Fla-Raketen im Bereich der 8. GA - Upd. 23.04.13

Moderator: Panzermann

Fla-Raketen im Bereich der 8. GA - Upd. 23.04.13

Beitragvon Panzermann » Freitag 12. April 2013, 06:36

Die Fla-Raketenbrigaden der 8. GA
Da zum Treffen der Jonastalfreunde am 06. April die Vortragszeit etwas knapp war, um auf die im Verlauf des letzten Jahres gesammelten Erkenntnisse zur 8. GA ein-zugehen, werde ich in der nächsten Zeit an dieser Stelle im Forum veröffentlichen einige kleine Beiträge veröffentlichen. Bei der Erstellung dieses Beitrages hatte ich von dem "Bautzener" Unterstützung, der leider nicht Mitglied unseres Forums ist.

Am 16. Aug. 1958 wurden auf Befehl des Verteidigungsministers der UdSSR die bis zu diesem Zeitpunkt in den sowjetischen Landstreitkräften vorhandenen Flak-Truppenteile in einer neuen Waffengattung mit der Bezeichnung "Truppen der Luftverteidigung der Landstreitkräfte" (russ.: войска ПВО Сухопутных войск) unter dem Marschall der Artillerie W. I. Kasakow zusammengefaßt. Im deutschen Sprachgebrauch wird für den Begriff "Truppen der Luftverteidigung der LaSK" der Begriff "Truppenluftabwehr" (TLA), im Unterschied zu den Truppen der Luftverteidigung (LV) des Landes verwendet. In der neuen Waffengattung "Truppenluftabwehr der sowjetischen LaSK" wurden alle bisher in den sowjetischen LaSK vorhandenen Fla-Raketen, Flak- und Funkmeßtechnischen Truppenteile und Einheiten zusam-mengefaßt.

Der erste Fla-Raketenkomplex (FRK) der sowjetischen Truppenluftabwehr war der Komplex SA-75 "Dwina" (SA-2, "GUIDELINE"), der dem FRK der Luftverteidigung S-75 entsprach. Der FRK SA-75 "Dwina" mit der Rakete "1D" (W-750) war in die Bewaffnung der Luftverteidigung des Landes und der Truppenluftabwehr der LaSK entsprechend des Beschlußes Nr. 1382-638 des ZK der KPdSU und des Ministerrates der UdSSR vom 11. Dez. 1957 sowie des Befehls Nr. 00102 des Verteidigungsministers der UdSSR von 1957 aufgenommen worden. Ab 1959 erhielt die GSSD zehn mit diesem FRK ausgerüstete Fla-Raketenregimenter (FRR). Dieser Komplex wurde durch den Abschuß des US-Spionageflugzeuges U-2 mit dem Piloten Gary Powers am 01. Mai 1960 berühmt.

Die minimale Reichweite des FRK SA-75 zur Vernichtung eines Zieles betrug 7 km, die maximale Reichweite 29 - 34 km und die maximale Höhe 25 - 27 km. Die Zeit zur Entfaltung des FRK aus der Marschordnung heraus betrug ca. 5 Stunden. Der FRK wurde bis zu seiner Außerdienststellung ständig weiterentwickelt (SA-75 "Dwina", S-75 "Desna", S-75M "Wolchow" und S-75 "Wolga"). Die FRK S-75М "Wolchow" (W-760 (15D)),übernommen in die Bewaffnung 1964 und der FRK S-75М3 "Wolchow" (W-760W (5В29)) - S-75М2, übernommen in die Bewaffnung 1975, konnten auch mit Kernsprengköpfen ausgerüstet werden.

Abbildungen und Daten siehe:
> http://militaryrussia.ru/blog/topic-172.html
> http://de.wikipedia.org/wiki/S-75
> http://mvizru84.my1.ru/index/0-10
> http://military.tomsk.ru/blog/topic-172.html

Für die in der GSSD vorhandenen sechs Armeen und für die Gruppe waren nach bisherigen Erkenntnissen folgende mit SA-75 ausgerüstete FRR stationiert:

- 226. FRR in Rathenow (GSSD),
- ???. FRR in Güstrow (2. Garde-Panzerarmee),
- 333. FRR in Stendal (3. Stoßarmee),
- 472. FRR in Magdeburg (3. Stoßarmee),
- 1051. Garde-FRR in Jüterbog-Damm (18. Gardearmee)*,
- 204. FRR-Dresden-Klotzsche (bis 1965), Naumburg (ab 1965), (1 Garde-Panzerarmee),
- 223. FRR in Leipzig-Taucha (1. Garde-Panzerarmee),
- 335. FRR in Weimar (8.Gardearmee) mit FRA in Gotha, Weimar, Jena und Rudolfstadt,
- 281. FRR in Gera (8. Gardearmee) mit FRA in Gera, Plauen und Karl-Marx-Stadt
- 293. FRR in Frankfurt/Oder (20. Gardearmee)

* Unterstellung unter die 18. GA bisher nicht bewiesen.

