449. Raktenbrigade der 8. GA

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449. Raktenbrigade der 8. GA

Beitragvon Panzermann » Sonntag 19. Februar 2017, 08:54

449. Raketenbrigade (449 ракетная бригада – 449 рбр, в/ч пп 93861, позывной "Тейво")
mit Stab in Arnstadt-Rudisleben mit 12 Startrampen des taktischen Raketenkomplexes 9K79 "TOTSCHKA" (SS-21 "SCARAB"). Diese RBr wurde 1986 aus drei selbst. Raketenabteilungen (selbst. RA) von Divisionen der 8. GA gebildet. Jede der Divisionen der 8. GA verfügte Mitte der 1980er Jahre über eine selbst. RA mit jeweils 12 Startrampen:

> der 324. selbst. RA (Halle-Wörmlitz - 27. GMSD) (324 ордн, в/ч пп 55460),
> der 329. selbst. RA (Ohrdruf - 39. GMSD) (329 ордн, в/ч пп 22409),
> der 345. selbst. RA (Rudolfstadt - 79. GPD) (345 ордн, в/ч пп 63601) und
> der 651. selbst. RA (Zeitz - 57. GMSD) (651 ордн, в/ч пп 45335).

Da die 449. RBr aber nur über 12 Startrampen verfügte, können eigentlich nur drei Divisionsraketenabteilungen in die 449. RBr eingegliedert worden sein.

Die mit dem TRK 9K79 "TOTSCHKA" ausgerüsteten RBr verfügten außer der Raketentechnik über zehn gepanzerte Führungsstellen R-145 BM (Basis SPW-60PB). Aus Informationen von ehemaligen Angehörigen der 39. GMSD, ist bekannt, daß die zu dieser Division gehörende RA 1986 von Ohrdruf nach Arnstadt-Rudisleben verlegt worden ist.

Die Rakete "TOTSCHKA" hatte in Abhängigkeit von der Art des Gefechtskopfes eine Reichweite von 15 bis 70 km. Ihre Treffgenauigkeit betrug je nach Flugweite zwischen 50 - 250 m. Für diesen Raketenkomplex waren folgende Gefechtsköpfe vorhanden:

> die Rakete 9M79B / 9M79-1 mit dem Kernsprengkopf 9N39 mit der
Kernladung AA-60 mit einer Sprengkraft von 10 kt TNT,
> die Rakete 9M79B1mit dem Kernsprengkopf besonderer Wichtigkeit 9N64
mit der Kernladung AA-86 mit einer Sprengkraft bis 200 kt TNT, nach anderen
Angaben nur 100 kt TNT,
> die Rakete 9M79F / 9M79F1 mit dem Splitter-Spreng-Gefechtskopf 9N123F /
9N123F1. Auf Signal eines Lasersensors wird der Gefechtskopf in einer Höhe
von 15 +/- 6 Meter über den Erdboden gezündet. Sein Gewicht beträgt 482 kg.
Bei der Explosion entstehen ca. 14.500 Splitter verschiedener Größe (von 5,47
bis 20,6 Gramm). Die Vernichtungsfläche beträgt 2 bis 3 Hektar.
> die Rakete 9M79K / 9M79-1K mit dem Kassetten-Gefechtskopf 9N123K, der
50 Splitter-Bomblets vom Typ "9N24", jedes mit einem Gewicht von 7,45 kg
beinhaltet. Die Masse dieses Gefechtskopfes beträgt ebenfalls 482 kg. Auf ein
Signal eines Funksensors erfolgt die Zündung der zentralen Ladung in einer
Höhe von 2.250 m. Ein Splitter-Bomblet enthält 316 Splitter. Bei der Explosion
entstehen 15.800 Splitter, jeder mit einem Gewicht von 7 Gramm. Die
Vernichtungsradius beträgt ca. 3,5 – 7 Hektar.

Zum Bestand eines taktischen Raketenkomplexes gehörten:

> die Räderstartrampe 9P129 / 9P129M (schwimmfähig),
> das Raketen-Transport-Ladefahrzeug 9T218 (schwimmfähig),
> das Raketen-Transportfahrzeug 9T222 (ZIL-137 mit Sattelauflieger 99511)
> das Automatisierte Kontroll- und Prüffahrzeug AKIM 9W819 (Basis: ZIL-137)


85. Bewegliche Raketentechnische Basis (85 подвижная ракетно-техническая база – 85 пртб, в/ч пп 38673)
mit Stab in Halle-Heide. Sie war mit großer Wahrscheinlichkeit für die Sicherstellung der mit TR-Komplexen ausgerüsteten selbstständigen Raketenabteilungen der 8. GA zuständig. Ein ehemaliger Angehöriger der GSSD teilte über die 85. BRTB (в/ч 38673) folgendes mit: "Die BRTB в/ч 38673 (RTA) zählte zur Waffengattung Raketentruppen und Artillerie. Offensichtlich stellte sie die selbstständigen Raketenabteilungen sicher. Sie war geheim. Sie gehörte nicht zum Bestand der Division. Sie war der 8. Garde-Armee unterstellt."
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Re: 449. Raktenbrigade der 8. GA

Beitragvon spurensucher » Montag 20. Februar 2017, 10:13

Jede der Divisionen der 8. GA verfügte Mitte der 1980er Jahre über eine selbst. RA mit jeweils 12 Startrampen

Ich denke da liegt ein Schreibfehler vor.
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Re: 449. Raktenbrigade der 8. GA

Beitragvon Panzermann » Montag 20. Februar 2017, 10:21

Hallo Spurensucher,

danke für die Korrektur. Die selbstständigen Raketenabteilungen verfügten natürlich nur über jeweils 4 Startrampen. Obwohl laut dem Buch "Raketentruppen der NVA-Landstreitkräfte - Geheimhaltungsgrad aufgehoben" eine Erhöhung der Anzahl der Startrampen von 4 auf 6 Ende der 1980er Jahre möglicherweise erfolgt ist.

Gruß

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