Entwurf Zeitleiste Amt 10 Teil 3 1938 - 1940

Alles über den TrUebPl Ohrdruf

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Entwurf Zeitleiste Amt 10 Teil 3 1938 - 1940

Beitragvon Panzermann » Montag 5. Dezember 2011, 18:09

Entwurf einer Zeitleiste zum Amt 10 Teil III 1938 – 1940

1938

12. März 1938
Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich unter dem Decknamen Unter-nehmen "Otto".

22. April 1938
"Das Reichpostministerium [erhält] die aus den neuen Aufmarschplanungen zum Fall »Grün« abgeleiteten Leitungsanforderungen mit dem Auftrag zur Vorbereitung eines völlig neuen Störungsnetzes »Hermann«, das die Nachrichtenverbindungen vom Oberkommando des Heeres über die Armeeoberkommandos bis zu den Generalkommandos sowie die Verbindungen des Zusammenwirkens in der obersten Führungsebene enthielt. Seine Struktur ließ nun deutlich den Offensivaufmarsch des Heeres gegen die Tschechoslowakei erkennen. Führungsstellen für Armeeoberkommandos waren fernmeldemäßig vorzubereiten bzw. weiter auszubauen in Cosel (AOK 2), Freiburg (AOK 8), Schwandorf (AOK 10), Passau (AOK 12) und Göpfritz (AOK 14). die mit den Sicherungsaufgaben gegenüber Polen bedachten Armeen behielten ihre Führungsstellen in Müncheberg (AOK 4) bzw. Königsberg (AOK 3). Das für den Aufmarsch »Rot« - Sicherung gegen Frankreich – vorbereitete Störungsnetz »Ottokar« blieb im wesentlichen in der bisherigen Struktur erhalten. Für die oberen Kommandobehörden sah es Führungsstellen in Frankfurt/Main (ObKdo. HGr.2), Euskirchen (AOK 5), Bad Kreuznach (AOK 1) und Calw (AOK 7) vor."
Quelle: Kampe, H. G.; Die Heeres-Nachrichtentruppe der Wehrmacht 1935-1945. Edition DÖRFLER im NEBEL VERLAG GmbH, Eggolsheim. S. 88

03. Mai 1938
Die Abteilung Wehrmachtnachrichtenverbindungen (WNV) im OKW hebt den Bau-stopp für den unterirdischen Nachrichtenbunker "Amt 800" (milit. Tarnbezeichnung "Bernstadt") 2 km westl. Arnstadt auf und bestätigt den vom RPM vorgeschlagenen Standort "...Gelände des Eulenberges westlich Arnstadt und südlich der Straße Arnstadt – Holzhausen... OKH bittet, die Durchführung des Bauvorhabens so einzu-teilen und zu beschleunigen, daß die Fertigstellung zum 30.9.1939 gewährleistet ist."

Nach den Vorstellungen der Abt. WNV / OKW soll der Bunker einen unterirdischen Zugang von der Kaserne der FüNaAbt 40 erhalten (Kreuzung der Straße Arnstadt – Holzhausen).
Quelle: Vereinszeitschrift der Geschichts- und Technologiegesellschaft Großraum Jonastal e. V. Nr. 6. S. 25

30. Mai 1938
Der ObdW erteilt eine Weisung an die OB der Wehrmachtteile für den Plan "Grün" (Tschechoslowakei). Diese Weisung beinhaltet eine neue Fassung des Teils 2 Abschnitt 2 [Zweifrontenkrieg mit Schwerpunkt Südost (Aufmarsch Grün)] der Weisung für die einheitliche Kriegsvorbereitung der Wehrmacht vom 24.6.1937.
Quelle: Absolon, Rudolf: Die Wehrmacht im Dritten Reich. Band IV 5. Februar 1938 bis 31. August 1939. © 1998 HARALD BOLDT VERLAG IM R: OLDENBOURG VERLAG. 2. Aufl. München. S. 363

01. Aug. 1938
Das RPM meldet die Fertigstellung des Maschenkabels Fk 224 ARNSTADT – STÜTZHAUS (102 p – 22 km) aus dem Sonderbauprogramm 1937/38. Das Kabel wird aber vorerst nicht beschaltet und in Betrieb genommen.
Quelle: Vereinszeitschrift der Geschichts- und Technologiegesellschaft Großraum Jonastal e. V. Nr. 6. S. 25

