Die "Temp-S"-Raketenbrigaden der GSSD

Moderator: Panzermann

Die "Temp-S"-Raketenbrigaden der GSSD

Beitragvon Panzermann » Montag 24. September 2012, 15:56

5.2 Die "Temp-S"-Raketenbrigaden der GSSD
Im Zusammenhang mit der vom MDR am 18. Sept. 2012 ausgestrahlten Sendung "Geheime Zone - Der Truppenübungsplatz Ohrdruf" nachfolgend einige Ausführungen zu den "Temp-S" Brigaden der sowjetischen Streitkräfte. Die in dieser Sendung getroffene Aussage, daß die 8. GA über eine Raketenbrigade verfügt hat, deren Raketen eine Reichweite von 1.500 km hatten, entspricht nicht den Tatsachen. Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR hat es zu keinem Zeitpunkt ballistische Boden-Boden-Raketen der sowjetischen Landstreitkräfte mit einer Reichweite von 1.500 km gegeben. Dieser Beitrag ist Teil meiner Beiträge im Forum zum Thema "Stationierung sowjetischer Boden-Boden-Raketen auf dem Territorium der DDR".

Zur Erinnerung: Die sowjetischen Streitkräfte hatten von Januar bis September 1959 als Antwort auf die Einkreisungspolitik der USA und die Aufrüstung der NATO sowie als Demonstration sowjetischer Stärke zwei Raketenabteilungen mit Mittelstreckenraketen vom Typ R-12 / 8K63 (SS-4 "SANDAL") in der ehemaligen DDR (Fürstenberg und Vogelsang) stationiert. Diese Raketen hatten eine Reichweite von 1.200 km. Die beiden Raketenabteilungen unterstanden direkt dem Generalstab der sowjetischen Streitkräfte. Über diese Raketenabteilungen habe ich unter Thema "Kap. 1 - 3: Sowjetische Boden-Boden-Raketen in DDR" am 30. Okt. 2011 im Forum bereits ausführlich einen Beitrag veröffentlicht. Deshalb erspare ich mir hier weitere Ausführungen zu diesem Thema.

Als Folge des NATO-Doppelbeschlußes verlegten die sowjetischen Streitkräfte zwi-schen Januar und Mai 1984 aus dem europäischen Teil der Sowjetunion zwei Raketenbrigaden, ausgerüstet mit operativ-taktischen Raketen vom Typ "Temp-S" 9M76B, Nato-Code: SS-12, "SCALEBOARD", WVO-Code: OTR-22, in die ehemalige DDR und rüsteten die zur 11. Gardearmee gehörende 11. Raketenbrigade auf den operativ-taktischen Raketenkomplex 9K714 "Oka", Nato-Code: SS-23 "SPIDER-A, WVO-Code: OTR-23, um. Die "Temp-S"-Rakete hatte eine maximale Reichweite von 900 km und die "Oka"-Rakete bis maximal 450 km. Laut dem Pkt. 6 des Artikels II des INF-Vertrages vom 08. Dez. 1987 wurden die "Temp-S"-Raketen in die Gruppe der "Flugkörper kürzerer Reichweite" eingeordnet, da ihre Reichweite mehr als 500, jedoch nicht mehr als 1.000 km betrug. In den sowjetischen Streitkräften wurden die "Temp-S"-Raketen in die Gruppe der operativ-taktischen Raketen erhöhter Reichweite eingeordnet. Sie waren ein Element des Front- bzw. Militärbezirkskomplektes.

Ab 1986 wurden die den Divisionen unterstellten selbstständigen Raketenabteilun-gen, die mit dem taktischen Raketenkomplex 9K79 "Totschka", Nato-Code: SS-21, "SCARAB", WVO-Code: OTR-21, ausgerüstet waren, in der 449. Raketenbrigade zusammengefaßt. Der Stab dieser zur 8. Gardearmee gehörenden Raketenbrigade war in Arnstadt-Rudisleben stationiert, während der Stab der 11. Raketenbrigade in Weißenfels stationiert war. Der TR-Komplex "Totschka" hatte eine Reichweite bis 70 km. Der 8. GA waren also zu keinem Zeitpunkt Raketen mit einer Reichweite von 1.500 km unterstellt. Die 8. Gardearmee verfügte somit ab diesem Zeitpunkt über zwei Raketenbrigaden, eine mit operativ-taktischen und die andere mit taktischen Raketen ausgerüstet.

