Die Armeefliegerkräfte der GSSD und der NVA - Teil I

Moderator: Panzermann

Die Armeefliegerkräfte der GSSD und der NVA - Teil I

Beitragvon Panzermann » Sonntag 29. Januar 2012, 09:24

Inhalt:

Teil I
0. Bemerkungen
1. Der Beginn der Hubschrauberentwicklung in der UdSSR
2. Die sowjetischen Hubschraubertruppenteile und -einheiten in der Periode von 1952 bis 1962
3. Formierung der ersten Hubschraubereinheit der NVA im Jahr 1957
4. Die sowjetischen Hubschraubertruppenteile und -einheiten in der Periode von 1968 bis 1973
5. Die Hubschrauberkräfte der Luftstreitkräfte der NVA in der Periode von 1968 bis 1981
6. Die sowjetischen Hubschraubertruppenteile und -einheiten in der Periode von 1976 bis 1982

Teil II
7. Die sowjetischen Hubschraubertruppenteile und -einheiten in der Periode von 1987 bis 1990
8. Die Armeefliegerkräfte der 8. Gardearmee
9. Die Armeefliegerkräfte der GSSD 1989
10. Die Armeefliegerkräfte der NVA 1989

Teil III
11. Die Hubschrauber der Armeefliegerkräfte der UdSSR und der NVA
Leichter Mehrzweckhubschrauber Mi-1
Leichter Mehrzweckhubschrauber Mi-2
Mittlerer Mehrzweckhubschrauber Mi-4
Schwerer Transporthubschrauber Mi-6
Mittlerer Transporthubschrauber Mi-8
Kampfhubschrauber Mi-8TW
Führungshubschrauber Mi-9
Kampfhubschrauber Mi-24
Schwerer Transporthubschrauber Mi-26

12. Flugplätze und Hubschrauberlandeplätze im Bereich der 8. Garde-Armee

Anlage: Die Ausstattung der 7th U.S. Army mit Hubschraubern im Jahr 1979


Die Armeefliegerkräfte der GSSD und der NVA – Teil I

0. Bemerkungen

- Beim Stöbern im Forum für Geschichte bin ich auf das Thema "Sowjetischer Militärflugplatz Nora" in Thüringen gestoßen und habe bemerkt, daß zu dieser Frage noch einige Informationsdefizite gibt. Deshalb nachfolgend einige Informationen über die Entwicklung der Armeefliegerkräfte der sowjetischen Streitkräfte und der NVA sowie zur Stationierung der Hubschraubertruppenteile und -einheiten der GSSD und der NVA.

- Zum Vergleich habe ich einige Kurzinformationen über die Heeresfliegerkräfte der 7th U.S. Army und der Bundeswehr beigefügt. Der in der NATO verwendete Begriff "Heeresfliegerkräfte" und der in den Streitkräften der Warschauer Ver-tragsorganisation (WVO) verwendete Begriff "Armeefliegerkräfte" bezeichnen innerhalb des Heeres bzw. der Landstreitkräfte den gleichen militärischen Organisationsbereich.

- Im Punkt 11 habe ich nur einige Hubschraubertypen aufgeführt, die sich Mitte der 1980er Jahre noch in der Ausrüstung der WVO und der NATO befanden. Für diese Hubschraubertypen wurden nur die taktisch-technische Daten genannt, die meiner Meinung nach für das allgemeine Verständnis erforderlich sind. Der Beitrag enthält aus Kapazitätsgründen keine Abbildungen. Es sind aber in der Regel entsprechende Internetadressen angegeben, wo sowohl Abbildungen als auch weitergehende Informationen zu finden sind.

- In den meisten Fällen wurden sowjetischen Einheits- und Typenbezeichnungen mit aufgeführt, um die eigene Suche im Internet zu erleichtern.

- Die in für die Hubschraubertruppenteile und -einheiten angegebenen Hub-schrauberbestandszahlen und die für die Hubschraubertypen aufgeführten tak-tisch-technische Daten können je nach verwendeter Quelle voneinander abweichen.

- Die im Beitrag verwendeten Abkürzungen sind in Abkürzungsverzeichnissen enthalten, die unter dem Thema "Jonastal u. weitere Umgebung nach 1945- russische und DDR-Nachnutzung" im Forum zu finden sind. Ich habe die Absicht, diese Abkürzungsverzeichnisse fortzuschreiben, wenn ein entsprechendes Echo unter den Forumusern vorhanden ist und die Administratoren aus Platzgründen nichts dagegen haben. Ich würde die Fortschreibungen mit einem Update-Datum versehen.

- Verwendete Quellen:

> Kersten, O., Garnisonen der NVA und GSTD. Copyright 2011 Verlag Dr. Köster, 1. Auflage Dezember 2011
> Lohmann, H., Die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland 1945-1994. Ein historischer Abriß. © 2010 Projekt + Verlag Dr. Erwin Meißler
> Kopenhagen, W., Die Luftstreitkräfte der NVA. 1. Auflage 2002. Copyright © by Motorbuch Verlag, Postfach 103743, 70032 Stuttgart
> Freund, L.; Büttner, St., Rote Plätze – Russische Militärflugplätze in Deutschland 1945 – 1994. © 2007 by AeroLit Verlag
> FLIEGERREVUE extra, Heft 20, Artikel "Russische Luftstreitkräfte 1990 bis 2005 – Erster Teil"
> Форум "Вертолетчиков" auf der Seite http://vertoletciki.forumbb.ru
> Форум "Военный Рубеж" auf der Seite http://ryadovoy.ru
> ЗГВ по справочнику Ленского (dt.: Die Westgruppe laut dem Handbuch Lenskowo) auf der Seite
http://vif2ne.ru/nvk/forum/archive/213/213214.htm
> Материалы по ГСВГ (dt.: Materialien zur GSSD) auf der Seite http://www.gsvg.ru/
> http://artofwar.ru/s/sukonkin_a_s/text_0550-1.shtml
> http://gsvg88.narod.ru/gsvg/army_gsvg.htm


1. Der Beginn der Hubschrauberentwicklung in der UdSSR

Auf Grund der stürmischen Entwicklung des Hubschrauberbaus ab Mitte der 1940er-Jahe in den westlichen Ländern, vor allem in den USA und Frankreich, und deren Einführung in die Streitkräfte dieser Länder beschloß die sowjetische Regierung im Sept. 1951, die Entwicklung und den Bau von Hubschraubern zu forcieren.

Nachfolgend drei Beispiele, die verdeutlichen, welcher Rückstand im Hubschrauberbau durch die Sowjetunion aufzuholen war.

1. Der Sikorsky R-4 war der erste in den USA produzierte Hubschrauber und das erste in den US-Streitkräften eingesetzte Hubschraubermodell. Von diesem leichten Hubschrauber wurden von 1942 bis 1944 131 Stück produziert. Der R-4 wurde im Mai 1944 erstmalig unter Kriegsbedingungen eingesetzt. 1948 wurde die Bezeichnung R-4 in H-4 geändert. Mit einem R-4 wurde erstmalig im Zweiten Weltkrieg eine hinter den feindlichen Linien (der Japaner) abgeschossene Flugzeugbesatzung der US-Streitkräfte gerettet.

2. Am 08. März 1946 erhielt der zwei- oder dreisitzige Bell 47 als erster ziviler Hub-schrauber die Flugzulassung in den USA. In der Militärversion wurde der Bell 47A ab 1947 unter Bezeichnung YR-13 an die U.S. Air Force und als HTL-1 an die U.S. Navy geliefert. Die erste Ausführung mit dem bekannten Plexiglas-Cockpit war der Bell 47D. Er war der erste von Bell in Großserie für militärische Zwecke produzierte Hubschrauber. Bei der U.S. Army bekam diese Ausführung die Bezeichnung H-13B bzw. in einem Fall YH-13C, bei der U.S. Navy wurde er unter Bezeichnung HTL-2 genutzt. Die U.S. Army bestellte 1948 die ersten 65 Hubschrauber vom Typ H-13B. Zum Einsatz kam der Bell 47 ab der zweiten Hälfte des Jahres 1950 im Koreakrieg, wo er vor allem durch die Rettungseinsätze (M.A.S.H - Mobiles Army Surgery Hospital) bekannt wurde. Von dem Bell 47 wurden von 1946 bis 1974 insgesamt 5.600 Maschinen produziert. In Europa wurde der Bell 47 sowohl von Agusta (Italien) als auch von Westland (Großbritannien) in Lizenz gebaut. So wurde der Bell 47 zu einem der am weitesten verbreiteten Hubschrauber der Welt. Die Bundeswehr nutzten 45 Bell 47G-2 "Sioux" bzw. Agusta/Bell AB 47G-2 noch bis Mitte der 1970er-Jahre. Zum Vergleich von dem sowjetischen Hubschrauber Mi- 1 wurden 2.594 und von dessen Nachfolger ca. 5000 Maschinen gebaut.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bell_47 (abgerufen am: 06. Jan. 2012 16:58)

Die USA stellten Mitte 1960er-Jahre als eine spezielle Entwicklungsrichtung leichter Mehrzweckhubschrauber sogenannte leichte Aufklärungs- und Kampfhubschrauber in Dienst, denen die sowjetischen Streitkräfte nichts ent-gegenzusetzen hatten, so z. B. den Hughes OH-6 "Cayuse" (1966) und Bell OH-58 "Kiowa" (Mai 1969). Diese relativ stark bewaffneten und äußerst manövrierfähigen Hubschrauber verfügten außerdem über gute Aufklärungsfähigkeiten.

