S III - Sonderlager III und seine Unterteilungen

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S III - Sonderlager III und seine Unterteilungen

Beitragvon Volwo » Mittwoch 19. Februar 2014, 21:43

SIII = Sonderlager III
Diese Bezeichnung findet sich in mehreren Publikationen bis Mitte der 1960er Jahre.

Diesen Thread möchte ich der Unterteilung des Buchenwalder Außenlagers S III widmen und fange gleich mal an:

C-Lager (Nordlager),
Südlager,
Westlager
(ob Süd- und Westlager mit A- und B-Lager identisch sind ist unklar),
außerdem die Zeltlager I, II und II
- das Bunkerlager (alte Munitionsbunker des ehem. Art.-Schießplatzes Ohrdruf) mit 62 Bunkern,
das Zeltlager mit den Zelten 1 bis 8, Halle und Revier (Bezug zu den Zeltlagern I-III?).
Aus dem Bericht der Forschungsgemeinschaft Jonastal, KA Arnstadt, Juni 1967

aus der bekannten Aussage von Elsbeth Müller:
"Das KZ in der Kaserne wurde als Hauptlager bezeichnet. Dazu gehörte noch das Hauptlager in der Nähe der Kläranlage. Das war das ehemalige Wehrertüchtigungslager."
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Re: S III - Sonderlager III und seine Unterteilungen

Beitragvon kps » Donnerstag 20. Februar 2014, 08:09

Sonderlager war meiner Ansicht nach eine Interpretation aus dm Beginn der DDR Recherchen zum Thema. Historisch verwertbar ist das Ganze bisher nicht und beruht meiner Ansicht nach auf Vermutungen und Deutungen - ggf. einer Aussage. In historischen Unterlagen kommt der Begriff bislang nicht vor.

Ein gutes Beispiel ist die Zuordnung -> Lager C = Nordlager.

Ich habe Unterlagen, in denen die Bunker der Muna eindeutig als Lager C bezeichnet wurde. Das macht natürlich auch etwas mehr Sinn wie C für Crawinkel.

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Re: S III - Sonderlager III und seine Unterteilungen

Beitragvon Volwo » Donnerstag 20. Februar 2014, 19:47

Klaus-Peter, ich will Dir nichts absprechen und was Du sagst weiß ich auch,

ich versuche das nur noch mal aufzurollen mit einigen Quellen, ob die nun als primäre Quellen taugen, liegt im Auge des (quellen)kritischen Betrachters. Für mich schon, weil es entweder protokollierte Aussagen oder amtliche Berichte sind. Was davon nun wieder stimmt oder nicht, das ist die Frage, die es aufzuarbeiten gilt.
Das mit dem C-Lager ist die Aussage der Frau Müller, da kann man sich schon mal vertun in der Erinnerung. Das sehe ich halt als unsere Aufgabe an, soviel wie möglich geordnet zu sammeln und sich dann daraus ein Gesamtbild zu machen.
Was das Denkmal angeht, da steht Sonderlager S III - das ist doppelt gemoppelt oder absichtlich zur besseren Erklärung geschrieben.
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Re: S III - Sonderlager III und seine Unterteilungen

Beitragvon Volwo » Donnerstag 20. Februar 2014, 20:42

Die Zwiespätigkeit ist mir auch bewusst.
In der Liste der Lager von Martin Weinmann, Frankfurt, Zweitausendeins, 3. Auflage 1999 findet sich ein Dutzend "Sonderlager" auch "SS Sonderlager", aber bei Ohrdruf steht
Ohrdruf Ohrdruf Kdo. Buchenwald 222, 563

Ohrdruf, Kdo. S III Buchenwald Kdo. Buchenwald 566

Ohrdruf, Kdo. S III Crawinkel Kdo. Buchenwald 637
.
wobei die Bezeichnung ja als Abkürzung geschrieben ist, also kann es auch "Kommando Sonderlager III" heissen :D
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Re: S III - Sonderlager III und seine Unterteilungen

Beitragvon Volwo » Donnerstag 20. Februar 2014, 20:44

1944 – Herbst:
Seit geraumer Zeit zuvor, genau gesagt im Herbst 1944,
war die Realisierung dieser Arbeit das Sonderlager III des
KZ Buchenwald aufgebaut worden. Es bestand aus dem
Nordlager (Truppenübungsplatz Ohrdruf), dem Lager Crawinkel
(Muna) und dem Südlager, dem sogenannten Zeltlager
Espenfeld. Der dazu geschaffene SS-Führungsstab hatte
seinen Sitz in Luisenthal. (Remdt - TA Dokumentationsserie
Folge 5).

aus der Zeitleiste Jonastal
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Re: S III - Sonderlager III und seine Unterteilungen

Beitragvon Volwo » Samstag 22. Februar 2014, 18:51

Argument für S III

im Entwurf zu einer Pressekonferenz des Nationalrates findet sich auf S. 2:

Der
berüchtigte "Jägerstab" hinterließ seine verbrecherischen Spuren aber auch im Raum Ohrdruf - Crawinkel - Arnstadt, wo er seine Tätigkeit hinter der Tarnbezeichnung S III verbarg.