Die beiden auf dem Territorium stationierten "Temp-S"-Brigaden waren mit dem OTR-Komplex erhöhter Reichweite 9K76 "Temp S" ausgerüstet, zu dem folgende Hauptelemente gehörten:

a) bei Einführung des Komplexes 9K76:
(Rakete und Startfahrzeug sieh auf http://militaryrussia.ru/blog/topic-193.html)

- Rakete: TR-1 (9M76B)
NATO-Code: SS-12 (SS-12A) "SCALEBOARD A", auch "SCALEBOARD mod1"
WVO-Code: OTR-22
- Startrampe: 9P120 (Basis: MAZ-543A)

b) nach Einführung der Rakete 9M76B1

- Rakete: TR-1M (9M76B1 oder 9M76M)
NATO-Code: SS-22 (SS-12B, SS-12M) "SCALEBOARD B", auch "SCALEBOARD mod2"
WVO-Code: OTR-22
- Startrampe: 9P120 (Basis: MAZ-543A)

Die Rakete 9M76 war die erste mobile sowjetische operativ-taktische Boden-Boden-Rakete dieser Reichweite mit Feststoffantrieb.

Laut der Publikation "Советская Армия в годы «холодной войны (1945-1991)" Seite 34 verfügten die Raketentruppen und Artillerie der sowjetischen LaSK Anfang 1988 über drei Raketenbrigaden mit jeweils drei Regimentern und fünf selbständigen Raketenregimenter, die mit dem OTR-Komplex "Теmp-S" ausgerüstet waren. Jedes Regiment hatte vier oder sechs Startrampen im Bestand. Diese Raketen hatte eine Reichweite von minimal 300 bis maximal 900 km. Sie waren Mitte der 1970er Jahre von den Strategischen Raketentruppen an die LaSK übergeben worden. Die o.g. Brigaden und selbstständigen Regimenter waren wie folgt stationiert:

- auf dem Territorium der DDR zwei Brigaden und zwei selbständige Regimenter;
- auf dem Territorium der ČSSR zwei Brigaden;
- im Belorussischen Militärbezirk ein Regiment;
- im Fernöstlichen Militärbezirk eine Brigade;
- im Militärbezirk des Transbaikalien eine Brigade;
- im Sibirischen Militärbezirk ein selbständiges Regiment;
- im Mittelasiatischen Militärbezirk eine Brigade und ein selbständiges Regiment.

Insgesamt befanden sich 135 Startrampen, 220 entfaltete und 560 nicht entfaltete Raketen "Temp-S" im Bestand der sowjetischen LaSK.

Die mit dem OTR-Komplex 9K76 "Temp S" ausgerüstete 119. und 152. Raketen-brigade (RBr) waren in der ehemaligen DDR an folgenden Standorten stationiert.

- Die 119. RBr (119 ракетная бригада – 119 рбр, в/ч пп 65598) war mit der 1160. selbst. RA (в/ч пп 81185) und 1164. selbst. RA (в/ч пп 82201) in Königsbrück (510 16’N, 130 53‘ O) stationiert. Diese RBr verfügte über 11 Start-rampen, 19 Einsatzraketen, 10 Lehrraketen und 9 Transport- und Ladefahrzeuge (TLF). Sie war am 11. Mai 1984 aus der Grusinischen SSR nach Königsbrück verlegt worden. Die zur 119. RBr gehörende und in Bischofswerda (510 08’N, 140 12‘ O) stationierte 1.150 selbst. RA (в/ч пп 68257, позывной " Надой") verfügte über 5 Startrampen, 8 Einsatzraketen und 4 Lehrraketen. Die 119. RBr sich vom 11. Juni 1984 bis 02. Febr. 1988 im Diensthabenden System. Für die Sicherstellung der 119. RBr mit Raketen und Gefechtsköpfen war die ebenfalls im Raum Königsbrück (wahrscheinlich Schwepnitz) stationierte 2454. Bewegliche Raketentechnische Basis BRTB (в/ч пп 82431) zuständig. Eine Sicherstellungsgruppe der 2454. BRTB befand sich bei der in Bischofswerda stationierten 1.150 selbst. RA, die zur 119. RBr gehörte.