3. Am 25. März 1952 stellten die USA den Transporthubschrauber Sikorsky S-55 oder H-19 "Chickasaw" in Dienst. Mit einer Besatzung von zwei Mann konnte der H-19 zehn Passagiere bzw. im Ambulanzeinsatz sechs Verwundete auf Tragen oder auch 1.300 kg Fracht über eine zur Entwurfszeit sehr hohe Reichweite von 300 km befördert werden. Insgesamt wurden von Sikorsky 1.067 Hubschrauber hergestellt, 547 weitere von Lizenznehmern.

"Schon 1950 wurden zwei der YH-19 Prototypen in Korea als Rettungshub-schrauber bei der 3rd Air Rescue Squadron eingesetzt, die dafür mit einer hyd-raulischen Winde mit 30 m Stahlseil an der Steuerbordseite ausgerüstet wurden. Ab 1952 wurden die Serienhubschrauber (Anm.d.Verf. – im Koreakrieg) für Such- und Rettungseinsätze, aber auch für Kampf- und Geheimdiensteinsätze verwendet. So setzten am 13. September 1951 Hubschrauber vom Typ S-55 zum ersten Mal Kampfgruppen in größerem Umfang in einem Kampfgebiet ab. Am 12. April 1952 wurde das Fliegerass Joseph McDonnell der US-Streitkräfte nach seinem Abschuss hinter den feindlichen Linien gerettet und im Sommer 1952 die Reste einer abgestürzten MiG-15 geborgen. Die ersten H-19C und D der US Army hatten am 20. März 1953 ihren ersten Einsatz. Im Koreakrieg beförderten allein die S-55 der Marines-Einheit "HMR-161" bei 18.600 Einsätzen mehr als 60.000 Soldaten."
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sikorsky_S-55 (abgerufen am: 19. Dez. 2011 14:11)

2. Die sowjetischen Hubschraubertruppenteile und -einheiten in der Periode von 1952 bis 1962

In der Entwicklung der sowjetischen Hubschraubertruppenteile und -einheiten wer-den vier Perioden unterschieden:

- erste Periode von 1952 bis 1966,
- zweite Periode von 1968 bis 1973,
- dritte Periode von 1976 bis 1982 und
- vierte Periode von 1987 bis 1990.

In den ersten Periode, die den Zeitraum von 1952 bis einschl. 1962 umfaßt, wurden auf dem Territorium der UdSSR folgende 12 Selbstständigen Hubschrauberregimenter (отдельные вертолётные полкu – овп) auf der Basis von Transportfliegerregimentern formiert (außer das 65 овп):

- 1952 das 793. Selbstständige Hubschrauberregiment, im Weiteren werden die Abkürzungen "Selbstst. HSR" bzw. "HSR" verwendet;
- 1954 das 239. Selbstst. HSR;
- 1958 das 280. Selbstst. HSR;
- 1959 das 51. Selbstst. HSR;
- 1960 das 319. Selbstst. HSR
- 1961 das 55., 332., 340. und das 437. Selbstst. HSR
- 1962 das 65. und 688. Selbstst. HSR und
- 19?? das 396. Selbstst. HSR.

Bereits vor deren Aufstellung waren selbstständige Hubschrauberabteilungen (отдельные вертолетные отряды – ово) und selbstständige Hubschrauberstaffeln (отдельные вертолётные эскадрильи – овэ) in den sowjetischen Streitkräften auf-gestellt worden.

Organisatorisch gehörten die HSR zu den Transportfliegerkräften der Luftstreitkräfte. Die Ausrüstung der HSR bestand in der Hauptsache aus Hubschraubern vom Typ Mi-4A und Mi-6A. In der Regel gehörten zu einem HSR drei bis vier Staffeln, davon zwei mit Mehrzweckhubschraubern (MHS) vom Typ Mi-4A (16 – 20 HS) und ein bis zwei Staffeln mit THS vom Typ Mi-6A (10 – 12 HS). Insgesamt waren in der Regel in einem HSR bis zu 60 Hubschrauber vorhanden, die in erster Linie Transportaufgaben zu erfüllen hatten.
Quelle: http://www.ryadovoy.ru/forum/index.php?topic=2111.21 (abgerufen am: 16. Dez. 2012)

Von den 12 HSR, die in dieser Periode aufgestellt wurden, war das auf Kuba einge-setzte 437. Selbstst. HSR (437 овп) das bekannteste Regiment. Es bestand aus zwei Staffeln mit insgesamt 33 Mi-4. Auf Kuba wurde das Regiment in 200. Selbstst. HSR umbenannt.
Quelle: http://vertoletciki.forumbb.ru/viewtopic.php?id=12&p=8 (abgerufen am: 19. Dez. 2011 12:48)

In dieser Periode befanden sich noch keine sowjetischen HSR in der DDR. Das erste HSR, das der GSSD zugeführt wurde, war 1973 das in Parchim stationierte 172. Selbstst. HSR (siehe unten). Natürlich waren schon seit Mitte der 1950er-Jahre Selbstst. Hubschrauberabteilungen und -staffeln im Bestand der GSSD vorhanden, die in der Regel direkt der GSSD bzw. deren Armeen unterstellt waren. Sie hatten vor allem Verbindungs- und Transportaufgaben zu erfüllen. Erst in der zweiten Hälfte der 1960-er Jahre wurden den Divisionen der GSSD sogenannten "Stabsführungsabteilungen" unterstellt.

Bekannte Hubschrauberlandeplätze (HLP) für die selbstständigen Hubschrauberabteilungen und -staffeln in dieser Periode waren:

- Oranienburg und Sperenberg für die Hubschraubereinheiten die direkt der GSSD unterstellt waren,
- Dresden-Hellerau und Allstedt im Bereich der 1. Garde-Panzerarmee
- Neuruppin und Parchim im Bereich der 2. Garde-Panzerarmee
- Stendal-Borstel und Mahlwinkel im Bereich der 3. Stoßarmee
- Weimar-Nohra, Obermehler-Schlotheim und Haßleben im Bereich der 8. Garde-armee
- Mahlwinkel und Finow im Bereich der 20. Garde-Armee

Manche HLP wurden auch von mehreren Armeen gemeinsam genutzt.

Quelle: FLIEGERREVUE extra, Heft 24, Artikel "Wie der Kreml die DDR aufgab", S. 24

Laut dem in der FLIEGERREVUE extra, Heft 24, Artikel "Wie der Kreml die DDR aufgab", S. 24, sollen in der GSSD schon seit Mitte der 1950-er Jahren die Vorläufer für die folgenden Selbstst. Hubschrauberstaffeln der Führung und Aufklärung vor-handen gewesen sein:

- die 6. Selbstst. Hubschrauberstaffel der Führung und Aufklärung (6 отд. вертолётная эскадрилья боевого управления – 6 овэ БУ, в/ч пп 13933), in Hellerau-Klotzsche / Dresden mit 2 Mi-6, 10 Mi-8 und 4 Mi-24 für die 1. Gardearmee;

- die 9. Selbstst. Hubschrauberstaffel der Führung und Aufklärung (9 отд. вертолётная эскадрилья боевого управления – 9 овэ БУ, в/ч пп 23032), in Neuruppin mit 2 Mi-6, 5 Mi-8, 2 Mi-9 und 4 Mi-24 für die 2. Garde-Panzerarmee;

- die 296. Selbstst. Hubschrauberstaffel der Führung und Aufklärung (296 отд. вертолётная эскадрилья боевого управления – 296 овэ БУ, в/ч пп 66566), in Mahlwinkel mit 2 Mi-6, 6 Mi-8, 4 Mi-9 und ? MI-24 K/RX für die 3. Stoßarmee.

- die 298. Selbstst. Hubschrauberstaffel der Führung und Aufklärung (298 отд. вертолётная эскадрилья боевого управления – 298 овэ БУ, в/ч пп 13797), in Haßleben (ca. 20 km nördl. von Erfurt) mit 1 Mi-6, 9 Mi-8 und 9 MI-24 für die 8. Gardearmee. Reihenfolge der Stationierungsort: Schlotheim, Nora und Haßleben.

- die 41. Selbstst. Hubschrauberstaffel der Führung und Aufklärung (41 отд. вертолётная эскадрилья боевого управления – 41 овэ БУ, в/ч пп 17075), in Eberswalde-Finow mit 2 Mi-6, 4 Mi-2, 3 Mi-8 und 4 Mi-24, für die 20. Gardearmee.