Jedes FRR verfügte über drei Fla-Raketenabteilungen (FRA), eine Technische Abteilung, eine Funktechnische Abteilung sowie Sicherstellungseinheiten. Eine Feuerstellung (FRA) des FRK SA-75 bestand aus sechs Startrampen mit je einer Rakete, die im Abstand von etwa 100 m im Sechseck angeordnet waren. In der Mitte befanden sich die Funkmeß- und Kontrollsysteme sowie sechs weitere Fla-Raketen zum Nachladen.

Die letzten FRK S-75 wurden 1977 aus der Bewaffnung der GSSD herausgenommen.

Die Zeitdauer zur Entfaltung des FRK SA-75 "Dwina" von ca. 5 Std. war für einen FRK der LaSK zu lang, deshalb wurde auf Beschluß des Ministerrates der UdSSR Nr. 966-377 vom 26. Nov. 1964 der erste wirklich mobile Fla-Raketenkomplex 2K11 "Krug" (SA-4, "GANEF") mit der zweistufigen Fla-Rakete 3M8M auf der Zwillingsstartrampe 2P24 in die Bewaffnung der der sowjetischen LaSK aufgenommen. Dieser FRK benötigte zur Entfaltung aus der Marschordnung heraus nur noch fünf Minuten. Er konnte Ziele in Entfernungen von 9 bis 50 km und in Höhen von 0,25 bis 24,5 km bekämpfen. Es gab folgende modernisierte Versionen: 2K11A "Krug-A", 2K11M "Krug-M" und 2K11M1 "Krug-M1". Zu einer mit dem FRK 2K11 ausgerüsteten FRBr gehörten drei FRA, jede mit drei FRBttr, und eine Technische Abteilung. In einer FRBr "Krug" befanden sich 27 Startrampen mit insgesamt 54 Fla-Raketen.

Abbildungen und Daten siehe:
> http://military.tomsk.ru/blog/topic-417.html
> http://www.rwd-mb3.de/pages/2k11.htm
> http://de.wikipedia.org/wiki/SA-4_Ganef

Die in Arnstadt-Rudisleben stationierte und der 8. GA unterstellte 18. FRBr (18 зенитно-ракетная бригада – 18 зрбр, в/ч пп 64490, Rufname "Инвертин") war wahrscheinlich die erste mit dem FRK 2K11 ausgerüstete FRBr, die Ende der 960er-Jahre im Großraum Tr.Üb.Pl. Ohrdruf stationiert worden war.

Der Ursprung der 18.FRBr soll in der am 07. Mai 1956 in Glau aufgestellten 44. Flak-Division liegen, welche am 20. März 1958 in die 142.Flak-Brigade umformiert wurde. 1962 soll diese Brigade in ein FRR umformiert worden sein, welche wahrscheinlich mit S-75 ausgerüstet war. 1967 erfolgte dessen Umformierung zur 18. FRBr und danach wahrscheinlich die Verlegung in die DDR.

Die FRA der 18. FRBr waren an folgenden Standorten stationiert:

- die FRA in Arnstadt-Rudisleben
- die FRA in Saalfeld und
- die FRA in Meiningen.

Nach der Umrüstung auf dem FRK 9K37 "Buk-M1", (SA-11 "GADFLY") verfügte die 18. FRBr über folgende FRA an folgenden Standorten:

- der 519. FRA (в/ч пп 65453) auf dem Dolmar bei Kühndorf / Meiningen,
- der 520. FRA (в/ч пп 51462) in Mühlhausen,
- der 526. FRA (в/ч пп 68504) in Bad Langensalza und
- der 923. FRA (в/ч пп 68591) in Gotha.

Die für diese FRBr zuständige 1735. Bewegliche Fla-Raketentechnische Basis (BFRTB) (1735 подвижная зенитно-техническая ракетная база - 1735 пзтрб, в/ч пп 69772, Rufname "Деление") war in Crawinkel stationiert.