- Die 152. RBr war mit der 229. selbst. RA (в/ч пп ?) und der 675. selbst. RA (в/ч пп ?) in Warenshof (530 32’N, 130 15‘ O), einem Ortsteil von Waren (Müritz), stationiert. Dies RBr verfügte über 12 Startrampen, 22 Einsatzraketen, 7 Lehrra-keten und 9 TLF. Die zur 152. RBr gehörende und in Wokuhl (530 16’N, 130 15‘ O) stationierte 806. selbst. RA (в/ч пп 81185) war mit 6 Startrampen und 3 Ra-keten ausgerüstet.

Der Stab und die 229. selbst. RA waren ab Dez. 1983 in Wokuhl und danach ab Dez. 1984 in Alt-Strelitz stationiert. Die übrigen zwei selbst. RA waren vom Dez. 1983 in Neu-Thymen (7 km von Fürstenberg) und danach ab Dez. 1984 in Wa-ren-Müritz stationiert.

Für die Sicherstellung der 152. RBr mit Raketen und Gefechtsköpfen war offen-sichtlich ebenfalls eine in Waren – OT Warenshof stationierte BRTB zuständig, da nach Aussagen sowjetischer Armeeangehöriger die Kernsprengköpfe der "Temp S"-Brigaden mit den Startrampen "hinter einen gemeinsamen Zaun la-gen".

In mehreren russischen Quellen wird davon gesprochen, daß in der DDR zwei selbstständige Raketenbrigaden und zwei selbstständige Raketenregimenter mit OTR-Komplexen 9K76 "Temp S" stationiert waren. Dies würde bedeuten, daß die in Wokuhl und Bischofswerda stationierten Raketenabteilungen im eigentlichen Sinne selbstständige Raketenregimenter waren. Insgesamt waren nach offiziellen Angaben 33 Startrampen des "Temp S"-Komplexes 9K76 (SS-12 "SCALEBOARD mod 1") in der DDR stationiert.

Zur Sollstärke einer "Temp-S"-Raketenbrigade gehörten:

- 3 selbstständige Raketenabteilungen (außer die 122. RBr nach ihrer Verlegung zur Zentralen Gruppe der Truppen), jede mit 2 Raketen (Start-)Batterien, jede mit 2 Raketen (Start-)Zügen, jeder mit 2 Raketengruppen, jede mit einer Startrampe 9P120 und einem Prüf- und Startfahrzeug 9W243. Eine Raketen (Start-)Batterie verfügte somit über 4 Startrampen. Eine Ausnahme bildete die 122. RBr, in der die Raketenabteilungen über jeweils 3 Raketen (Start-)Batterien zu je 2 Startrampen verfügten. Damit verfügten deren Raketen (Start-)Batterien über 6 Startrampen.
- 1 Führungs- und Vermessungszug mit Vermessungsfahrzeugen vom Typ 9T12 (топопривязчики 9Т12);
- 1 Raketen-Technischer Zug mit einer Startrampe 9P120;
- 1 Reserve-Startrampe mit einer Startrampe 9P120, nur bei der 122. RBr bei ihrer Verlegung in die Zentrale Gruppe der Truppen;
- 1 Komplex zur automatisierten Führung von Kernwaffenschlägen 9S943 "Plaid" auf der Basis eines Kfz vom Typ Ural-375D (2 Rechner, Funkstationen vom Typ R-134 und R-143), ab 1985 nur in einer RBr der GSSD vorhanden, später in zwei.