Im Gegensatz zu den Divisionen der GSSD, denen in dieser Periode noch keine Hubschraubereinheiten unterstellt waren, verfügten Panzer- und Mechanisierten Infanteriedivisionen der in der BRD stationierten 7th U.S. Army bereits ab Mitte der 1950er-Jahre über eigene Heeresfliegerkompanien. So traf z. B. die "3d Aviation Co" am 21. Mai 1958 in Deutschland ein und wurde der "3d Inf Div" unterstellt. Der Stab der Kompanie und die Hauptbasis waren in Kitzingen stationiert bzw. eingerichtet. Nebenbasen mit ständiger Stationierung von Personal, Flugzeugen und Hubschraubern befanden sich in Würzburg, Bamberg, Schweinfurt und Aschaffenburg.

Die "3d Aviation Co", als Beispiel für eine den US-Divisionen unterstellte Heeres-fliegerkompanie, war zu diesem Zeitpunkt mit folgenden Flugzeug- und Hubschraubertypen ausgerüstet:

- leichte Mehrzweckhubschrauber H-13 "Sioux" für Beobachtungs- und medizinische Transportaufgaben, der bereits 1946 in Dienst gestellt worden war. Hubschrauber dieses Typs waren noch bis in die 1980er-Jahre und darüber hinaus weltweit anzutreffen. In der Version als leichter Aufklärungs- und Beobachtungshubschrauber war der OH-13 "Sioux" mit einem doppelten 12,7-mm-MG vom Typ M37 oder einem doppelten 7,62-mm-MG vom Typ M60 ausgerüstet.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Mil_Mi-17 (abgerufen am: 18. Dez. 2011 12:32)

- mittlere Transporthubschrauber H-19 "Chickasaw", der mit einer Besatzung von zwei Mann zehn Soldaten oder sechs Verwundete auf Tragen oder auch 1.300 kg Fracht 300 km weit befördern konnte. Der Hubschrauber war 1950 in Dienst gestellt worden. Der in der UdSSR produzierte Hubschrauber Mi-4, war dem H-19 äußerlich sehr ähnlich. Die Mi-4 war aber eine eigenständige sowjeti-sche Entwicklung.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sikorsky_S-55 (abgerufen am 07. Jan. 2012)

- leichte Aufklärungsflugzeuge Cessna L-19 "Bird Dog" (ab 1962 Cessna O-1). Das "L" steht für "Liaison" und heißt auf Deutsch: "Verbindung".)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Cessna_L-19 (abgerufen am: 11. Jan. 2012 09:54)

- Verbindungs- und Beobachtungsflugzeuge De Havilland L-20 "Beaver". Die L-20 wurde im Koreakrieg und im Vietnamkrieg hauptsächlich für den Abtrans-port von Schwerverwundeten aus unwegsamen Gebieten eingesetzt. Aber auch der Transport von Fracht und Personal von Stützpunkt zu Stützpunkt, Truppenbeobachtung, Artilleriebeobachtung und Search and Rescue gehörte zum Einsatzspektrum der L-20.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/De_Havilland_L-20 (abgerufen am 07. Jan. 2012 10:04)

Die in der "3d Inf Div" vorhandene Heeresfliegerkompanie wurde am 15. Juli 1963 zum Heeresfliegerbataillon aufgewertet, mit der Bezeichnung: 3rd Aviation Batta-lion, d.h. das die in der BRD stationierten US-Divisionen bereits ab Mitte der 1960er Jahre Heeresfliegerbataillone in ihrem Bestand hatten. Zu diesem Zeitpunkt verfüg-ten die Divisionen der GSSD noch nicht über eigene Hubschrauber.
Quelle:
http://www.usarmygermany.com/Sont.htm?h ... m#CPLunits (abgerufen am: 30. Dez. 2011 13:27)

Neben den in den US-Divisionen in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre vorhande-nen Heeresfliegerkompanien waren auf der Ebene der in der BRD stationierten Ar-meekorps der 7th U.S. Army jeweils ein Heeresfliegerbataillon mit zwei Luft-transportkompanien vorhanden:

- V. US-Korps (V. Corps)
> 54. Transportbataillon (HS), (54th Transportation Bn (Hcptr))
Das Bataillon war bereits im Juli 1956 nach Deutschland verlegt
worden.
o 26. Transportkompanie (le. HS) (26th Trans Co (Lt Hcptr))
o 36. Transportkompanie (le. HS) (36th Trans Co (Lt Hcptr))

- VII. US-Korps (VII. Corps)
> 8. Transportbataillon (HS) (8th Transportation Bn (Hcptr))
o 18. Transportkompanie (le. HS) (18th Trans Co (Lt Hcptr))
o 110. Transportkompanie (le. HS) (110th Trans Co (Lt Hcptr))

Im Unterstützungskommando der 7. US-Armee (Seventh Army Support Com-mand) waren ebenfalls bereits Hubschraubereinheiten vorhanden:

- die mit Sanitätshubschraubern ausgerüstete 247. Med. Abt. (274th Med Det (Hcptr Amb)),
- die mit Sanitätshubschraubern ausgerüstete 47. Med. Abt. ( 74th Med Det (Hcptr Amb)) und
- die mit Hubschraubern ausgerüstete 11. Transportkompanie (11th Trans Co (Lt Hcptr)). Diese Kompanie verfügte über 21 Hubschrauber vom Typ H-19. Sie konnte bei einem Start 168 Soldaten und 15,5 Tonnen Fracht transportieren.
Die 11th Trans Co (Lt Hcptr) war 18. Mai 1956 durch Umbenennung der 328th Trans Co formiert worden, die bereits im April 1954 mit 34 Offizieren, 94 Mann-schaften und 21 Hubschrauber vom Typ Sikorsky H-19 nach Deutschland verlegt worden war.

Quelle:
http://www.usarmygermany.com/Sont.htm?h ... m#CPLunits (abgerufen am: 30. Dez. 2011 13:27)

Aus den Ausführungen über die 7th U.S. Army wird deutlich, daß die US-Streitkräfte auf Grund ihrer Erfahrungen aus dem Koreakrieg sehr zeitig die Bedeutung der Hubschrauber erkannt und entsprechende Schritte zu deren Einführung in die Streitkräfte unternommen hatten. Dies war auf Grund der in den USA vorhandenen leistungsfähigen Hubschrauberindustrie möglich. Die sowjetische Hubschrauberindustrie dagegen verfügte zu diesem Zeitpunkt nicht über die erforderlichen Produktionskapazitäten, um in einem größeren Umfang Hubschrauber in die Streitkräfte einführen zu können.

3. Formierung der ersten Hubschraubereinheit der NVA 1957

Quellen:
- Kopenhagen, Wilfried: Die Luftstreitkräfte der NVA. 1. Auflage 2002. Copyright © by Motorbuch Verlag, Postfach 103743, 70032 Stuttgart
- http://home.snafu.de
- http://www.lsklv-ddr.de

Die erste Hubschraubereinheit in der NVA wurde 1957 in Cottbus aufgestellt. Das Personal bestand damals aus sechs Hubschrauberführern und sieben Techni-kern. Im Juli 1957 wurde die Hubschraubereinheit nach Dessau zu der Ende 1956 gebildeten Transportfliegerschule (TFS) der NVA verlegt. Im Juli und Okt. 1957 tra-fen die ersten 6 Mi-4 aus der Sowjetunion für diese Hubschraubereinheit ein.

"Der Hubschrauberstaffel des FAG-4 (Anm. d. Verf. - Flieger-Ausbildungs-Geschwader-4) in Dessau werden bis zum 19. August (Anm.d.Verf. – 1958) 16 Hub-schrauber SM-1 zugeführt. Das Kürzel »SM« bezeichnet die polnische Lizenzausführung des sowjetischen Mi-1."
Quelle: Froh, K., Chronik der NVA, der Grenztruppen und der Zivilverteidigung der DDR 1956-1990. Verlag Dr. Köster, Berlin 2010. S. 49

Laut der Quelle http://www.flugzeugforum.de/forum/showt ... -Mi-1-SM-1 (abgerufen am: 08. Jan. 2012 11:30) soll die NVA 22 SM-1 im Bestand gehabt haben, darunter

- 12 SM-1
- 6 SM-1U als Schulhubschrauber und
- 4 Mi-1M die mit Gondeln für den Verwundetentransport ausgerüstet werden konnten.

Während einer zweiseitigen dreistufigen taktischen Übung der 7.PD (Dresden) mit der 4. MSD (Erfurt) wurden unter der Leitung des Chefs des MB-III (Leipzig) erstmals zum Schutz beim Überwinden der Elbe Hubschrauber und Fallschirmspringer im Rahmen einer taktischen Luftlandung eingesetzt.

