eigentlich nur etwas zweites...
Harry
 

Beitragvon SuR » Donnerstag 29. September 2005, 07:57

@kps: Der Film, den Du meinst, kommt meiner Erinnerung nach aus einem Weblink und liegt auch im Fritz-Haber-Institut in FFM.

Volwo hatte ein Standbild rausgeschnitten und TÜP hat den angeblichen Bunkereingang als das "Russenlager" in Ohrdruf identifiziert. Die Diskussion war m. E. vor Urzeiten bei explorate.
SuR
 

Beitragvon Volwo » Donnerstag 29. September 2005, 14:34

da bin ich doch extra hingefahren und hatte ein Foto gemacht, war ungefähr von der Stelle, wo der Motcross-Platz ist
Benutzeravatar
Volwo
Ehemaliger
 
Beiträge: 6227
Registriert: Donnerstag 6. November 2003, 18:02
Wohnort: EINBECK

Beitragvon TÜP » Donnerstag 29. September 2005, 14:51

Richtig Jungs! Ich sehe ihr passt auf! :-top)
Gott hat nicht den Menschen erschaffen, sondern der Mensch erschuf Gott «nach seinem Bilde».
Benutzeravatar
TÜP
Jonastal-Guru
 
Beiträge: 3896
Registriert: Freitag 24. Oktober 2003, 08:42
Wohnort: Ohrdruf

Beitragvon SuR » Donnerstag 29. September 2005, 15:42

Volwo hat geschrieben: war ungefähr von der Stelle, wo der Motcross-Platz ist

????????????????

Das hatte ich damals ganz anders verstanden. Mal doch bitte mal einen Kringel in ne Karte, wo Du meinst, dass das gewesen ist. Ich glaube nämlich, ich meine da ganz was anderes...

@ TÜP: wir sind halt noch nicht ganz so alt und ~:-~
SuR
 

Beitragvon kps » Donnerstag 29. September 2005, 18:53

Gut - dann werde wohl nur ich älter oder mach zu viel gleichzeitig.

Ich würde trotzdem nach der Polenfaht den Filmausschnitt noch mal gern sehen, da wir ja anscheinend von der gleichen Stelle reden. Vom Amt 10 zur Motocross Strecke sind es aber mehr als die erwähnten Kilometerchen - oder?

MfG und bis die Tage
kps

PS: Haltet das Forum inzwischen sauber! Neue User müssen leider etwas warten, bis die Freischaltung wieder möglich ist.
Eine Entmystifizierung des Jonastals ist zwingend notwendig
Benutzeravatar
kps
unheilbar Jonastal-süchtig
 
Beiträge: 5783
Registriert: Freitag 24. Oktober 2003, 06:59
Wohnort: Crawinkel

Beitragvon bobo » Samstag 3. Dezember 2005, 02:46

Mal BOBO wieder mit´ner doofen Frage:
Die erste Brunnenbohrung brachte wesentlich weniger Wasser, als die zweite erwähnte Bohrung.
Nun wurde aber Amt10, wenn ich o.g. richtig verstanden habe, dort gebaut, wo weniger Wasser zu erwarten war - richtig?

Kann jemand mir mal genauer folgende Bezeichnung erklären?

132.7 m, Ruh.W.-Sp.: -72,7m

Verstehe ich das richtig? 132,7 Meter tief wurde gebohrt, wobei man bei 72,7 Meter auf Wasser gestoßen ist?

Ist jemand bekannt, auf welchem Höhenniveau bezogen auf dem Meeresspiegel die Brunnenbohrstellen liegen?

Vielleicht bringe ich einiges jetzt wieder durcheinander, aber die bekannten Stollen liegen doch knapp über dem Grundwasserspiegel wurde mir erzählt - deshalb auch keine darunter liegenden Etagen. Folglich müßten doch in etwa die Versuchbohrungen auf Stollenniveau nieder gebracht worden sein.
Mir ist klar, das die bekannten Stollen nicht soweit in den Berg gingen, das sie hätten dort bis zu den Bohrungen gelangt wären.