27. Okt. 1938
Der unterirdische Nachrichtenbunker "Amt 10" "Olga" wird betriebsbereit übergeben.

"Von hier aus waren nunmehr Verbindungen im Fernkabelnetz in das gesamte Reich möglich. Da das Amt an das modernste Kabel der Zeit, ein Breitbandkabel, angeschlossen war, konnten sogar Fernsehsignale empfangen werden, wozu im Gebäude ein Fernsehumsetzer eingerichtet war. In den bei den oberirdischen Ortsämtern konnten im Friedensbetrieb 675 und im Mobilmachungsfall weitere 1.400, also fast 2.100 Teilnehmer bedient werden, das unterirdische Fernamt verfügte über 28 Bedienplätze mit 1.600 Teilnehmerklinken und 200 Außenanschlüssen. Ein umfangreiches Verstärkeramt sorgte über Haupt-, Zwischen-, Zusatz- und Endverstärker, Rundfunkverstärker, Rufumsetzer für die nötige Empfangs- und Sprechqualität. Telegrafieeinrichtungen ermöglichten über eine Vermittlung und 22 Standmaschinen den Fernschreibverkehr. Außerdem führten von der Anlage 75 Standleitungen zum Postamt Ohrdruf, welche von dort weiter zu den Hotels "Deutscher Kaiser" (40) und "Anker" (35) verteilt wurden. Leitungen mit 90 Anschlüssen waren außerdem nach Georgenthal ausgelegt."
Quelle: Zeigert, Dieter: Hitlers letztes Refugium?. Das Projekt eines Führerhauptquartiers in Thüringen 1944/45. Literareon im Herbert Utz Verlag GmbH, München 2003. S. 145

Das "Amt 10" war angebunden an:

- das Fk 502 Berlin-Trebnitz (501) – (Hohenkirchen – Amt 10) – München, Fertig-stellung am 06.08.1937. Von Hohenkirchen (ca. 3 km südöstl. von Ohrdruf) gab es einen Abzweig zum Amt 10.
- das Fk 11 Berlin – (Erfurt – Gotha – Eisenach) - Frankfurt a.M., Fertigstellung am 26.07.1923, und das Fk 41 Berlin – (Erfurt – Gotha – Eisenach) – Frankfurt a.M., Fertigstellung am 26.07.1929, über das Fk 202, gebaut 01.09.1936
- das Fk 202 Gotha – Ohrdruf – (Tobiashammer – Luisenthal – Stutzhaus) – Amt 10 – Tambuchshof – Bittstädt – Arnstadt – Erfurt, Fertigstellung am 01.09.1936
- das Fk 220 Eisfeld – Stutzhaus – Georgenthal – Eisenach – Leinefelde, Fertig-stellung am 15.04.1937. Das Fk verfügte über einen Abzweig nach Oberhof.
- das Fk 224 Stutzhaus – Crawikel – Gossel – Espenfeld – Siegelbach – Arnstadt, Fertigstellung am 01.08.1938
- das Flk Amt 10 – Wechmar – Wandersleben – Apfelstädt – Kornhochheim – Molsdorf – Möbisburg – Rhoda – Bunker-VA – Erfurt
- Das Verstärkeramt Stutzhaus (heute Luisenthal) wurde am 31.12.1937 fertig-gestellt.

Bemerkungen:
- Fk: Fernkabel
- Flk: Fernleitungskabel
- F: Fernsprech
- T: Telegraphie (Fernschreiben)

Anm. d. Verf. zum Amt 10:
1. Die DRP war Mitte der dreißiger Jahre in der Lage als "Generalauftragnehmer" die Bauplanung und Baudurchführung kompliziertester unterirdischer Anlagen zu realisieren.
2. Die DRP verfügte Mitte der dreißiger Jahre über die erforderlichen Kräfte und Mittel, um den Schutz und die Sicherung geheimer Anlagen zu gewährleisten. Wichtigste Instrument für diese Aufgabe war der 1933 gegründete "Postschutz", der seit März 1942 organisatorisch der Allgemeinen SS unterstellt und offiziell als "SS-Postschutz" bezeichnet wurde.
3. Während der Zeit der Errichtung des Amtes10 war durch die Belegung des Trup-penlagers Ohrdruf mit Truppen und durch eine rege Übungstätigkeit auf dem Tr.Üb.Pl. Ohrdruf eine perfekte Tarnung der Bautätigkeit gewährleiste.
4. Für welche Anlage wurde die vom 20. März bis zum 18. Juli 1936 durchgeführte Bohrung niedergebracht?
5. Wurden im Zeitraum der Errichtung des "Amtes 10", also von 1936 bis 1938 wei-tere unterirdische Anlagen auf dem Tr.Üb.Pl. Ohrdruf gebaut?