Am 01. Jan. 1959 wurde mit Inkrafttreten eines neuen Stellenplanes in den LSK/LV der NVA aus dem Flieger-Ausbildungs-Geschwader-4 (FAG-4) der Fliegerschule, das im Standort Dessau stationiert war, ein selbstständiges Transportflieger-Ausbildungs-Geschwaders (TFAG) mit Verbleib in Dessau formiert und den Chef LSK/LV direkt unterstellt. "Mit der Umstrukturierung des FAG-4 wird die Hubschrau-berstaffel herausgelöst und als selbstständige Einheit von Dessau nach Branden-burg/Briest verlegt. Gleichzeitig wird aus dem FAG-3 in Brandenburg/Briest die AN-2-Staffel herausgelöst und in das TFAG Dessau eingegliedert. … Die in Dessau vorhandene Fliegertechnische Kompanie wird in das Fliegertechnisches Bataillon-13 (FTB-13) umstrukturiert."
Quelle: Froh, K., Chronik der NVA, der Grenztruppen und der Zivilverteidigung der DDR 1956-1990. Verlag Dr. Köster, Berlin 2010. S.61

Am 05. Jan. 1959 wurde aus dem Bestand des TFAG das erste Hubschrauberge-schwader (HG) der LSK/LV in Brandenburg-Briest formiert. Das HG bestand zu die-sem Zeitpunkt aus:

- der Geschwaderführung
- einer Staffel Mi-4
- einer Staffel SM-1
- der Technischen Durchsicht und Kontrolle (TDK) und
- der Fliegertechnischen Kompanie 19 (FTK-19).

Im Sept. 1959 erfolgt die Bildung einer Seekette, bestehend aus zwei Mi-4, und de-ren Verlegung nach Parow/Stralsund.

Das HG erhielt ab 01. Jan. 1961 die Bezeichnung "Hubschraubergeschwader-31" (HG-31) und im Okt. 1963 eine neue Struktur:

- Geschwaderführung
- 1. Staffel Mi-4
- 2. Staffel Mi-4
- 3. Staffel SM-1
- Technischen Durchsicht und Kontrolle (TDK) und
- das Fliegertechnisches Bataillon 31 (FTB-31), bisher FTB-19.

"Der Befehl 8/63 des Stv. des Min.f.NV und Chefs der LSK/LV legt fest, daß das HG-31 in Brandenburg/Briest ihm direkt unterstellt ist. Im Bestand des HG befinden sich 140 Offiziere, 172 Unteroffiziere und Soldaten sowie 18 Hubschrauber SM-1 und 21 Hubschrauber Mi-4."
Quelle: Froh, K., Chronik der NVA, der Grenztruppen und der Zivilverteidigung der DDR 1956-1990. Verlag Dr. Köster, Berlin 2010. S.133

Ende Dez. 1963 hat das HG-31 drei Mi-4A Staffeln und 2 SM-1 Staffeln im Bestand.
Quelle: Froh, K., Chronik der NVA, der Grenztruppen und der Zivilverteidigung der DDR 1956-1990. Verlag Dr. Köster, Berlin 2010. S.149

Auf der Grundlage des Befehls 127/64 des Min.f.NV. wurden am 06. Nov. 1964 im HG-31 Hubschrauberketten für das dem Kdo. der GT gebildet. Am 01. Dez. 1964 wurden die im HG-31gebildeten Ketten für das Kdo. der GT (Grenzkette Nord und Süd) mit zwei Mi-2 und vier SM-1 und die Grenzkette für die Stadtkommandantur Berlin mit einer Mi-2 und zwei SM-1 dem Kdo. der GT bzw. der Stadtkommandantur direkt unterstellt.
Quelle: Froh, K., Chronik der NVA, der Grenztruppen und der Zivilverteidigung der DDR 1956-1990. Verlag Dr. Köster, Berlin 2010. S. 165

Im Februar 1965 verlegte die Nordkette nach Salzwedel und die Südkette nach Mei-nigen. Die parallel zu den beiden Ketten gebildete Berlin-Kette der Stadtkommandantur Berlin flog weiter von Brandenburg aus Aufklärung entlang der Grenze zu Westberlin. Die Berlin-Kette wurde 1968 aufgelöst und dem HG-31 (wieder) unterstellt.

Im Zeitraum von 1964 bis 1965 wurde das HG-34 um die 4. und 5. Staffel erweitert.

"Anfang März. Der Volksmarine werden im Standort Parow zwei U-Jagd-Hubschrauber Mi-4MÄ (UAW) sowjetischer Produktion zugeführt, deren Aufgabe das Aufspüren/Bekämpfen von U-Booten aus der Luft ist. Sie sind mit einem absenkbaren Magnetortungsgerät und einem Suchradar ausgerüstet. Im September 1965 erfolgt die Zuführung zwei weiterer Mi-4MÄ in die Hubschrauberstaffel der Volksmarine."
Quelle: Froh, K., Chronik der NVA, der Grenztruppen und der Zivilverteidigung der DDR 1956-1990. Verlag Dr. Köster, Berlin 2010. S. 169

Im Dez. 1966 erhielt das Hubschraubergeschwader-34 wieder eine neue Struktur:

- Stab
- Ausbildungskompanie A
- 1. Hubschrauberstaffel
- 2. Hubschrauberstaffel
- 3. Hubschrauberstaffel
- Wartungs- und Reparaturstaffel (WRS)
- Flugdienststaffel (FDS)
- Kontroll- und Reparaturstaffel (KRS) und
- Fliegertechnisches Bataillon 31 (FTB-31), einschl. Flugplatzwartungs- und Transportkompanie (FwTK).

Nach dem vom 13. Mai bis 20. Juni 1968 13 Hubschrauberführer und 16 Angehörige des ingenieurtechnischen Personals zur Umschulung auf den Hubschraubertyp Mi-8 waren, wurden dem HG-31 im Aug. 1968 die ersten drei Mi-8 zugeführt.

Am 01. März 1971 wurde das HG-31 in HG-34 und das FTB-31 in FTB-34 umbe-nannt. Am 01. Dez. 1971 erfolgten erneute Strukturveränderungen in Vorbereitung der Ausbildung von Offiziersschüler zu Hubschrauberführern sowie der Bildung von Kampfhubschraubergeschwadern.


4. Die sowjetischen Hubschraubertruppenteile und -einheiten in der Periode von 1968 bis 1973

Im Zeitraum von 1968 bis 1973 wurden folgende Hubschrauberregimenter (вертолётные полки – вп) und Luftgruppen (авиагруппы – аг) formiert:

- das 112., 211., 332. und 825. HSR im Jahre 1968,
- das 320. HSR im Jahre 1972 und
- das 1171. HSR im Jahre 1973

Die genannten Hubschrauberregimenter hatten ebenfalls vor allem Transportaufga-ben zu erfüllen. Hinter den Luftgruppen verbergen sich verstärkte Hubschrauberre-gimenter (Struktur siehe unten).

Die verstärkten Hubschraubergruppen erhielten, im Gegensatz zur bisherigen Praxis, eine Kampfkomponente. Zu den Luftgruppen bzw. verstärkten Hubschrauberregimentern gehörten:

- das 211. verstärkte HSR,
- ein verstärktes HSR von dem nur die Truppenteilnummer bekannt ist: в/ч 22467 und
- das 1171. verstärkte HSR.

Die Luftgruppen wurden den Luftsturmbrigaden der sowjetischen LaSK unterstellt, die Mitte der 1970er Jahre gebildet worden waren. Auf Grund ihrer Unterstellung unter den LaSK wurden sie auch als sogenannte "Luftlandetruppen der LaSK" (ВДВ Сухопутных Войск") bezeichnet, denn alle bisher formierten Luftlandetruppen waren Bestandteil der sowjetischen Luftstreitkräfte. Im Zeitraum von 1971 bis 1977 waren die Luftgruppen der 11., 13. und 21. selbstständige Luftlandebrigade (oтдельные десантно-штурмовые бригадые – одшбр) wie folgt organisiert:

- Führung mit Stab
- Fliegende Gruppe
- IAS-Dienst (инженерно-авиационная служба – иас)
- TESch-Dienst (технико-эксплуатационная часть – тэч)
- Führungskette mit 3 Mi-4 (звено управления)
- 1. und 2. Transporthubschrauberstaffel (1-я и 2-я транспортные вертолётные эскадрильи – твэ), jede mit 10 Мi-6А
- 3., 4. und 5. Hubschrauberstaffel (3-я, 4-я и 5-я вертолётные эскадрильи), jede mit 16 Mi-8T und 4 Mi-4AB, später
Mi-24A und danach Mi-24D
- Nachrichten- und Funktechnische Abteilung (дивизион связи и радиотехнического обеспечения)
- Flugplatztechnisches Sicherstellungsbataillon (батальон аэродромно-технического обеспечения – бато)

Insgesamt verfügte diese Hubschraubergruppen jeweils über 83 Hubschrauber da-runter 20 Mi-6A, 48 Mi-8T, 12 Mi-4AB und 3 Mi-4A.
Quelle: http://vertoletciki.forumbb.ru/viewtopic.php?id=486 (abgerufen am: 19. Dez. 2011 16:25)

Die oben genannten drei Luftsturmbrigaden und Hubschraubergruppen waren nicht in der DDR stationiert. Erst ab 1979 wurde der GSSD mit der 35. Selbstst. Luftsturmbrigade (35. Selbstst. LSBr – 35 одшбр) die erste Luftsturmbrigade zugeführt. Diese Brigade wurde ohne direkt unterstellte Hubschraubertruppenteile aufgestellt. Mir ist bisher leider nicht bekannt, welche Hubschraubertruppenteile diese Brigade sicherstellten. Es könnten aber z. B. die direkt der GSSD unterstellten Hubschraubertruppenteile gewesen sein, wie z. B. das 239. Transporthubschrauberregiment.