Zur Sollstärke einer selbstständigen "Temp-S"-Raketenabteilung gehörten:

- 2 Raketen (Start-)Batterien
- 1 Führungsbatterie
- 1 Instandsetzungszug Bewaffnung
- 1 Kfz-Instandsetzungszug
- 1 Wirtschaftszug

Zur Startausrüstung des Raketenkomplexes 9K76 gehörten:

- 1 Startrampe 9P120 mit einem beheizbaren Container vom Typ 9T230
- 1 Start- und Prüffahrzeug vom Typ 9W243 auf der Basis des Kfz Ural-375D mit eingebautem Stromaggregat

Zur Sicherstellungstechnik des Raketenkomplexes 9K76 gehörten:(Sicherstellungsfahrzeuge siehe http://militaryrussia.ru/blog/topic-193.html und http://statehistory.ru/books/Evgeniy-Ko ... y-Armii/89)

- Transport- und Ladefahrzeuge 9T215 für Raketen mit oder ohne Gefechtskopf im wärmeisolierten, beheizbaren Container 9Т230 auf der Basis des МАZ-543
- Transport- und Ladefahrzeuge 9T219 für Raketen ohne Gefechtskopf im wär-meisolierten Container ohne Heizung auf der Basis des МАZ-543
- Thermokoffer mit isothermischen Aufbau zum Transport von Kernsprengköp-fen vom Typ 9F21 / 9F21М auf der Basis des Kfz SIL-157 oder 9F223 auf der Basis des Kfz SIL-131;
- Prüffahrzeug 9W476 auf der Basis des Kfz Ural-375D;
- Vermessungsfahrzeug 1Т12 / 1Т12-1 / 1Т12-1М auf der Basis des Kfz GAZ-66;
- Dekontaminierungsfahrzeug 8Т311М1;
- Autokran 9Т35 (16 Tonnen) auf der Basis des MAZ-543;
- Autokran 9Т31М1 zur Gefechtskopfmontage;
- 1 Komplex zur automatisierten Führung von Kernwaffenschlägen 9S943 "Plaid" auf der Basis eines Kfz vom Typ Ural-375D (2 Rechner, Funkstationen vom Typ R-134 und R-143), ab 1985 nur in einer RBr der GSSD vorhanden, später in zwei.

Vor der Eingliederung der "Temp-S"-Raketenbrigaden in die GSSD und ZGT wurden diese mit folgenden Spezialfahrzeugen auf der Basis des MAZ-543 ausgerüstet:

- Führungsfahrzeug 15W129,
- Generatorfahrzeug 15N1061 / 5S15 (Basis MAZ-543A),
- Küchenfahrzeug 15Т117,
- Speisesaalfahrzeug 15Т118.

Laut Aussagen von ehemaligen Angehörigen der 119. RBr befanden sich die Raketen, die für den ersten Schlag bestimmt waren, ständig auf den Startrampen, während die Spezialgefechtsköpfe in der 2454. BRTB lagerten. Jeweils eine Abteilung der "Temp-S"-Brigaden befand sich ständig im "Diensthabenden System" und war somit ständig zum Raketenstart bereit. Die Startrampen im "Diensthabenden System" waren in geschützten Bunkern untergebracht. Bei Alarm fuhren die Startrampen aus ihren Bunkern und jeweils eine stellte sich links und rechts von einem Kran auf, um das Andocken Gefechtsköpfe zu gewährleisten. Der Kran befand sich ständig auf einer befestigten Fläche in der Mitte zwischen zwei Startrampen. Die BRTB war zum ersten Mal in der Geschichte der Raketentruppen und Artillerie der sowjetischen LaSK mit der Brigade "hinter einem gemeinsamen Zaun" stationiert. Für die Sicherstellung der RA in Bischofswerda wurden die erforderlichen Sicherstellungskräfte aus dem Bestand der 2454. BRTB nach Bischofswerda verlegt.

Es ist davon auszugehen, daß die 152. RBr und die für sie bestimmte BRTB eben-falls gemeinsam "hinter einem gemeinsamen Zaun" stationiert waren. D.h., daß erst ab 1984 die Kernsprengköpfe der Raketenbrigaden sich am gleichen Standort wie die Raketenbrigaden befanden. D.h., wiederum, daß Oberkommandierende der GSSD, General Burlakow, die Wahrheit über die Lagerung von Kernsprengköpfen in unmittelbarer Nähe der Startrampen gesagt hat, was bisher nicht nur von mir angezweifelt wurde.