In seiner Entscheidung vom 14. Aug. 1936 hatte der Chef des GenStdH, Gen. Beck, folgende Forderung erhoben: "... Sowohl in Z bzw. W-Dorf wie in O müssen bombensichere Luftschutzanlagen (Luftschutzkeller usw.) geschaffen werden. Der Schwerpunkt des Ausbaues liegt auf O. Der Ausbau muß sofort in Angriff genommen werden."

Während in Zossen fast zeitgleich mit dem Nachrichtenbunker "Zeppelin" die Bunkersiedlung "Maybach I" sollen auf dem Tr.Üb.Pl. Ohrdruf, außer dem Nach-richtenbunker "Olga" keine weitere Anlagen errichtet worden sein, obwohl die Bautätigkeit auf Tr.Üb.Pl. Ohrdruf früher begonnen hat, als in Zossen.

6. Eine Errichtung von unterirdischen Anlagen auf dem Tr.Üb.Pl. Ohrdruf nach 1938, zumindest bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges, ist auf Grund folgender Baumaßnahmen eher unwahrscheinlich:

a) Die Hauptbauzeit des arbeitskräfte- und materialintensiven Westwalls lag zwi-schen 1936 und 1939, einschl. des Ausbaus der Luftverteidigungszone für die allein von 1938 bis zum 01. Mai 1940 mehr als 1.500 Bunkeranlagen errichtet wurden.
Quelle: Fuhrmeister, Jörg: Der Westwall - Geschichte und Gegenwart. Motorbuchverlag Stuttgart, 2. Aufl. 2004. S.
b) In der Heeresverteidigungszone des Westwalls wurden vom Mai 1938 bis zum Kriegsbeginn etwa 14.000 Bunker und Kampfanlagen errichtet, für die etwa 8 Millionen Tonnen Zement verbraucht wurden.
Quelle: Grasser & Stahlmann: WESTWALL - MAGINOT-LINIE - ATLANTIKWALL. Bunker- und Festungsbau 1930 - 1945. DRUFFEL VERLAG, LEONI AM STARNBERGER SEE 1983. S. 20

c) 51 % der Gesamtproduktion der Zementindustrie Deutschlands ging in den Westwall.
Quelle: Sünkel, W., Rack R. und Rhode, P.: Adlerhorst - Autopsie eines Führerhauptquartiers. Verlag W. Sünkel, Offenhausen 2002. S. 28

d) Die Errichtung des FHQu "Adlerhorst" in Wiesental-Ziegenberg-Kransberg bei Bad Nauheim, ab Sept. 1939, einschl. der unterirdischen Nachrichtenzentrale "Amt 600" im Bunker 6 der Anlage Ziegenberg.
e) Der Ausbau des in der Luftverteidigungszone West gelegenen FHQu "Felsen-nest" beim Dorf Rodert, 30 km südwestl. von Bonn, ab Okt. 1939.
f) Die Errichtung der Bunkerbauten "Hansa" für das geplante HQu des OKH in Gießen, einschl. der unterirdischen Nachrichtenzentrale "Amt Sachsenburg" in der Verdun-Kaserne, ab Herbst 1939.
g) Die laufenden Bauarbeiten in Zossen zur Errichtung der unterirdischen Nach-richtenzentrale "Zeppelin" ("Amt 500") sowie der Bunkersiedlungen "May-bach I" und "Maybach II".

7. Während des Krieges bis 1945 wurde das Amt 10 als Durchgangsnetz für das Reichsverteidigungsnetz betrieben.
8. "Im Juni 1944 gab es Anzeichen für eine Reaktivierung bzw. Umgestaltung des Amtes 10, welches wie viele andere ein Durchgangsamt auch im Heeresgrund-netz war. Man bat am 3.6.1944 um Fertigstellung der Anlage, weil mit einer Wie-derbelebung des Amtes Olga konkret gerechnet werden konnte.