____________________________________________________

die beteiligten Firmen aus dem Dokument:
- Strabag Weimar,
- Rottland-Lindemann, Köln/Düren Hoch- und Tiefbau,
- Kießerling AG Hamburg 13, Feldbrunnenstr. 50, Straßenbau, Betriebsleiter Rudolf Minag, Hamburg
__________________________________________________

Die Pressekonferenz fand am 24. Januar 1966 statt.
Dabei führte Prof. Albert Norden aus:

"Es fällt besonders auf, daß bei den Bauprojekten des Baustabes Schlempp die danmalige Straßenbau AG Niederlahnstein (Strabag) bevorzugt mit Aufträgen versehen wurde. ..."

Es folgt eine Beschreibung des Gesamtprojektes.

Soweit ich weiß, habe ich das noch nicht eingestellt,
und wenn ja, immer wieder aufschlußreich:

Führungsstab S III
ihm unterstehend:
Bauleitung S III

der Bauleitung unterstehend waren folgende 5 Baustäbe:

Baustab Heese - technische Sicherstellung aller Einzelprojekte.

Baustab Jonastal - Stollenbau

Baustab II
- Bau Abstellgleis im Muna-Bereich, eines in Luisenthal, eines in Crawinkel, eines "vom Nahnhof Ohrdruf zum KZ Ohrdruf".

Baustab III - Erstellung einer Wasserleitung von Ohrdruf nach Wölfis

Baustab IV - Bau eines Feldbahngleises von Crawinkel zur Bautelle Jonastal.
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Re: S III - Sonderlager III und seine Unterteilungen

Beitragvon Luchs » Mittwoch 26. März 2014, 17:08

Volwo hat geschrieben:Baustab III - Erstellung einer Wasserleitung von Ohrdruf nach Wölfis...


...also am Goldberg vorbei. Hab mal wieder in Adrian Ermels Buch geschmökert, wo die Frage nach dem wofür aufgeworfen wurde. Gibt es da schon Erklärungen?
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Re: S III - Sonderlager III und seine Unterteilungen

Beitragvon TÜP » Mittwoch 26. März 2014, 21:25

Kann eigentlich nur zur MUNA gehen.
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Re: S III - Sonderlager III und seine Unterteilungen

Beitragvon Augustiner » Donnerstag 27. März 2014, 14:58

Definitiv nicht am Goldberg vorbei, sondern mit Beginn im (wunderschönen) Wasserturm am Goldberg. Falls man dort mal rein könnte, müßte man was finden (Mauerdurchbruch).
Der Graben (mit Aushubmaterial vielleicht 2 m breit und 1,20 m tief = gelbe Pfeile) endet scheinbar am Sandweg MUNA Richtung Wölfis. Am 25.03.1945 ist schön die Zweiteilung der MUNA zu sehen; da hätte ich so eine Theorie..........

Möglicherweise gibt es aber auch einen Abzweig der Wasserleitung (hellblaue Pfeile) in Richtung Neuaufforstung (z.B. am 04.04.1945).

Ergänzung mit noch einer Variante vom 09.06.1945.........macht aber auch kaum Sinn.
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Re: S III - Sonderlager III und seine Unterteilungen

Beitragvon Luchs » Donnerstag 27. März 2014, 17:36

Danke. Dann ist die Beschreibung "von Ohrdruf nach Wölfis" etwas irreführend. Wenn es die Anbindung der Muna betrifft, hätte auch Herr Ermel den Verlauf und Zweck vielleicht erkannt, was er nicht tat. Zwei Angaben aus Leffler / "70 Jahre Pulverfass in Thüringen", lassen auch nicht so recht erkennen, daß die Muna zu Kriegsende einer solchen Leitung bedurfte. Es sei denn, man hat ernsthaft in die Versorgung der eingepferchten Häflinge investiert, was ich bezweifle.