Mir geht es um was ganz anderes.
MfG BOBO
bobo
Jonastal-Kenner
 
Beiträge: 759
Registriert: Freitag 18. Dezember 2009, 16:01

Beitragvon outdoor » Samstag 3. Dezember 2005, 10:38

Auf welcher Höhenlage befindet sich eigentlich Amt 10? Um die 362 m üNN?

Und kann es sein, das der Ort der zweiten Bohrung sich in einer Höhenlage von ca. 440 m befindet ?

Gruß

Dieter
outdoor
 

Beitragvon TÜP » Samstag 3. Dezember 2005, 21:24

@ bobo - iss richtig, AMT 10 wurde dort gebaut wo weniger Wasser zu erwarten war. Bei der Entschlüsselung der Abkürzung liegst du wohl richtig.

@ outdoor - Perfekt!!!
Amt 10 liegt bei 360 üNN und die andere Bohrung bei ca. 440 üNN.

Entfernung der beiden Bohrstellen ca. 2,5 km.
Gott hat nicht den Menschen erschaffen, sondern der Mensch erschuf Gott «nach seinem Bilde».
Benutzeravatar
TÜP
Jonastal-Guru
 
Beiträge: 3896
Registriert: Freitag 24. Oktober 2003, 08:42
Wohnort: Ohrdruf

Beitragvon outdoor » Samstag 3. Dezember 2005, 22:14

Das war leicht. Und Bobo hat NICHT recht!

Begründung:

Alle heute bekannten Entwässerungsaustritte der Plateaus liegen bei ca. 295 m (Mühlberger Spring!). Wasser ist also, wenn keine anderen Störungen oder Besonderheiten vorliegen, auf dieser Tiefe zu erwarten.

Die Angaben zu den Wasserständen sind nicht von oben bis zum Wasserstand gerechnet, sondern wie im Bergbau von der Sohle der Bohrung aus und im eingepegelten Ruhezustand, also ohne Entnahme.

Amt 10: Man bohrt 133 m tief. Wasser steht 66 m hoch, drüber also 67 m Luft. Da der erwartete Ruhewasserspiegel bei 295 m liegt, müßte Amt 10 also bei rund 362 m üNN liegen, Ungenauigkeiten inbegriffen.

Andere Bohrung: Man bohrt 218 m tief. Wasser steht 73 m hoch im Bohrloch. Drüber also 145 m Luft. Müßte also 295 + 145 m hoch liegen, macht 440 m üNN.

Auch fürs Tal vor den Stollen läßt sich das flottig ausrechnen: Der Grundwasserspiegel müßte rund 65 m unter dem Niveau des Bettes der Wilden Weiße liegen. Wo das Märchen von der Grundwasser(!)gefährdung irgendwelcher Bauten unter den heute bekannten Stollen herkommt, kann ich also nicht sagen.

All diese Dinge dürften aber auch zur Bauzeit bekannt gewesen sein, es gab genügend geologische Schriften über die Gegend. Man konnte sich schon damals ausrechnen, wann man auf Wasser stoßen würde. Fraglich war nur, auf wie viel Wasser, das ist nur durch Probebohrungen zu ermitteln.

Gruß

Dieter
outdoor
 

Beitragvon TÜP » Samstag 3. Dezember 2005, 22:46

Irgendwie stimmt was nicht! Auf der Topo steht neben AMT 10 etwas von 386m üNN. Auf der Schnittzeichnung vom AMT steht 360 üNN. -()-
Gott hat nicht den Menschen erschaffen, sondern der Mensch erschuf Gott «nach seinem Bilde».
Benutzeravatar
TÜP
Jonastal-Guru
 
Beiträge: 3896
Registriert: Freitag 24. Oktober 2003, 08:42
Wohnort: Ohrdruf

Beitragvon outdoor » Samstag 3. Dezember 2005, 23:05

Tja nun, nimmt sich ja nix. Auf die paar m sei es in diesem Zusammenhang gesch*****. Wenn man die Bohrung in der Grube niedergebracht hat, paßt es auch wieder.