Nach dem das RPM bei der Abt. WNV im OKW die Aufnahme des bereits 1938 verlegten, aber bis zu diesem Zeitpunkt nicht betriebenen Maschenkabels Fk 224 zur Rohstoffgewinnung (49 t Kupfer, 150 t Blei und 57 t Eisen) beantragt hatte, antwortet die Abt. WNV: " Das OKW ist mit der Aufnahme des Fk 224 (Arnstadt – Stutzhaus) nicht einverstanden, sondern bittet vielmehr um Fertigstellung der Anlage, weil mit einer Wiederbelegung des Amtes Olga jederzeit gerechnet werden kann."
Quelle: Vereinszeitschrift der Geschichts- und Technologiegesellschaft Großraum Jonastal e. V. Nr. 6. S. 26

10.11.1938
Aufstellung der Führungs-Nachrichten-Abteilung 40 (FüNaAbt 40) durch Abgaben verschiedener Nachrichten-Abteilungen im Truppenlager Ohrdruf. Dieser Ort war nur als Zwischenunterkunft bis zur Fertigstellung einer Kaserne in unmittelbarer Nähe des Eulenberges bei Arnstadt vorgesehen. Die Abteilung sollte im Mobilmachungsfall den Stamm für die Nachrichtenkräfte der oberen Führung und den Kern für die
I. Abt. des Führungs-Nachrichten-Regimentes 40 (FüNaRgt 40) stellen. Die Auf-stellung des FüNaRgt 40 erfolgte offiziell am 26. Aug. 1939 in Hofgeismar aus dem Kdr. der Nachrichtentruppen IX in Hofgeismar. Die I. Abt. wurde mit 9 Kompanien gebildet.
Quelle: Kampe, Hans Georg: Die Heeres-Nachrichtentruppe der Wehrmacht 1935-1945. Edition DÖRFLER im NEBEL VERLAG GmbH, Eggolsheim. S. 27
Quelle: Tessin, Georg: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg 1939-1945, FÜNFTER BAND: Die Die Landstreitkräfte 31-70. BIBLIO VERLAG, OSNABRÜCK 1977

1939

08. Aug. 1939
"In den späten Nachmittagsstunden des 8. August 1939 schrillten in den Unterkünf-ten der Nachrichtenabteilung 40 (FüNaAbt 40 Anm. d. Verf.) in Ohrdruf die Alarmsignale. Diese Abteilung mit ihren drei Kompanien war erst vor einem knappen Jahr als Stamm für die vom Heer dringend benötigten Führungs-Nachrichtentruppen aufgestellt worden. Im Kriegsfall sollte aus dieser Abteilung das Führungs-Nachrichtenregiment 40 (FüNaRgt 40) als Bedienungseinheit für das Oberkommando des Heeres Heranwachsen."
Quelle: Kampe, Hans Georg: Deckname "Zeppelin". Die Bunker im Hauptquartier des OKH in Zossen. Hönow b. Berlin, 2003. S. 60 f

"Wenige Stunden nach der Alarmierung verließen die Fahrzeuge der 1. Kompanie das Militärlager (Ohrdruf – Anm. d. Verf.) und durchfuhren die um diese nachtschla-fende Zeit menschenleeren Straßen des kleinen thüringischen Städtchens Ohrdruf in Richtung Arnstadt. Mit je einer Stunde Abstand folgten die 2. und danach die 3. Kompanie. Außer den Stabsoffizieren, den Kompaniechefs und Zugführern kannte niemand das Marschziel. Erste Vermutungen wurden laut, als die Kolonnen bei Erfurt auf die Reichsautobahn einbogen und den Marsch in Richtung Berlin fortsetzten. Endgültige Klarheit aber brachte dann der anbrechende Morgen, als die Kompanien die Autobahn bei Rangsdorf verließen und nach wenigen Kilometern Zossen erreichten."
Quelle: Kampe, Hans Georg: Deckname "Zeppelin". Die Bunker im Hauptquartier des OKH in Zossen. Hönow b. Berlin, 2003. S. 61

Nach dem Eintreffen in Zossen besetzten die Angehörigen der FüNaAbt 40 die Ver-mittlungen des Nachrichtenbunkers "Zeppelin" und bereiteten sich darauf vor, die hier eintreffenden Spezialisten der DRP in die Struktur einzugliedern und den Be-triebsdienst an den stationären Fernmeldeanlagen durchzuführen. Die Funkkompanie der Abteilung erhielt die Aufgabe die Funkzentrale des OKH aufzubauen, in Betrieb zu nehmen und zu bedienen.
Quelle: Kampe, Hans Georg: Deckname "Zeppelin". Die Bunker im Hauptquartier des OKH in Zossen. Hönow b. Berlin, 2003. S. 61