...es entstand eine eigene Wasserversorgung sowie erdverlegte Elektrizitäts- und Telefonanbindung... bereits beim Bau der Muna. ...Zur Wasserversorgung der Feldbahnlokomotiven wurde von der Ohrdrufer Strasse, in Höhe des Grundstückes Nr.15, ein Anschluß verlegt, der nach Kriegsende noch von den Sowjets für ein am Waldrand erbautes Lazarett genutzt wurde... im Zusammenhang Baumaßnahmen SIII.

Leider läßt sich über Sinn oder Unsinn der Baumaßnahme zu Kriegsende nur mutmaßen ohne weiter zu kommen. Ich teile jedenfalls Ermels Ansicht/ offene Frage.
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Re: S III - Sonderlager III und seine Unterteilungen

Beitragvon TÜP » Donnerstag 27. März 2014, 22:34

Definitiv nicht am Goldberg vorbei, sondern mit Beginn im (wunderschönen) Wasserturm am Goldberg. Falls man dort mal rein könnte, müßte man was finden (Mauerdurchbruch).


Wissen wir ob die Leitung überhaupt noch angeschlossen wurde?
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Re: S III - Sonderlager III und seine Unterteilungen

Beitragvon Augustiner » Freitag 28. März 2014, 08:26

TÜP hat geschrieben:
Definitiv nicht am Goldberg vorbei, sondern mit Beginn im (wunderschönen) Wasserturm am Goldberg. Falls man dort mal rein könnte, müßte man was finden (Mauerdurchbruch).


Wissen wir ob die Leitung überhaupt noch angeschlossen wurde?


Tatsächlich sieht es so aus, dass der Graben bereits östlich vom Turm in einer Art Baracke, Baugrube o.ä. endet.
Aber Probieren geht über Studieren.......
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Re: S III - Sonderlager III und seine Unterteilungen

Beitragvon Augustiner » Samstag 29. März 2014, 20:20

Luchs hat geschrieben:Zur Wasserversorgung der Feldbahnlokomotiven wurde von der Ohrdrufer Strasse, in Höhe des Grundstückes Nr.15, ein Anschluß verlegt, der nach Kriegsende noch von den Sowjets für ein am Waldrand erbautes Lazarett genutzt wurde...[/i] im Zusammenhang Baumaßnahmen SIII.


Leider habe ich weder Leffler noch Ermer :,(
Wo genau ist denn bitte Grundstück Nr. 15 ???
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Re: S III - Sonderlager III und seine Unterteilungen

Beitragvon Luchs » Sonntag 30. März 2014, 18:39

Keine Ahnung, hab ich nur zitiert. Hausnummer oder Flurstück. Könnte KPS vielleicht sagen, obwohl es denke ich nicht nicht sooo relevant ist. Für mich ist nur erkennbar, die Muna verfügte beim Bau der Wasserleitung vom Goldberg schon über einen Trink- aus auch Brauchwasseranschluß. Könnte also wirklich eine Trinkwasserleitung zur Versorgung der Häftlinge sein, ein Aufwand welchen ich aber widersprüchlich zu deren Behandlung und Unterbringung finde. Oder es gab Planungen, nach Abschluß der Baumaßnahmen in der Muna irgendwelche Reichsstellen -Orgene unterzubringen, was auch zu den Abstellgleisen in der Nähe passen würde. Eine geplante Fortführung der Bombenfertigung würde ich nach der Räumung/Verlagerung nicht mehr in Betracht ziehen.
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Re: S III - Sonderlager III und seine Unterteilungen

Beitragvon kps » Sonntag 30. März 2014, 23:09

Ohrdrufer Strasse in Crawinkel - Das ist vom heutigen Ortsausgang Crawinkel weiter entfernt und auch vom Feldbahnhof. Da gab es Häuser die näher dran waren sowie auch ein Sägewerk. Evtl. war die Wasserstation etwas weiter entfernt vom Feldbahnhof an der Überquerung der heutigen B88.

Bei der Muna muss man meiner Ansicht nach Versorgung der Siedlung und Arbeitshallen mit Strom und Wasser unterscheiden von dem weiträumigen Bunkergebiet. Sicherlich hatte nicht jeder Bunker auch Wasseranschluss, wozu auch, und dort wo die Häftlinge untergebracht waren, muss es nicht Wasser gegeben haben. Neben den Häftlingen hätte man auch kurzfristig Stäbe und weitere Kommandos unterbringen können, die nicht im Stammlager Ohrdruf Platz gefunden hätten oder die Luftwaffe hatte ggf. noch andere Pläne für den Fall, dass die Führungsstelle des Thüringer FHQu direkt in der Nähe in Betrieb gegangen wäre. Das sind aber alles nur Spekulationen und das mach ich nicht so gern.

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