Der Stab der 18. FRBr wurde in der zweiten Hälfte des Jahres 1984 nach Gotha verlegt, als die dort stationierte und zur 1. GPA gehörende 67. FRBr am 15. Juni 1984 nach Elstal verlegt und der 20. GA unterstellt wurde. Die 1. GPA erhielt für die 67. FRBr, die in Altenburg stationierte 53. FRBr, die bis zu diesem Zeitpunkt zur 20. GA gehörte.

Die in Gotha stationierte und zur 1. GPA gehörende 67. FRBr war wahrscheinlich die zweite mit dm FRK 2K11 "Krug" ausgerüstete FRBr, die im Bereich der 8. GA stationiert worden war. Diese FRBr war im Dez. 1969 in der Ukraine formiert worden. Nach Abschluß der Formierung wurde sie in die ehemalige DDR in den Standort Gotha verlegt und im Dez. 1970 der 1. GPA unterstellt. Ebenfalls nach Gotha wurde die für die fla-raketentechnische Sicherstellung der 67. FRBr zuständige 1721. BFRTB nach Gotha verlegt. Die FRA der 67. FRBr waren an folgenden Standorten stationiert:

- die 438. FRA in Mühlhausen
- die 1090. FRA in Gotha und
- die ???. FRA in Bad Langensalza.

Die 18. FRBr wurde in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre (wahrscheinlich 1988) auf FRK 9K37 "Buk" (SA-11 "GADFLY") umgerüstet. Dieser FRK 9K37 diente zur Bekämpfung von Flugzeugen, Hubschraubern, Raketen, Marschflugkörpern und anderen luft- und landgestützten Präzisionswaffen in Entfernungen von 3 bis 42 km und in Höhen von 0,15 bis 22 km unter intensiven funkelektronischen Störungen.

Nach Einschätzung von Militärspezialisten übertraf der FRK "Buk" das US-amerikanische Fla-Raketensystem "Improved HAWK " in der Feuerkraft um das Zweifache, in der Beweglichkeit und Schnelligkeit der Entfaltung um das Vierfache. Mit dem FRK "Buk-M1" konnten auch taktische Raketen vom Typ "Lance" (Vernich-tungsentfernung 22 km) und Hochgeschwindigkeits-Funkmeßabwehr-Raketen vom Typ AGM-88 HARM bekämpft werden.

Der FRK (FRBttr) "Buk-M1" konnte bis zu sechs Ziele gleichzeitig bekämpfen. Dies war eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem FRK "Krug" der nur ein Ziel bekämpfen konnte. Er ist residenter gegen elektronische Kampfführung. Er kann in fünf Minuten aus der Marschformation zur Startbereitschaft gebracht werden. Die Reaktionszeit von der Zielerfassung bis zum Abfeuern der Rakete betrug 22 Sekunden. Auf Grund seines außerordentlich hohen Kampfwertes unterlag der FRK "Buk" höchsten Geheimhaltungsbestimmungen. Dies ist auch die Ursache für die vielen Vermutungen über die in Crawinkel stationierten Truppenteile. Es hat dort nachweislich weder SS-20, noch SS-12 gegeben. Auch wurde in Crawinkel keine Sondermunition gelagert.

Abbildungen und Daten siehe:
> http://de.wikipedia.org/wiki/SA-11_Gadfly
> http://www.rwd-mb3.de/technik_g/pages/9k37.htm

Die mit dem FRK "Buk" ausgerüstete FRBr bestand aus vier FRA mit je drei FRBttr mit je zwei Startrampen 9A38 / 9A310, einem Start- und Ladefahrzeug 9A39 und 16 Fla-Raketen 9M38. In den FRA waren ein beweglicher Führungspunkt 9S470, eine Aufklärungs- und Zielzuweisungsstation 9S18 "Kupol" und ein Nachrichtenzug vorhanden.

Gruppierung der LV und TLA im Großraum der 8. GA (südwestlicher Teil)
Im südwestlichen Teil der ehemaligen DDR waren folgende Fla-Raketenbrigaden und Fla-Raketenregimenter stationiert:

51. Fla-Raketenbrigade der NVA mit Stab in Sprötau u.a. mit:

- dem Gefechtsstand 51 in Sprötau dem Wechselgefechtsstand 51 in Kranichborn,
- der FRA 5121 in Dietersdorf bei Sangerhausen mit FRK S75 "Wolchow",
- der FRA 5122 in Blankenburg bei Bad Langensalza mit FlaRK S75 "Wol-chow",
- der FRA 5123 in Seebergen bei Gotha mit FRK S75 "Wolchow",
- der FRA 5124 in Remda bei Rudolfstadt mit FRK S75 "Wolchow",
- der FRA-Gr 511 in Eckolstädt/Apolda mit FRK S200 "Wega" (geplant),
- der FRA 5125 in Wormstedt mit FRK S75 "Wolchow",
- der Technischen Abteilung 5120 in Sprötau.