15. Aug. 1939
Das RPM meldet der In 7 /OKH den Abschluß der fernmeldetechnischen Vorberei-tungen für den "Fall Weiß" und die Deutsche Reichsbahn (DRB) erhielt am gleichen Tag vom Heeres-Transportchef die vereinbarte "Vorwarnung" zur Bereitstellung des geforderten Transportraumes.
Quelle: Kampe, Hans Georg: Deckname "Zeppelin". Die Bunker im Hauptquartier des OKH in Zossen. Hönow b. Berlin, 2003. S. 61

17. Aug. 1939
Die DRP erhält die Aufforderung zur Schaltung des Transportnetzes "Hektor", in dessen Folge u.a. die Transport-Betriebszentrale (TBZ) im Nachrichtenbunker "Zep-pelin" zum vollen Einsatzbetrieb überging.
Quelle: Kampe, Hans Georg: Deckname "Zeppelin". Die Bunker im Hauptquartier des OKH in Zos-sen. Hönow b. Berlin, 2003. S. 61

18. Aug. 1939
Die Schaltung der Luftwaffennetze und später auch der Marinenetze wird ausgelöst. Infolgedessen mußten immer von den vorbereiteten Querverbindungen zu anderen Oberkommando s im Nachrichtenbunker "Zeppelin" aufgeschaltet werden.

21. Aug. 1939
Beim RPM geht um 09.35 Uhr das folgende Telegramm ein: "... Störungsnetz Her-mann sofort übungsmäßig in Betrieb setzen. Bereitschaft ab 22.8. um 22.00 Uhr." Im Sondernetz "Hermann" waren alle Verbindungen für den Aufmarsch in Osten und in dem wenige Stunden später ausgelösten Störungsnetz "Ottokar", alle Ver-bindungen für den Aufmarsch im Westen zusammengefaßt. Mit der Schaltung dieser Führungsnetze gingen nun auch die Heeresvermittlungen im Nachrichtenbunker "Zeppelin" zum vollen Einsatzbetrieb über.
Quelle: Kampe, Hans Georg: Deckname "Zeppelin". Die Bunker im Hauptquartier des OKH in Zossen. Hönow b. Berlin, 2003. S. 62

25. Aug. 1939
Hitler befiehlt um 15.00 Uhr die Mobilmachung.
Der Chef des OKW gab diesen Befehl gegen 15.10 Uhr an das OKH weiter, das um 15.25 Uhr über alle Fernsprech- und Fernschreib-Verbindungen an die nachgeordneten Stäbe folgenden Befehl erteilte: "... Fall Weiß, 1. Y-Tag = 26.8., Uhrzeit: 4.30 Uhr!"

Gegen 19.00 Uhr befahl Hitler die Aufmarschbewegung anzuhalten, was gegen 20.00 Uhr beim OKH in der Bendlerstraße bekannt wurde und dort hektische Be-triebsamkeit auslöste, weil der Befehl in die Vorbereitungen für den folgenden Tag vorgesehene Verlegung des GenStdH in das HQu ZOSSEN hineinplatzte. In Umsetzung dieser politischen Entscheidung ging um 20.30 Uhr der folgende fernmündliche Befehl vom OKH an die nachgeordneten Heeresstäbe: "... Eröffnung der Feindseligkeiten verboten! Truppen sofort anhalten! Mobilmachung läuft weiter! Aufmarsch Weiß und West werden planmäßig gefahren!"

Hitler erteilte den Anhaltebefehl als er vom brit.-poln. Beistandspakt erfuhr und Italien sich von seinen militärischen Aktionen distanzierte.

Nur durch das in seiner Gesamtheit vollfunktionsfähige, vom Nachrichtenbunker "Zeppelin" ausgehenden Führungsnetz war es schließlich möglich, daß der Anhaltebefehl bis gegen 00.00 Uhr auch bei den letzten Infanteriedivisionen eingetroffen war und noch rechtzeitig umgesetzt werden konnte.
Quelle: Kampe, Hans Georg: Deckname "Zeppelin". Die Bunker im Hauptquartier des OKH in Zossen. Hönow b. Berlin, 2003. S. 62f

31. Aug. 1939
Adolf Hitler erteilt als Oberster Befehlshaber der Wehrmacht um 17:00 Uhr die "Weisung Nr. 1 für die Kriegführung". In dieser Weisung wird als Angriffsbeginn für den "Fall Weiß" (Angriff gegen Polen) der 01. Sept. 1939 04:45 Uhr festgelegt. Dieser Termin galt auch für die Unternehmungen Gdingen – Danziger Bucht und Brücke Dirschau.