Gruß

Dieter
outdoor
 

Beitragvon bobo » Dienstag 6. Dezember 2005, 16:21

Wobei wir dann wieder soweit wären, das man AMT10 dorthin gestellt hatte, wo weniger Wasser zu erwarten war.
MfG BOBO
bobo
Jonastal-Kenner
 
Beiträge: 759
Registriert: Freitag 18. Dezember 2009, 16:01

Beitragvon TÜP » Dienstag 6. Dezember 2005, 20:16

Man wusste zu dem Zeitpunkt das man Wasser hatte und es scheint den Bauherren gereicht zu habe. Von der angebohrten Wasserblase hat man ja noch nix gewusst.
Die Frage für mich bleibt weiterhin: Warum und weshalb ein zweites mal gebohrt wurde? Hat man dort einfach nur einen Brunnen gebraucht, oder wollte man dort auch "etwas bauen"?
Gott hat nicht den Menschen erschaffen, sondern der Mensch erschuf Gott «nach seinem Bilde».
Benutzeravatar
TÜP
Jonastal-Guru
 
Beiträge: 3896
Registriert: Freitag 24. Oktober 2003, 08:42
Wohnort: Ohrdruf

Beitragvon ssch » Dienstag 6. Dezember 2005, 22:12

Hallo Leute.

Eine Überlegung: Vielleicht sollte man berücksichtigen, dass Brunnen durchaus verschiedene Funktionen haben können. Einerseits natürlich die netzunabhängige Wasserversorgung des Bunkers. Andererseits aber auch die Kontrolle und Regulierung des Grundwasserspiegels außerhalb des Bunkers.

Das Phänomen, dass Grundwasser den Beton durchdringt und den Bunker volllaufen lässt, ist ja bekannt: Der Fernmeldebunker in Gießen war ein Taucherparadies, in Zossen gibt's in der technischen Etage (3. UG im "Seitenflügel") immer noch nasse Füße, in einigen bekannten NVA-/GSSD-Objekten sieht's ähnlich aus.

Soweit mir bekannt ist, haben die acht Brunnen in Zossen nicht nur der Trinkwassergewinnung gedient. Dort ist der natürliche Grundwasserspiegel sehr hoch. Durch die Brunnen außerhalb des Bunkers konnte er kontrolliert und durch Abpumpen auch reguliert werden. Da andererseits der Grundwasserspiegel um das Amt 10 herum wohl ziemlich niedrig war, reichte neben der eigentlichen Wasserquelle möglicherweise ein einzelner Kontrollbrunnen. Dass aber mehrere Brunnen vorhanden sind, ist wohl eher der Normalfall - zumal die Konstrukteure in Zossen und Ohrdruf die gleichen waren.

Vielleicht kann mal ein Bauingenieur was dazu sagen.

Viele Grüße
Sebastian
ssch
Jonastal-Fortgeschrittener
 
Beiträge: 320
Registriert: Donnerstag 8. Juli 2004, 23:14
Wohnort: Berlin

Beitragvon bobo » Freitag 9. Dezember 2005, 18:44

Kann die Erklärung für den zweiten Auftrag nicht ganz einfach und plausibel sein?
Die erste Bohrung brachte nicht das gewünschte Fördervolumen an Wasser, was sich Geologen in diesem Karstgebiet erwartet hatten.
Demzufolge könnte man an erster Stelle zufällig nur eine Wasserblase angebohrt haben.
Um dies dann auch noch bestätigt zu haben wurde an einem zweiten Punkt eine Bohrung niedergebracht.

Hinzu kommt, das der Baubeginn für das Amt10 im Frühjahr 1936 war. Vor diesem Datum fällt die erste Bohrung. Die Zweite aber nach dem Baubeginn. Folglich hätte man an ganz andere Stelle von Vorn beginnen müssen.