Die 35. Selbstst. LSBr war auf der Basis der 1979 in die DDR verlegten 14. Selbstst. LSBr durch Umbenennung im Dez. 1979 in Cottbus formiert worden. Von 1979 bis 1982 trug der Personalbestand dieser Brigade die Uniform der Mot.-Schützen.

Ende 1974 verfügten die sowjetischen Luftstreitkräfte über 15 selbstständige Hub-schrauberregimenter, 3 Hubschraubergruppen und 7 Ausbildungshubschrauberregimenter.
Quelle: http://www.ryadovoy.ru/forum/index.php?topic=2111.21 (abgerufen am: 16. Dez. 2012)

Außer den oben genannten Hubschrauberregimentern wurden in dieser Perio-de für die GSSD folgende zwei Hubschrauberregimenter aufgestellt, die mit dem ersten Hubschraubern zur Feuerunterstützung der sowjetischen Streitkräfte (später als Kampfhubschrauber bezeichnet) vom Typ Mi-24A ausgerüstet waren:

- das in Parchim im Bereich der 2. Garde-Panzerarmee stationierte 172. Selbstst. HSR im Jahr 1973 und
- das in Stendal-Borstel im Bereich der 3. Stoßarmee stationierte 178. Selbstst. HSR im Jahr 1974.

In dem im Heft 24 der FLIEGERREVUE extra abgedruckten Artikel "Wie der Kreml die DDR aufgab" schildern Stefan Büttner und Martin Ebert wie die Zuführung des 178. Selbstst. HSR zur 3. Stoßarmee und dessen Stationierung auf der Hubschrau-berbasis in Stendal-Borstel der GSSD vor sich ging:

"Im Juli 1973 landeten an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen Antonow-Transportflugzeuge und luden militärische Güter und Personal aus der Sowjetunion auf dem Flugfeld aus. Das 178. Kampfhubschrauberregiment war dem Stab der 3. Stoßarmee in Magdeburg … unterstellt. Westliche Beobachter ließen fortan die Aktivitäten auf dem Flugfeld nicht mehr aus den Augen, als wenige Tage später einige neue Transporthubschrauber Mi-8 auf dem Flugfeld landeten. Aber schon wenige Wochen später tauchte eine völlig neuartige und für den Betrachter ungewohnte Silhouette auf. Die NATO war schockiert über das was da am 29. August 1973 auf der Piste aufsetzte. Vier brandneue Mi-24 gelangten in den Bestand des neuen Kampfhubschrauberregimentes. Nur zwei Wochen später wurden zwei dieser eigentümlichen Hubschrauber im Flugdienst festgestellt und präsentierte sich somit ungewollt erstmals den Anwohnern aus Borstel aus nächster Nähe. …
In den folgenden Monaten fielen immer mehr Mi-8 und Mi-24 auf dem Flughafen ein und so erhöhte sich der Bestand des Regimentes im Jahr 1974 auf etwa 40 Hubschrauber beider Typen, wobei die Kampfhubschrauber die höchste Zahl aufwiesen. Ab Januar 1974 begann die Ausbildung des Personals. Geflogen wurde zumeist auf dem großen Truppenübungsplatz in der Colbitz-Letzlinger Heide. …
Spätestens mit der seit Juli 1974 regelmäßigen Teilnahme an Übungen der Luft- und Landstreitkräfte der sowjetischen Truppen in Deutschland erreichte das 178. Kampfhubschrauberregiment seine volle Einsatzfähigkeit. …
Als Flugdiensttage pendelten sich Montag, Mittwoch und Freitag ein. An diesen Ta-gen flogen sowohl das 178. Kampfhubschrauberregiment wie auch die eingangs erwähnte kleine Fliegereinheit der 207. Motorisierten Schützendivision, die militärisch korrekt als Selbstständige Hubschrauberabteilung betitelt wurde – alles in allem etwa 50 Hubschrauber der Typen Mi-2, MI-8T und Mi-24A. Eine kampfwertgesteigerte Version der MI-24 tauchte im Jahre 1976 auf dem Flugplatz auf, als die Umrüstung der Mi-24A auf Mi-24D in die Wege geleitet wurde. …"
Quelle: FLIEGERREVUE extra, Heft 24, Artikel "Wie der Kreml die DDR aufgab", S. 26f

So wie die in dem o. g. Artikel beschriebene Formierung des 178. Selbstst. HSR in der 3. Stoßarmee ablief, vollzog sich auch die Formierung der Kampfhubschrauber-regimenter in den anderen Armeen der GSSD, so u. a. auch auf der Hubschrauber-basis in Weimar-Nohra.

In dem o. g. Artikel wird auf der Seite 26 über dem Hubschrauber Mi-24 geschrieben: "Beeindruckend und gefährlich die Bewaffnung die aus einem Maschinengewehr im Bug und vier Panzerabwehrlenkraketen an den Waffenträgern sowie aus 128 ungelenkten 57-mm-Luft-Boden-Raketen bestand. Zusätzlich bestand die Möglichkeit, im Laderaum bis zu acht voll ausgerüstete Soldaten mitzuführen. Ein entsprechendes Gegenstück zu diesem Hubschrauber konnte die westliche Seite damals nicht entgegensetzen, was auch deren Überraschung erklärt." Diese Einschätzung entspricht den Tatsachen. Die US-Streitkräfte hatten zwar mit dem Bell AH-1 "Cobra" 1967 den ersten wirklichen Kampfhubschrauber der Welt in Dienst gestellt. Erst die 1975 eingeführte Version AH-1Q, die mit PALR "TOW" ausgerüstet wurde, verfügte auch über Panzerabwehrfähigkeiten. Diese Version war aber auf Grund der Waffenzuladung untermotorisiert. Die US-Streitkräfte unterzogen deshalb 92 AH-1Q und 198 AH-1G einer Modernisierung (Einbau einer stärkere Gasturbine (1.300 kW / 1.768 PS) und eines neuen Getriebes sowie Anbringung von je einem Vierfach-Werfer für PALR "TOW" an den äußeren Aufhängepunkten). Die Modernisierung wurde 1979 abge-schlossen und die modernisierten Hubschrauber erhielten die Bezeichnung AH-1S.

Anfänglich wurden in den sowjetischen Streitkräften diese Hubschrauberregimenter noch als selbstständige Hubschrauberregimenter (отдельные вертолётные полки – ОВП) bezeichnet. Ab Anfang der1980er-Jahre erhielten sie die Bezeichnung selbstständige Kampfhubschrauberregimenter (боевые вертолётные полки – ОБВП).

In den 1960er und 1970er-Jahren wurden in den sowjetischen Streitkräften ne-ben den Kampfeinheiten folgende sieben Ausbildungshubschrauberregimenter für militärischen Fliegerschulen formiert: das 95., 109., 131., 198., 330., 626.und 851. Ausbildungshubschrauberregiment. In diesem Zeitraum wurde auch das Zent-rum für den Gefechtseinsatz und die Umschulung des Personalbestandes (Anm.d.Verf. – für Hubschrauber) (Центр боевого применения и переучивания лётного состава – ЦБП ПЛС) in Woroschilowgrad (1964 bis 1967) gegründet, das dann ab 1967 nach Lipezk verlegt wurde.

Der in der BRD stationierten 7th U.S Army wurden bereits Anfang der 1970er-Jahre die ersten Kampfhubschraubereinheiten zugeführt. So wurden z. B. fol-gende Kampfhubschrauber-Kompanien, die bereits im Vietnam-Krieg eingesetzt waren, nach Deutschland verlegt:

- im Nov. 1972 die 334. Kampfhubschrauber-Kompanie (334th Attack Helicopter Company – 334th AHC) nach Hanau mit
18 KHS AH-1G "Cobra" und 2 MHS Bell UH-1 "Iroquois", letztere auch einfach "Hueys" genannt. Die 334th AHC war im
Sept. 1966 die erste AHC die in Vietnam mit dem modernisierten AH-1G "Cobra" ausgerüstet worden war.