01. Sept. 1939
Beginn des deutschen Feldzuges gegen Polen unter der Codebezeichnung "Fall Weiß". In den frühen Morgenstunden des 01. Sept.1939 fiel die dt. Wehr-macht von der Ostsee bis zu den Beskiden schlagartig in Polen ein. Der Angriff erfolgte ohne vorherige Kriegserklärung. War der von Deutschland begonnene Krieg zuerst noch ein Krieg zwischen zwei europäischen Staaten, verwandelte sich dieser Krieg ab 03. Sept. mit der Kriegserklärung Großbritanniens und Frankreichs an Deutschland von einem Krieg zwischen zwei Staaten in einen europäischen Krieg, einen Krieg der den Völkern der ganzen Welt unermessli-ches Leid brachte und der Millionen Opfer forderte.

03. Sept. 1939
Um 09:00 Uhr übergab der brit. Botschafter, Neville Meyrick Henderson, dem Dol-metscher des Auswärtigen Amtes, Paul Schmidt, in Berlin das brit. Ultimatum, in dem der Kriegszustand zwischen Deutschland und Großbritannien für 11:00 Uhr angekündigt wird, falls bis dahin keine befriedigende Antwort auf die War-nungsnote vom 01. Sept. gegeben werde. Reichsaußenminister Joachim von Rib-bentrop hatte es abgelehnt, den brit. Botschafter zu empfangen. Um 12:20 Uhr er-folgt die Übergabe der entsprechende frz. Note durch den frz. Botschafter Robert Coulondre mit einem Ultimatum, das auf 17:00 Uhr befristet war.

Nach Ablauf des brit. bzw. des frz. Ultimatums tritt der Kriegszustand im Westen ein. Die brit. Dominien schließen sich dem Schritt des Mutterlandes an. Die Südafrikani-sche Union erklärt Deutschland am 06. Sept. und Kanada am 10. Sept. den Krieg.

04. Sept. 1939 – Die Suche des GenStdH nach einen neuen Hauptquartier
Gen.d.Art. Franz Halder, der nach Rücktritt von General Beck am 01. Sept. 1938 dessen Posten als Generalstabschef des Heeres übernommen hatte, befindet sich im Bunkerhaus Nr. 5 des HQu des Heeres in Zossen beim ObdH, GO Walther von Brauchitsch, zu einer Besprechung. "Man besprach dort die Konsequenzen, die sich aus der am Vortage bekanntgewordenen Kriegserklärung Englands und Frankreichs für die im Westen aufmarschierten Heeresverbände ergaben. Insbesondere waren es die großen Entfernungen zwischen dem Hauptquartier in Zossen und den drei Armeeoberkommandos an der Westfront, die im Hinblick auf die Truppenführung Anlaß zur Besorgnis gaben. Erste Probleme in dieser Hinsicht kündigten sich bereits in Polen an. … Man mußte also für den Fall operativer Bewegungen an der Westfront zwangsläufig an die Einrichtung eines weiter westwärts gelegenen Hauptquartiers denken und General Halder schlug dem Oberbefehlshaber als Standorte die Truppenübungsplätze Wildflecken, Hammelburg und das Sennelager vor. In der sich anschließenden Lagebesprechung im Haus 6 erhielten dann der Chef des Heeresnach-richtenwesens, Generalmajor Fellgiebel, und der Chef des Transportwesens, Gene-ral Gehrke, erste Weisungen zur Erkundung der sich an diesem Ort bietenden Mög-lichkeiten.

Kaum 24 Stunden später aber änderte der Generalstabschef seine Vorschläge vom Vortage und trug dem Oberbefehlshaber nunmehr vor, das Hauptquartier des Ober-kommando des Heeres in Gießen oder Bad Nauheim zu stationieren und sofort die Eignung beider Orte für diesen Fall erkunden zu lassen." Siehe 02. Okt. 1939.
Quelle: Grether, M.; Kampe, H.-G., Deckname "Hansa". Die Bunker im geplanten Hauptquartier des OKH in Gießen. Projekt + Verlag Dr. Erwin Meißler. Berlin 1997. S. 20

27. Sept. 1939
An diesem Tag, kaum nach Berlin zurückgekehrt, berief Hitler die Oberbefehlshaber der drei Wehrmachtteile und ihre Chefs der Generalstäbe in die Reichskanzlei, um sie auf die Fortsetzung des Krieges vorzubereiten.