252. Fla-Raketenbrigade (252 зенитно-ракетная бригада – 252 зрбр, в/ч пп 64023, позывной "Текстиль") mit Stab in Gera mit dem FRK 2K11 "Krug", (SA-4 "GANEF") der GSSD mit

- der 603. FRA (в/ч пп 19202) in Gera
- der 610. FRA (в/ч пп ?????) in Karl-Marx-Stadt
- der 614. FRA (в/ч пп 92755) in Plauen

18. Fla-Raketenbrigade (18 зенитно-ракетная бригада – 18 зрбр, в/ч пп 64490, позывной "Инвертин") mit Stab in Gotha mit dem FRK 9K37 "Buk-M1", (SA-11 "GADFLY") der 8. GA mit

- der 519. FRA (в/ч пп 65453) auf dem Dolmar bei Kühndorf / Meiningen,
- der 520. FRA (в/ч пп 51462) in Mühlhausen,
- der 526. FRA (в/ч пп 68504) in Bad Langensalza und
- der 923. FRA (в/ч пп 68591) in Gotha.

Das 286. Garde Fla-Raketenregiment (286 гв. зенитно-ракетный полк – 286 гвзрп, FPN 60835, Rufname "Астрограф") der 27. GMSD in Halle seit April 1980, ausgerüstet mit dem FRK 9K33 "Osa AK", (SA-8 "GECKO"). Das 286. FRR war das einzigste FRR in der 8. GA was bereits auf dem FRK 9K33 "Osa AK" umgerüstet worden war.

Abbildungen und Daten zum FRK 9K33 "Osa AK" siehe:
> http://de.wikipedia.org/wiki/SA-8_Gecko
> http://www.rwd-mb3.de/pages/9k33.htm

Das 915. Fla-Raketenregiment (915 зрп, FPN 38866) der 39. GMSD in Ohrdruf/Herda mit dem FRK 2K12 "Kub" (SA-6 "GAINFUL"). Dieses FRR war 1972 im Zusammenhang mit der Umrüstung auf Fla-Raketen vom 915. FR in 915. FRR umbenannt worden. Zum Bestand des FRR gehörten eine Führungs- und fünf Startbatterien sowie Unterstützungseinheiten. Zu einer Startbatterie gehörten eine Aufklärungs- und Leitstation 1S91M1 und vier Startrampen 2P25M1 sowie weitere Sicherstellungsfahrzeuge. Insgesamt befanden sich einem FRR ca. 500 Mann und 20 Startrampen.

Abbildungen und Daten zum FRK 2K12 "Kub" siehe:
> http://de.wikipedia.org/wiki/SA-6_Gainful
> http://www.rwd-mb3.de/pages/2k12.htm

Das 901. Fla-Raketenregiment (901 зрп, в/ч пп 83085) mit dem FRK 2K12 "Kub" (SA-6 "GAINFUL") der 57. GMSD in Naumburg.

Das 1075. Fla-Raketenregiment (1075 зрп, в/ч пп 34086) mit FRS 2K12 "Kub", (SA-6 "GAINFUL") der 79. GPD in Weimar und Jena.

Das Fla-Raketenregiment 4 der 4. MSD (NVA) in Erfurt mit FRK 2K12 "Kub" (SA-6 "GAINFUL") mit dem Diensthabenden System auf dem Drosselberg.

Wenn man sich die Stationierungsorte der oben aufgeführten Fla-Raketenbrigaden und Fla-Raketenregimenter betrachtet, läßt sich unschwer erkennen, welche Objekte sie im südöstlichen Raum der ehemaligen DDR in erster Linie vor gegnerischen Luftangriffen schützen sollten. Zu diesen Objekten zählte u.a. mit Sicherheit der Wechselgefechtsstand der 8. GA auf dem Tr.Üb.Pl. Ohrdruf und die ebenfalls dort stationierte 390. Artilleriebrigade sowie die Raketenbrigaden der 8. GA.

Panzermann
Zuletzt geändert von Panzermann am Dienstag 23. April 2013, 12:25, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Korrektur und Ergänzung
Nur wer die Geschichte kennt, der versteht auch die Gegenwart. Die Geschichte ist keine Schiefertafel auf der man beliebig etwas hinzuschreiben oder wegradieren kann.
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