- im Jan. 1973 die 175. Kampfhubschrauber-Kompanie (175th Attack Helicopter Company – 175th AHC) nach Illesheim
mit 22 KHS AH-1G "Cobra" und 2 MHS Bell UH-1 "Iroquois".

1966 erhielt die U.S. Army (Heer) von der ersten Produktionsversion des AH-1G "Huey Cobra" 110 Stück, 1967 – 420, 1968 – 308, 1969 – 38, 1970 – 174, 1971 – 70 und 1972 – 4 Stück. Bis zum Zeitpunkt der Einführung des sowjetischen Kampfhubschrauber Mi 24 hatte die U.S. Army bereits über 1.000 KHS AH-1G "Huey Cobra" erhalten, wenn auch ohne Panzerabwehrfähigkeiten. Von dieser Zahl muß man die Verluste von 282 KHS in Vietnam abziehen.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bell_AH-1 (abgerufen am: 31. Dez. 2011 17:08)

Die Bundeswehr verfügte am 31. Dez. 1969 über folgenden Hubschrauberbestand:

a) Bundesheer:

> 226 leichte Verbindungshubschrauber S.E. 3130 Allouette II
> 204 leichte Transporthubschrauber UH-1D "Iroquois",
> 27 mittlere Transporthubschrauber H-21 (CH-21C) "Workhorse" bzw. S-58
(H-34G) "Choctaw". Die Bw erhielt im Verlaufe der Zeit insgesamt 145 H-34G)

b) Bundesluftwaffe:

> 54 leichte Verbindungshubschrauber S.E. 3130 Allouette II bzw. 47 G (H-13)
"Sioux" und
> 113 leichte Transporthubschrauber UH-1D "Iroquois".

Quelle: Autorenkollektiv unter Leitung von Oberst Dr. sc. Tibor Dobias: Militärgeschichte der BRD. Abriß: 1949 bis zur Gegenwart. 1. Aufl. – Berlin: © Militärverlag der DDR, 1989. S. 289

Anfang der 1960er-Jahre wurden den Heeresdivisionen der Bundeswehr Heeresfliegerstaffeln unterstellt, so wurde z. B. für 7. PD ab 17. Nov. 1960 die HFlgStff 7 (anfangs in Celle, später in Rheine stationiert) aufgestellt. Die Heeresfliegerstaffeln der Heeresdivisionen der Bundeswehr wurden später zu Heeresfliegerbataillonen aufgewertet, so z. B. die HFlgStff 7 1968 zum HFlgBtl 7. Die zur 6. PGD (Neumünster) gehörende HFlgStff 6 wurde z. B. bereits im März 1963 zum HFlgBtl 6 aufgewertet.

Anfang der 1970er Jahre wurden die Heeresfliegerbataillone im Zusammenhang mit der Formierung der Heeresfliegerregimenter auf der Armeekorpsebene wieder zurückgestuft, so wurde z. B. am 01. April 1971 das HFlgRgt 10 (Anm.d.Verf. – leichtes Heerestransportfliegerregiment) in Celle aus Teilen der HFlgBtl 1, 7 und 11 aufgestellt. Das Regiment war mit dem leichten THS Bell UH-1D ausgerüstet, der bis zu 800 Kilogramm Außenlast und je nach Art des Einsatzes 6 – 8 Soldaten transportieren konnte. Außerdem konnte er mit zwei 7,62- mm-MG bewaffnet werden. Im Jahre 1971 wurde z. B. auch das HFlgRgt 25 aufgestellt, das anfänglich mit Hubschraubern vom Typ Sikorski H-34 ausgerüstet war. Ab 1973 erhielt das Regiment den MTH CH-53G .

Die Hubschrauberregimenter wurden den Heeresfliegerkommandos der Armeekorps der Bundeswehr unterstellt, wobei jedes AK über ein leichtes und ein mittleres HFlgRgt verfügte. 1980 kam für jedes AK noch ein Panzerabwehrhubschrauberregiment hinzu. Eine Ausnahme bildete das in der 6. PGD im Jahre 1980 formierte HFlgRgt 6, das über eine gemischte Hubschrauberausstattung verfügte: BO 105 P – Panzerabwehrhubschrauber, BO 105 M - Verbindungs- und Beobachtungshubschrauber und Bell UH-1 D - Leichter Transporthubschrauber.


5. Die Hubschrauberkräfte der Luftstreitkräfte der NVA in der Periode von 1968 bis 1981

18. Sept. 1968
"In den LSK der NVA und speziell im HG-31 (Brandenburg/Briest) werden die ersten drei Transporthubschrauber mit Turbinen-Strahl-Triebwerken – die Mi-8T – einge-führt. In Vorbereitung auf die Übernahme erhalten Hubschrauberführer und Angehörige des FID an der Schule der AEROFLOT in Krementschug/UdSSR eine Ausbildung/Einweisung auf der Mi-8T."
Quelle: Froh, K., Chronik der NVA, der Grenztruppen und der Zivilverteidigung der DDR 1956-1990. Verlag Dr. Köster, Berlin 2010. S. 224

18. Juni 1969
"In der TFS-29 (Marxwalde) wird eine Hubschrauberkette aufgestellt, der zwei Hub-schrauber des Typs Mi-8S zugeführt werden. Die Mi-8S dient zur Beförderung von Regierungsmitgliedern und leitenden Führungskadern des MfNV."
Quelle: Froh, K., Chronik der NVA, der Grenztruppen und der Zivilverteidigung der DDR 1956-1990. Verlag Dr. Köster, Berlin 2010. S. 233

01. Dez. 1972
"Die in Parow basierte Hubschrauberstaffel der Volksmarine wird in U-Jagd-Staffel umbenannt. Nach Zuführung weiterer neuer Hubschrauber wird auf der Basis dieser Staffel am 1. Dezember 1976 das Hubschraubergeschwader-18 (HG-18) aufgestellt, das am 1. Dezember 1981 in Marinehubschraubergeschwader-18 (MHG-18) umbenannt wird."
Quelle: Froh, K., Chronik der NVA, der Grenztruppen und der Zivilverteidigung der DDR 1956-1990. Verlag Dr. Köster, Berlin 2010. S. 278

26. April 1972
Im HG-34 "Werner Seelenbinder" trafen die ersten, in polnischer Lizenz hergestellten Mehrzweckhubschrauber vom Typ Mi-2 ein. Gleichzeitig beginnt damit die Stilllegung und Konservierung des Hubschraubers SM-1.
Quelle: Froh, K., Chronik der NVA, der Grenztruppen und der Zivilverteidigung der DDR 1956-1990. Verlag Dr. Köster, Berlin 2010. S. 284

Im Frühjahr 1973 wurde aus dem Bestand des in Brandenburg-Briest stationierten Hubschraubergeschwaders 34 (HG-34) der LSK der NVA ein Vorkommando für den neugebauten Flugplatz Basepohl/Stavenhagen gebildet.

Auf der 45. Sitzung des Nationalen Verteidigungsrats der DDR am 03. Mai 1974 wurde u. a. als Reaktion auf die Einführung des Kampfpanzers Leopard 2 und des Panzerabwehrhubschraubers PAH-1 in der Bundeswehr die Aufstellung eines Kampfhubschraubertruppenteils beschlossen.

Entsprechende eines Befehles des Min.f.NV wurden am 01. Nov. 1975 aus der
5. Staffel des HG-34 die Hubschrauberstaffel-54 (HS-54) und aus der 4. Staffel des HG-34 die Hubschrauberstaffel-64 (HS-64) aufgestellt. Die HS-54 und -64 waren dem Chef der Front- und Armeefliegerkräfte des Kdo. d. LSK/LV der NVA unterstellt.

Am 25. Nov. 1975 verlegte die HS-54 mit zwei Hubschraubern vom Typ Mi-2 und 4 Hubschraubern vom Typ Mi-8T von Briest nach Basepohl, während die HS-64 bis zum Nov. 1982 in Brandenburg-Briest verblieb.

Am 01. Dez. 1976 erhielt das HG-34 im Zusammenhang mit der Herauslösung der
4. und 5. Staffel folgende neue Struktur:

- zwei Einsatzstaffeln Mi-8,
- eine Ausbildungsstaffel Mi-8 und
- eine Kontroll- und Reparaturstaffel

Die HS-54 nahm vom Aug. bis Sept. 1976 am Manöver "Schild – 76" teil. Im Febr. 1977 trafen die ersten KHS vom Typ Mi-8TB in der HS-54 ein. Im Aug. 1978 erfolgte dann die Zuführung der ersten Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24D. Die flieger-technische Sicherstellung der HS-54 erfolgte durch das Fliegertechnische Bataillon-54 (FTB-54) mit der dort eingegliederten Nachrichten- und Flugsicherungskompanie. Zum Jahreswechsel 1978/79 wurden im Rahmen der Schneekatastrophe 144 Flüge unternommen, darunter 24 Rettungsmissionen. Am 07. Okt. 1979 nahmen sieben Mi-24 der HS-54 an der ersten Luftparade über Berlin zum Tag der Republik teil. Im Verlaufe des Jahres 1979 weitere vier Mi-24D zugeführt. Am 30. April 1981 wurde die HS-54 in das Diensthabende System (DHS) übernommen. Im Verlaufe des Jahres 1981 erfolgte die Zuführung von 18 Mi-24D.