Unter dem Eindruck des Sieges in Polen teilte Hitler ohne vorherige Konsultation des OKH den versammelten Militärs seinen Entschluß mit, noch in diesem Jahr im Westen unter Bruch der holländischen, belgischen und luxemburgischen Neutralität offensiv zu werden, falls die Westmächte nicht einlenkten.
Quelle: Gruchmann, Lothar: Der Zweite Weltkrieg – Kriegführung und Politik. Deutscher Taschen-buchverlag GmbH & Co. KG, 11. durchgesehene und aktualisierte Auflage März 2005. S. 44

02. Okt. 1939
"Schließlich wurde am 2. Oktober 1939 dann festgelegt: Der Oberbefehlshaber des Heeres geht – so wie von Hitler befohlen – mit einem Verbindungsstab zum FüHQu und sein eigentliches Führungsorgan – der Generalstab des Heeres – wird die gegen Holland, Belgien und Frankreich geplanten Operationen von Gießen aus koordinieren und führen."
Quelle: Grether, M.; Kampe, H.-G., Deckname "Hansa". Die Bunker im geplanten Hauptquartier des OKH in Gießen. Projekt + Verlag Dr. Erwin Meißler. Berlin 1997. S. 23

Mit dieser Entscheidung wurde das Amt 10 endgültig bis zu seiner Aktivierung im Jahre 1944 zur Durchgangsnachrichtenzentrale degradiert. Gleichzeitig be-deutet dies aber auch, wenn nicht bis zu diesem Zeitpunkt neben dem Amt 10 weitere unterirdische Anlagen geschaffen worden waren, daß nach dieser Ent-scheidung bis zum Herbst 1944 auf keinem Fall weitere unterirdische Anlagen auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf gebaut worden sind.

"In den langfristig angelegten Vorkriegsplanungen des Generalstabes war für den Fall einer Kriegseröffnung durch Frankreich vorgesehen, das Hauptquartier des OKH auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf – Deckname »Olga« zu stationieren. Die dazu erforderlichen Vorbereitungen waren Bestandteil der Mobilmachungsplanung des Heeres. … Deshalb drängt sich die Frage auf, weshalb von dem für die Auswahl Ziegenbergs verantwortlichen OKW diese Planungen keine Beachtung fanden. Da in dieser Hinsicht jegliche Überlieferungen fehlen kann eine Antwort darauf auch nur hypothetischen Charakter tragen. Die geographische Lage Ohrdrufs entsprach zwar den Führungsanforderungen einer möglichen Verteidigung, sie erfüllte aber nicht die Erfordernisse des nunmehr auf der Tagesordnung stehenden Angriffskrieges im Westen. Offensichtlich spielten auch nach wie vor bestehende divergierende Auffassungen zwischen der Wehrmacht- und der Heeresführung zur Frage der Zuständigkeit für die Gesamtleitung der Operationen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Das äußert sich u.a. darin, daß es bei der Standortbestimmung für das Führerhauptquartier durch die Abteilung Landesverteidigung beim OKW offenbar keinerlei Mitwirkung des OKH gegeben hat. Wie sonst wäre die Nichtbeachtung der ungünstigen Lage Ziegenbergs im Fernkabelnetz zu erklären, was nicht ohne Folgen bleiben sollte."
Quelle: Grether, M.; Kampe, H.-G., Deckname "Hansa". Die Bunker im geplanten Hauptquartier des OKH in Gießen. Projekt + Verlag Dr. Erwin Meißler. Berlin 1997. S. 27

Die obigen Ausführungen der Herren Grether und Kampe sind eine wohldurchdachte und scharfsinnige Analyse der damaligen Verhältnisse in der obersten militärischen Führung der Wehrmacht. Sie zeigen deutlich, warum das Amt 10 zur Durchgangsnachrichtenzentrale degradiert worden ist.

20. Dez. 1939
Die Abt. WNV im OKW informiert das RPM über die nachstehende Entscheidung des OKH: "... OKH hat in Anbetracht der schwierigen Lage am Rohstoff- und Arbeitsmarkt auf die Weiterführung des Bauvorhabens Amt 800 z.Zt. verzichtet. Es wird gebeten, die sofortige Einstellung der Arbeiten zu veranlassen."