Kann jemand über den genauen Wasserbedarf von Amt10 eine Aussage treffen?
MfG BOBO
bobo
Jonastal-Kenner
 
Beiträge: 759
Registriert: Freitag 18. Dezember 2009, 16:01

Beitragvon kps » Freitag 9. Dezember 2005, 21:06

Hallo bobo, Baubeginn war wohl erst im Frühjahr 1937. Die Planung lief aber schon seit 1935. Die Ausführungen von Sebastian halte ich für logisch und auf andere Stantorte anwendbar. Dummerweise gab es nach bisherigen Problemen eher ein Wassermangelproblem und kein Überschuß. Ohne weitere Dokumente, Beweise etc. bleibt leider nur das Rätsel-Raten. Dann tippe ich eher auf eine 2. Anlage, wobei diese dann nicht vergleichbar wäre mit der Anlage Maybach I bei Zossen. Nur dies fehlt neben den vielen Luftschutzunterkünften, die ebenfalls nicht in Ohrdruf gebaut wurden, obwohl vor dem WK2 die Planungen größtenteils parallel verliefen.

MfG
kps
Eine Entmystifizierung des Jonastals ist zwingend notwendig
Benutzeravatar
kps
unheilbar Jonastal-süchtig
 
Beiträge: 5783
Registriert: Freitag 24. Oktober 2003, 06:59
Wohnort: Crawinkel

Beitragvon Anonymous » Donnerstag 29. Dezember 2005, 06:40

Moin,

ich auch mal wieder!

So richtig recht hat outdoor auch nicht! Seine These setzt einen absolut waagerechten Verlauf des geologischen Horizontes voraus. Das heisst die grundwasserführenden Schichten müssten absolut eben und waagerecht laufen. Das ist aber absolut nicht der Fall. Durch Verwerfungen, Gebirgsfaltungungen und weiss der Kuckuck was es da noch so gibt oder gab liegen diese Horizonte ganz anders. So kann es sein, dass der Grundwasserspiegel in nur wenigen Metern nebeneienander liegenden Bohrungen, viele Meter unterschiedlich ist!

Zum zweiten, denke ich, dass die Bohrungen weniger der Wasserversorgung dienten als mehr der geologischen Erkundung. Deshalb wohl auch der Bau bei der "kleineren" Bohrung. Wie mir aus meinem beruflichem Umfeld bekannt ist, sind Wässer aus diesen Kalkböden wie in Ohrdruf (oder wie hier, an den Hörselbergen) stark Sulfathaltig (Gips) Das spricht eigentlich auch gegen eine Nutzung des Wassers als Trink-/Brauchwasser da hier recht schnell mit einer Inkrustation des Leitungsnetzes gerechnet werden muss.
Anonymous
 

Beitragvon Hans-Jürgen Räppold » Mittwoch 30. August 2006, 11:17

kps hat geschrieben:Hallo bobo, Baubeginn war wohl erst im Frühjahr 1937. Die Planung lief aber schon seit 1935. Die Ausführungen von Sebastian halte ich für logisch und auf andere Stantorte anwendbar. Dummerweise gab es nach bisherigen Problemen eher ein Wassermangelproblem und kein Überschuß. Ohne weitere Dokumente, Beweise etc. bleibt leider nur das Rätsel-Raten. Dann tippe ich eher auf eine 2. Anlage, wobei diese dann nicht vergleichbar wäre mit der Anlage Maybach I bei Zossen. Nur dies fehlt neben den vielen Luftschutzunterkünften, die ebenfalls nicht in Ohrdruf gebaut wurden, obwohl vor dem WK2 die Planungen größtenteils parallel verliefen.