Der OTR-Komplex 9K76 mit der Rakete 9M76B wurde auf Grund der Direktive des Ministerrates der UdSSR Nr. 1139-382 vom 29. Dez. 1965 in die Bewaffnung der Strategischen Raketentruppen aufgenommen. Zum Komplex gehört die Startrampe 9P120 auf der Basis des MAZ-543A. In der angegebenen Quelle sind auch Abbil-dungen des Komplexes 9K76 vorhandenen.

Taktisch-technische Daten der Startrampe 9P120:
- Basis: МАЗ-543А
- Dieselmotor: Д12А-525А (Modifikation des Panzermotors W-2)
- Leistung: 525 PS
- Antriebsformel: 8 х 8
- Lenkbare Achsen: die ersten zwei Achsen
- Länge der Startrampe: 11.490 mm
- Breite: 3.050 mm
- Kraftstoffvorrat: 520 Liter
- Wendekreis: 13.5 Meter
- Leergewicht: 20 Tonnen (ohne Erstauffüllung und Besatzung)
- Gefechtsgewicht: 40,8 Tonnen

Bemerkung:
Angaben der Gewichte aus dem Beitrag von Евгений Кочнев "Секретные автомобили Советской Армии" auf der Seite http://statehistory.ru/books/Evgeniy-Ko ... y-Armii/89.

Einige taktisch-technische Daten der Rakete 9М76B:
ballistische Zweistufen-Feststoffrakete
Lenkung der 9M76B: Trägheitsnavigationsplattform
Lenkung der 9M76B1: Trägheitsnavigationsplattform plus
aktive Radarzielsuche
Länge der Rakete 9M76B: 12.384 Meter
Max. Durchmesser: 1.010 Millimeter
> mit ausgeklappten Stabilisatoren 1.200 mm
Gewicht der Rakete: 9.300 Kilogramm
Gewicht des Gefechtskopfes: 528 Kilogramm (9М76Б, БЧ АА-81)

Reichweite der Rakete 9М76B: 300 – 900 Kilometer

CEP: > 1.000 Meter für die Rakete 9M76
> 400 – 500 Meter nach westlichen Angaben für die Rakete 9M76B
> 30 – 150 Meter für die Rakete 9M76B1
> die Abweichung bei den praktischen Starts betrug in der Entfernung
+ 75 Meter und in der Richtung 110 Meter bei einer Schußweite von
925 Kilometer für die Rakete 9М76B

Zeit zum Start aus der Bereitschaftstufe Nr. 2: 20 Minuten

Bei dieser Bereitschaftsstufe befand sich die im Container befindliche Rakete in vertikaler Lage. Der Starttisch war unten mit einem Wärmeschutz versehen. In dieser Stufe konnte die Rakete 6 Monate gehalten werden.

Gefechtsköpfe:

- Kernsprengkopf БЧ АА-81 mit einer Sprengkraft von 500 kT TNT, der auch von 1984 bis 1988 in der DDR gelagert wurde.
- Kernsprengkopf mit der Kernladung "906В" mit einer Sprengkraft von 300 kT/ 600 kT / 990 kT und 1,5 MT TNT.
- thermonuklearer Kernsprengkopf "АА-19" mit der Kernladung "910" mit einer Sprengkraft von 300 kT TNT.
- chemischer Gefechtskopf "Туман-2" (dt. "Nebel-2")

Auf der Grundlage des im Dez. 1987 zwischen der UdSSR und der USA abge-schlossenen INF-Vertrages wurden die OTR-Komplexe "Temp-S" im Zeitraum von 01. Jan. 1988 bis 25. Juli 1989 aus der Bewaffnung der herausgenommen und liquidiert.

Schlußbemerkungen:

Auf Grund der Reichweite war der Operativ-Taktische Raketenkomplex 9K76 "Temp-S" für die Lösung von Aufgaben im Interesse der Front (GSSD, ZGT) vorge-sehen und gehörte deshalb nicht zum Armeekomplekt, also auch nicht zur 8. GA.