01. Dez. 1976
"Die U-Jagd-Hubschrauberstaffel-18 der Volksmarine wird im Standort Parow zum Hubschraubergeschwader-18 (HG-18) umstrukturiert. Im Bestand sind Anfang 1977 fünf Mi-4A, vier Mi-4MÄ (Anm.d.Verf. – U-Jagd-Hubschrauber) und sechs Mi-8T so-wie die ersten Mi-8TB."
Quelle: Froh, K., Chronik der NVA, der Grenztruppen und der Zivilverteidigung der DDR 1956-1990. Verlag Dr. Köster, Berlin 2010. S. 380

Am 01. Dez. 1981 erfolgte die Umbenennung des HG-34 in Transporthubschraubergeschwader-34 (THG-34) mit folgender Struktur:

- Stab
- 1. und 2. Staffel Mi-8
- 3. Staffel Mi-2
- HS-64 mit Mi-2/Mi-8
- Kontroll- und Reparaturstaffel
- Fliegertechnische Bataillon-34 (FTB-34)

Die immer noch in Briest stationierte HS-64 erhielt im Febr. 1977 die ersten Kampf-hubschrauber vom Typ Mi-8TB. 1979 wurden dann die ersten Mi-24 zugeführt. Die fliegertechnische Sicherstellung der HS-64 erfolgte durch das Fliegertechnische Bataillon-64 (FTB-64) mit der dort eingegliederten Nachrichten- und Flugsicherungskompanie.


6. Die sowjetischen Hubschraubertruppenteile und -einheiten in der Periode von 1976 bis 1982

Diese Periode wurde vor allem durch die Formierung von 18 neuen Hubschrauberregimentern charakterisiert, darunter waren überwiegend Hubschrauberregimenter, die später in Kampfhubschrauberregimenter (отдельные боевые вертолётный полкu – обвп) umbenannt wurden.

Außerdem wurden 1977 die drei Luftgruppen (verstärkten Hubschrauberregimenter) aufgelöst und an ihrer Stelle sechs Hubschrauberregimenter formiert und den Selbstst. Luftsturmbrigaden (LSBr) unterstellt:

- 1977 das 292., 307., 325., 329. und 398. HSR sowie
- 1978 das 394. HSR.

Die Unterstellung unter den Selbstst. LSBr blieb bis 1988 erhalten.

Nachdem bereits 1973 das 172. Selbstst. KHSR in Parchim und im Juli/Aug. 1974 das 178. Selbstst. KHSR in Stendal-Borstel formiert worden war, wurden zwischen 1975 und 1979 der GSSD weitere drei KHSR zugeführt:

- in die 8. Gardearmee das 336. Selbstst. KHSR (336 обвп) nach Weimar-Nohra im Mai 1975,
- in die 1. Garde-Panzerarmee das 225. Selbstst. KHSR (225 обвп) nach Allstedt 1977 und
- in die 20. Gardearmee das 337. Selbstst. KHSR (337 обвп) nach Mahlwinkel im Sept. 1979.

"Jedes dieser Regimenter war mit insgesamt drei Staffeln – davon zwei gemischte Staffeln mit Mi-24W und Mi-24P sowie eine weitere mit Mi-8 – ausgerüstet. Die Aus-rüstung mit Mi-24P beschränkte sich auf das 172., 178. und 337. Hubschrauberregi-ment, während die Version Mi-24W in allen Regimentern vertreten war. Jede Staffel verfügte über 18 Kampfhubschrauber. In geringeren Stückzahlen existierten noch einige ältere Mi-24D, deren Verlegung in die Sowjetunion sich im letzten Stadium befand. Die dritten Staffeln setzten sich aus bis zu 18 Mi-8 zusammen. Konkret handelt es sich dabei um die Versionen Mi-8T in der Rolle als Transporthubschrauber und Mi-8TW zur Panzerabwehr. Je acht davon sowie zwei fliegende Führungsstellen Mi-8WKP tauchten in der Mitte der 1980er-Jahre in den Dokumenten auf.
Noch im Frühjahr 1990 ließen sich am Flugplatz Stendal schwer bewaffnete Mi-8TW beobachten. Diese gehörten zum 178. Hubschrauberregiment und unterstan-den der 3. Stoßarmee mit Stab in Magdeburg. Als Vertreter einer längst ausgestor-benen Spezies sorgte deren Existenz zu diesem Zeitraum bei Beobachtern für mancherlei Verblüffung. Wie aus einer anderen Zeitepoche kommend, drehten diese Hubschrauber noch 1990 ihre Runden über Stendal. Die Ablösung durch modernere Mi-8MWT war überfällig, blieb aber aus."
Quelle: Quelle: FLIEGERREVUE extra, Heft 24, Artikel "Wie der Kreml die DDR aufgab", S. 11ff

Das in Weimar-Nohra stationierte 336. Selbstst. KHSR nutzte ebenfalls noch im Frühjahr 1989 Hubschrauber des veralteten Typs Mi-8TW. Dies geht aus der Chronik dieses Regimentes hervor, in der am 29. April 1989 einen Absturz eines Hubschraubers dieses Typs von der 3. Staffel im Raum Ehrenberg verzeichnet ist.

"Von Mitte 1990 bis Anfang 1992 – Rückführung nach Russland – wurde keine Mi-8TW mehr beim 336. Hubschrauberregiment festgestellt. Stattdessen bestand die
3. Staffel durchweg aus der Transportvariante Mi-8T. Die reduzierten Bestände an Mi-8MT und Mi-8MTW fügen sich als weiteres Puzzle in die These, daß auf dem Gebiet der DDR die sowjetischen Armeefliegerkräfte technisch nicht mehr Schritt hielten."
Quelle: Quelle: FLIEGERREVUE extra, Heft 24, Artikel "Wie der Kreml die DDR aufgab", S. 12f

1980 wurde im Bestand der sowjetischen Luftstreitkräfte die neue Waffengattung "Armeefliegerkräfte" formiert, die die Hubschraubertruppenteile einschloß. Ab 1981 erfolgte die Unterscheidung und Umbenennung der Hubschrauberregimenter in:

- Selbstständige Kampfhubschrauberregimenter (отдельныe боевыe вертолётныe полки – обвп), in der Regel ausgerüstet mit zwei Staffeln mit Mi-24 und einer Staffel mit Mi-8;

- Selbstständige Hubschrauberregimenter (отдельныe вертолётныe полки – овп), in der Regel ausgerüstet mit zwei Staffeln mit Mi-6 / Mi-26, einer Staffel mit Mi-8 und einer Staffel mit Mi-24;

- Selbstständige gemischten Hubschrauberregimenter (отдельныe транспортно-боевыe вертолётныe полки – отбвп), anfänglich ausgerüstet mit zwei Staffeln Mi-4 und zwei Staffeln Mi-6, später mit zwei Staffeln Mi-8 und zwei Staffeln Mi-6 / Mi-26 und

- Selbständigen Hubschrauberregimenter der Führung und Aufklärung (отдельныe вертолётныe полки боевого управления – овп БиУ), anfänglich ausgerüstet mit zwei Staffeln Mi-24 und einer Staffel mit Mi-8 / Mi-9.

Quelle: http://vertoletciki.forumbb.ru/viewtopic.php?id=486 (abgerufen am: 21. Dez. 2011 18:41)

Am Beispiel der zur 3. Stoßarmee gehörenden Hubschrauberbasis in Stefan-Borstel und der auf ihr stationierten Hubschraubereinheiten kann die Entwicklung der Armeefliegerkräfte der GSSD deutlich gemacht werden:

"Die zweite Hälfte der 1970er-Jahre brachte eine Erhöhung des Regimentsbestandes (Anm.d.Verf. – 178. Selbstst. HSR) auf 40 Mi 24 und 20 Mi-8 mit sich und so erhöhte sich stetig die Zahl der Hubschrauber auf dem Flugplatz (Anm.d.Verf. – Stendal-Borstel). Ende der 1970er-Jahre ereilte die NATO ein zweiter Schock und auch hier spielte der Flugplatz Stendal seine Rolle im Kalten Krieg. Eine neuartige Version des bewährten Transporthubschraubers Mi-8T erhielt die schwerste Bewaffnung, die jemals an einem Hubschrauber zu sehen war. Ausgerechnet diese »Schlachtschiffvariante« wurde in Stendal stationiert. Das einzusetzende Waffenpotential des Regiments erhöhte sich deutlich und rückte somit den Flugplatz auf einen der vorderen Plätze in der Zielkartei der NATO-Streitkräfte. Aber es sollte alles noch viel schlimmer werden."
Quelle: Quelle: FLIEGERREVUE extra, Heft 24, Artikel "Wie der Kreml die DDR aufgab", S. 27

Zu diesem Auszug aus dem Artikel muß ergänzt werden, daß auch andere Selbstst. KHSR der GSSD mit dem "Schlachtschiff" Mi-8TB ausgerüstet wurden. Die Gesamtzahl der in der DDR eingesetzten Hubschrauber vom Typ Mi-8TB blieb mit 40 Maschinen aber begrenzt. Jedes der fünf Selbstst. KHSR verfügte in der Regel nur über acht Mi-8TB.