Das Bauvorhaben "Amt 800" hatte bis zu diesem Zeitpunkt folgenden Stand erreicht: Die Baugrube war fertig ausgehoben: 70 x 30 Meter und 40 x 21 Meter; Tiefe etwa 30 Meter. Der Aushub kann auf etwa 110.000 Kubikmeter beziffert werden. Die Bunkersohle war betoniert, mit seitlichen Umfassungswänden sollte begonnen werden. Die Baustelleneinrichtung war voll funktionsfähig. Die Baustromversorgung (etwa 10 kW) wurde über ein ca. 1,2 Kilometer langes Hochspannungskabel gesichert.
Quelle: Vereinszeitschrift der Geschichts- und Technologiegesellschaft Großraum Jonastal e. V. Nr. 6. S. 25

1940

20. März 1940
Die Abt. WNV im OKW stimmt den Vorschlag des RPM zu, die "... Baugrube des Amt 800 nach Beendigung des Krieges ..." zuzuschütten.
Quelle: Vereinszeitschrift der Geschichts- und Technologiegesellschaft Großraum Jonastal e. V. Nr. 6. S. 25

Panzermann
[wer.der.]
Zuletzt geändert von Panzermann am Dienstag 6. Dezember 2011, 15:06, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Formatierung
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Re: Entwurf Zeitleiste Amt 10 Teil 3 1938 - 1940

Beitragvon PEKE » Montag 5. Dezember 2011, 19:13

Ich bin begeistert. Es ist eine unheimlich Fleißarbeit. Danke
Gruß Peter

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Re: Entwurf Zeitleiste Amt 10 Teil 3 1938 - 1940

Beitragvon geige » Dienstag 6. Dezember 2011, 19:37

Habe jetzt alles einmal gelesen,ziehe den Hut vor Dir.Danke
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Re: Entwurf Zeitleiste Amt 10 Teil 3 1938 - 1940

Beitragvon XS500 » Mittwoch 7. Dezember 2011, 16:23

Hallo an die Ersteller der Zeitleiste,

ich verbeuge mich vor Euch/Dir. Eine fantastische Arbeit und genau die Antwort auf meine Frage.

Danke

XS500
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Re: Entwurf Zeitleiste Amt 10 Teil 3 1938 - 1940

Beitragvon Panzermann » Mittwoch 7. Dezember 2011, 17:08

Hallo XS500,

ich hatte Deine Frage im Forum gelesen. Da ich, wie im Beitrag geschrieben, schon früher einmal einen Entwurf erstellt hatte, habe ich die drei Teile am Wochenende noch etwas überarbeitet und ins Netz gestellt. Es wäre nützlich, wenn alle "Wissenden" diesen Entwurf ergänzen würden und allen Forum-Mitgliedern zugänglich machen. Dann wäre es eine runde Sache.

Viele Grüße

Panzermann
[wer.der.]
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Re: Entwurf Zeitleiste Amt 10 Teil 3 1938 - 1940

Beitragvon Dachs » Donnerstag 8. Dezember 2011, 09:04

Hallo Panzermann!

Du bist eine Bereicherung im Forum! Nach langer Zeit endlich jemand, der sich mit der Materie vertraut macht und sein Wissen einstellt. Danke!! Es ist bedauerlich, dass Einige viel wissen, aber nur bei absoluter Notwendigtkeit etwas anschneiden und dann mit Getöse alles ins Gegenteil drehen. Die Spezis wissen wo von ich rede!!! So ist es in den Foren üblich! Trägt leider nicht zur Aufarbeitung der Geschichte bei!

Weiter so! :-top)

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Re: Entwurf Zeitleiste Amt 10 Teil 3 1938 - 1940

Beitragvon Under » Montag 19. Dezember 2011, 19:44

Hut ab
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Re: Entwurf Zeitleiste Amt 10 Teil 3 1938 - 1940

Beitragvon andritzky » Montag 14. Januar 2019, 07:38

Hervorragende Arbeit, ist die Zeitleiste irgendwo zitierfähig publiziert worden ?
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Re: Entwurf Zeitleiste Amt 10 Teil 3 1938 - 1940

Beitragvon Panzermann » Mittwoch 16. Januar 2019, 08:29

Diese Zeitleiste "Amt 10" gibt es in dieser Form nur in diesem Forum!

Gruß Panzermann
Nur wer die Geschichte kennt, der versteht auch die Gegenwart. Die Geschichte ist keine Schiefertafel auf der man beliebig etwas hinzuschreiben oder wegradieren kann.
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