Die Stationierung des OTR-Komplexes 9K76 im Stationierungsraum der 8. GA, der zu großen Teilen in der Reichweite der taktischen Kernwaffeneinsatzmittel der NATO lag, wäre militärischer Unsinn gewesen.

Die Stationierung des OTR-Komplexes 9K76 im Stationierungsraum der 8. GA wäre auf Grund der für diesen Raketenkomplex erforderlichen Infrastruktur und der Größe und Art sowohl der Start- als auch der Sicherstellungsfahrzeuge in den ehemaligen Bezirken Erfurt, Suhl und Gera außerdem auffällig und besonders leicht aufzuklären gewesen.

Die in der DDR und der CSSR stationierten "Temp-S"-Raketen dienten eindeutig zur Abschreckung. Auf Grund der 38 mal höheren Sprengkraft des Kernsprengkopfes der "Temp-S" (500 kT TNT), gegenüber der "Hiroshima-Bombe" ( 13 kt TNT) verfügte sie über eine hohe Vernichtungskraft und war vor allen für den Einsatz gegen Flächenziele gedacht.

Quellen:

- Beitrag: "9К76 Темп-С - SS-12 / SS-22 SCALEBOARD" auf der Internetseite
http://militaryrussia.ru/blog/topic-193.html mit letzten Korrekturen vom 25.05.2012
- Beitrag: "9к76 оперативно-тактический ракетный комплекс »ТЕМП-С«"
http://russianarms.mybb.ru/viewtopic.php?id=461
- Феськов В.И., Калашников К.А., Голиков В.И.: Советская Армия в годы «холодной войны» (1945-1991). - Томск: Изд-во Том. ун-та, 2004
- Широкорад А. Б.: Энциклопедия отечественного ракетного оружия 1817 - 2002, Харвест 2003
- INF-Vertrag auf der Internetseite http://www.peterhall.de/treaties/inf/text/art03.html
- Beitrag: "119 и 23 РАКЕТНАЯ БРИГАДА" auf der Internetseite http://forum.11td.ru/index.php?showtopic=193&st=0
- Beitrag: "ПОСЛЕДНЕЕ ДЕЖУРСТВО" auf der Internetseite http://forum.11td.ru/index.php?showtopic=193&st=15

Gruß

Panzermann
Zuletzt geändert von Panzermann am Montag 24. September 2012, 16:02, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Korrektur
Nur wer die Geschichte kennt, der versteht auch die Gegenwart. Die Geschichte ist keine Schiefertafel auf der man beliebig etwas hinzuschreiben oder wegradieren kann.
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Re: Die "Temp-S"-Raketenbrigaden der GSSD

Beitragvon Chlotar » Montag 24. September 2012, 17:52

Hallo Panzermann,

ich muß einfach mal Danke sagen! Selten habe ich in Internetforen solche sachlichen, qualifizierten und in ihrer Aussage belastbaren Beiträge gelesen!

Danke und viele Grüße
Chlotar
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Re: Die "Temp-S"-Raketenbrigaden der GSSD

Beitragvon Volwo » Montag 24. September 2012, 19:05

Auch von mir ein großes Danke!! :-top) (-oo-)
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Re: Die "Temp-S"-Raketenbrigaden der GSSD

Beitragvon kallepirna » Montag 24. September 2012, 21:04

Wie immer Top mach weiter so. Mfg.kallepirna
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Re: Die "Temp-S"-Raketenbrigaden der GSSD

Beitragvon XS500 » Dienstag 25. September 2012, 07:20

Hai,

Panzermann, ich find den Beitrag einfach genial. Das Gedächtnis möchte ich auch mal haben.

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Re: Die "Temp-S"-Raketenbrigaden der GSSD

Beitragvon PEKE » Dienstag 25. September 2012, 12:45

Danke für die Richtigstellungen ---> Film, Ex. Offizier
Und Danke für Deine Arbeit, ist mit Sicherheit eine Fleißarbeit.
Gruß Peter

Team Σ Sigma


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