MfG
kps

[bart]
Hallo Klaus-Peter,
so langsam "kämpfe" ich mich durch die Beiträge und möchte zum Problem "Brunnen für Amt 10" auch meinen "Senf" dazu geben.
Es stimmt , dass der Grundwasserhorizont immer auf unterschiedlichen Geländehöhen liegt (bezogen auf NN = Normalnull; aber Achtung! Die Werte können auch differieren, da manchmal von zwei unterschiedlichen Nullpunkten ausgegangen wird!), sonst hätten wir ja überall gleiche Brunnenbohrtiefen. Beeinflusst wird der Grundwasserspiegel z. B. durch den Verlauf der wasserführenden Schichten. Kommen diese Schichten von höher liegendem Gelände, so spricht man meist von "gespannten Wasser", d. h., das Wasser steigt im Bohrloch nicht unerheblich an. Man nennt derartige Brunnen (das Wasser kann sogar u. U. ohne Pumpen aus dem Bohrloch laufen) "artesiche Brunnen" (in der Radiaesthesie nennen wir dies "Spring"). Dies nur wegen der Wasseraustitte des Plateaus.
Doch nun zu den vorhandenen Brunnen.
Die angebenen Pumpzeiten sind für mich unverständlich! Hier kann es kaum um Dauerpumpversuche gehandelt haben. Weiterhin fehlt zur näheren Betrachtung auch die Angabe des Wassereintritts beim Bohren - nur so wäre ein etwaiger Vergleichsversuch anhand der NN-Höhen möglich.
Der erste gebohrte Brunnen könnte als Aufchlussbohrung (? - welcher Bohrdurchmesser?) oder als Ersatzbrunnen für Kühlwasser usw. geplant gewesen sein. Die Leistung selbst ist für ein derartiges Projekt vollig ungeeignet.
Legt man mal eine Objektbesatzung mit 100 Personen zugrunde, so ergibt sich:
Heutiger kalkulierter Wasserverbrauch in der BRD: 120 l/Ed; noch vor einiger Zeit rechnete man mit 140 l/Ed (wobei E = Einwohner, d = Tag)

Brunnen 1: 500 l/h = 0.14 l/s;
bei 100 Personen ergibt dies: 100 X 120 = 12.000 l/d
= 12.000 (l/d) : 86400 (s = Sekunden) = 0,139 l/s
Hieraus folgt, dass der Brunnen eben ausgereicht hätte; allerdings darf nicht die gesamte beim Dauerpumpversuch (die angegebenen Pumpzeiten sind viel zu gering!!) ermittelte Wassermenge emtnommen werden. Übrigens hat auch eine Waaerlinse in der Regel einen Zufluss - dieser dürfte hier ungefähr 0,14 l/s betragen haben.
Brunnen 2: 24.000 l/h = 24.000 (l/s) : 3600 (s) = 6,667 l/s
bei 100 Personen ergibt dies: 12.000 l/d (s. o.) = 0,139 l/s > 6.667 l/s
somit hat der Brunnen die erforderliche Menge Wasser liefern können.
Ich kann mir auch vorstellen, dass man - so komisch es klingen mag - vielleicht doch Angst vor Grundwasserseuchung hatte, da ja im Bunker grundwassergefährdende Stoffe vorhanden waren (z. B. Treibstoffe, Batteriesäuren, event. Fäkalien der Besatzung usw.), denn man baute ja für die Ewigkeit - zumindest für 1.000 Jahre!
Klar, eine Verkrustung der Rohrleitungen, Pumpen, Armaturen usw. ist bei Grundwasser aus Karstgebieten immer gegeben. Ich kann mir aber vorstellen, dass dies wahrscheinlich als zweitrangig angesehen wurde - hatte man doch genügend "billige Arbeitskräfte" (die bedauernswerten Insassen der Lager) - und nach der geplanten Welteroberung noch mehr - zur Vefügung!
Jürgen
Hans-Jürgen Räppold
 

Beitragvon ssch » Mittwoch 30. August 2006, 11:34

Hallo Hans-Jürgen.

Gehst Du bei Deiner Wasserbedarfsberechnung davon aus, dass die Besatzung auch im Bunker lebt? Das war so nicht vorgesehen, bei Schichtwechsel sind die Leute in ihre außerhalb liegenden Unterkünfte abgezogen.

Hans-Jürgen Räppold hat geschrieben:hatte man doch genügend "billige Arbeitskräfte" (die bedauernswerten Insassen der Lager)


Die Bauarbeiten für Amt 10 begannen im Februar 1936, die Zeitpunkte der Brunnenbohrungen hat TÜP oben angegeben (1935/36). Da waren ganz normale Baufirmen mit deutschen Bauarbeitern am Werk.

Viele Grüße
Sebastian
ssch
Jonastal-Fortgeschrittener
 
Beiträge: 320
Registriert: Donnerstag 8. Juli 2004, 23:14
Wohnort: Berlin

Nächste

Zurück zu Truppenübungsplatz Ohrdruf

  • VISITORS

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Design by GB