"Der Kalten Krieg in Europa, das Wettrüsten im allgemeinen und eine neue Verteidigungsdoktrin bescherte den sowjetischen Landstreitkräften ab Anfang der 1980er-Jahre eigene Fliegerkräfte, die als Armeefliegerkräfte bezeichnet wurden und im westlichen Sprachgebrauch den Heeresfliegern entsprechen. So formierte sich etwa 1982/83 die selbstständige Hubschrauberabteilung (Anm.d.Verf. – der ?. Division – die bereits ab seit 1969 hier basiert war – zu einer selbstständigen Hubschrauberstaffel der Feuerunterstützung (Anm.d.Verf. – der ? Division) um und erhielt ebenfalls Mi-24 als Haupteinsatzmuster. Ihre kleinen Verbindungshubschrauber Mi-2 wurden bis Ende der 1980-er Jahre ausgemustert. Der Bestand dieser Staffel belief sich Mitte der 1980er-Jahre auf bis zu 18 Hubschrauber. … Dicht gedrängt parkten nun an die 80 Hubschrauber auf der Stendaler Basis. Aber eine Steigerung sollte noch folgen. Hinzu kam dann auch noch ein sehr verschwiegener Truppenteil dessen Technik sich zwischen den zahlreichen Fahrzeughallen in der Garnison versteckte. Eine Drohnenstaffel zur Gefechtsfeldaufklärung erregte das Interesse westlicher Geheimdienste."
Quelle: Quelle: FLIEGERREVUE extra, Heft 24, Artikel "Wie der Kreml die DDR aufgab", S. 27

Bis zu diesem Zeitpunkt verlief die Entwicklung auf der Hubschrauberbasis Weimar-Nohra fast genauso wie auf der Hubschrauberbasis Stendal-Borstel.

Bemerkung:
- Begriffe:
>selbstständige Hubschrauberabteilung = отдельный вертолетный отряд – ово
> selbstständige Hubschrauberstaffel = отдельная вертолётная эскадрилья – овэ
> selbstständige Hubschrauberstaffel zur Feuerunterstützung = отдельная
вертолётная эскадрилья огневой поддержки – овэоп
> selbstständige Hubschrauberstaffel der Führung und Aufklärung = отдельная вертолётная эскадрилья боевого
управления – овэ БиУ
- Die selbstständigen Hubschrauberabteilungen zur Feuerunterstützung der Pz- und Mot-Schützendivisionen werden oft verwechselt mit den selbstständigen Hubschrauberabteilungen zur Führung und Aufklärung der Armeen.

"Im Verlaufe des Jahres 1987 entwickelten sich atemberaubende Dinge in der Flie-gergarnison und auf dem Flugfeld. Stendal avancierte zu größten Hubschrauber-basis der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Bautrupps beginnen im Juli 1987 mit der Errichtung weiterer Stellflächen für Hubschrauber auf der Südseite. An dieser Stelle war die selbstständige Hubschrauberstaffel der Feuerunterstützung dezentralisiert, die als Grundstock für die neue Einheit angesehen werden kann. Im Mai 1988 werden auf plötzlich auf dem Flugfeld ganze 95 Hubschrauber gezählt und auch auf anderen Flugplätzen (Anm.d.Verf. – der GSSD) vollziehen sich auffällige Änderungen. Es ist die Zeit als sich ein zweites Hubschrauberregiment formiert. In jener Zeit stampft das Militär insgesamt fünf neue Hubschrauberregimenter in Deutschland aus dem Boden. Das neue 440. Kampfhubschrauberregiment wurde ebenso der 3. Stoßarmee unterstellt und setzte sich aus den selbstständigen Staffeln der Feuerunterstützung (Anm.d.Verf. – der Divisionen) von den Flugplätzen Neuruppin, Mahlwinkel, Zerbst und Köthen zusammen. Die Situation in der Fliegergarnison wird unhaltbar. …
Seit 1988 flogen somit nun etwa 135 Hubschrauber in Stendal, das hatte einen täglichen Flugbetrieb von Montag bis Samstag zur Folge."
Quelle: Quelle: FLIEGERREVUE extra, Heft 24, Artikel "Wie der Kreml die DDR aufgab", S. 27
Stendal-Borstel hatte sich zur größten Hubschrauberbasis der sowjetischen Streit-kräfte in der DDR entwickelt.

Als der letzten sowjetischen Armee in der DDR im Sept. 1979 ihr Kampfhub-schrauberregiment zugeführt wurde, verfügte die 7th U.S. Armee in der BRD bereits über 230 KHS AH-1 "Cobra", 380 MHS UH-1 "Iroquois", 350 AklHS OH-58 "Kiowa" (Anm.d.Verf. – leichter AklHS) und 57 MTH CH-47 "Chinook". Mit der Zuführung der letzten neuen Kampfhubschrauber AH-1S im Okt./Nov. 1977 zur 7th U.S. Army wurden den in der BRD stationierten vier US-Divisionen je ein Heeresfliegerbataillon unterstellt. Damit verfügte eine in der BRD stationierte US-Division über fast so viel Kampfhubschrauber wie eine in der DDR statio-nierte sowjetische Armee. In der Anlage sind die Heeresfliegereinheiten der in der BRD stationierten 7th U.S. Army aufgeführt.

Die bereits schon sehr hohe Anzahl an Hubschraubern und Hubschraubereinheiten in der 7th U.S. Army erhöhte sich Mitte der 1980er Jahre noch weiter als die in den Panzer- und Mech. Divisionen vorhandenen Heeresfliegerbataillone zu Heeresflieger-/Aufklärungsbrigaden aufgestockt wurden. Außerdem wurde mit der Zuführung der ersten Kampfhubschrauber vom Typ AH-64A zur 7th U.S. Army eine weitere Erhöhung der Kampfkraft erreicht.

Aber nicht nur die U.S. Army verstärkte ihre Heeresfliegerkräfte. Die Bundeswehr verfügte Mitte der 1980er Jahre über folgende Anzahl und Typen an Hubschraubern:

- 212 Panzerabwehrhubschrauber 1 (PAH-1)
- 188 leichte Mehrzweckhubschrauber UH-1D "Iroquois" und
- 107 mittlere Transporthubschrauber CH-53G.

Quelle: Autorenkollektiv unter Leitung von Oberst Dr. sc. Tibor Dobias: Militärgeschichte der BRD. Abriß: 1949 bis zur Gegenwart. 1. Aufl. – Berlin: © Militärverlag der DDR, 1989. S. 477

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Grund: Formatierung und Ergänzung
Nur wer die Geschichte kennt, der versteht auch die Gegenwart. Die Geschichte ist keine Schiefertafel auf der man beliebig etwas hinzuschreiben oder wegradieren kann.
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Re: Die Armeefliegerkräfte der GSSD und NVA - Teil I

Beitragvon landy » Sonntag 29. Januar 2012, 11:37

Hallo,
vielleicht noch ein paar Anmerkungen: 1980-1991 arbeitete ich im Flugbetrieb des Spezialflugs der Interflug. In dieser Zeit gab es einige unschöne " Vorkommnisse" mit den Hubschraubern der GSSD, in die auch ich involviert war. Gerade die auf dem Fluplatz Nohra stationierten Kräfte sorgten immer wieder für Schweissausbrüche von Besatzungen der Erfurt anfliegenden Interflug Maschinen. Man hatte teilweise den Eindruck, das wir die Gegner waren. Die GSSD musste bei Einflügen in den Grenzsperrstreifen informiert werden. Ging diese Meldung an die dort stationierten Kräfte zu spät oder gar nicht ein, blickte man während des Arbeitsfluges auch mal in die Läufe der Bordkanonen von de Facto "angreifenden" Mi-24.
Das war dann nicht mehr lustig. Es gab auch Bestrebungen von uns, Flugplätze der GSSD in Karten zu vermerken, um für Notfälle einen sicheren Landeplatz mit Infrastruktur zu haben. Die wurde mit Hinweis auf die Geheimhaltung unterbunden. 1990 konnte ich einen Blick auf eine ICAO Karte Deutschland werfen. Dort waren alle Fluplätze vermerkt. Die Karten sind ja frei erhältlich. Soviel zum (damaligen) Thema Geheimhaltung.
VG
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